Operation: Mindcrime lassen das Queensryche-Erbe in Triest wieder aufleben (2015)
Ort: Triest / Hafenarbeiterhaus (Teatro Miela) / Italien
Datum: 02.12.2015
Geoff Tate ist auf der internationalen Rock- und Metal-Bühne ein mehr als bekannter Name. Der einstige Frontmann der legendären Art-/Heavy-Metaller Queensryche aus Seattle stand nach seinem Abschied aus der Band schnell wieder auf eigenen Beinen. Nach einem Gerichtsurteil bekam er das Recht, den Namen Operation:Mindcrime zu nutzen (der Titel eines Queensryche-Albums und eines der eindrucksvollsten Alben der gesamten Heavy-Metal-Ära) und außerdem das Recht, das komplette Album Operation: Mindcrime live auf Konzerten aufzuführen.
Weil Tate aber ein kreativer Kopf ist, schreibt er natürlich auch ganz neue eigene Musik. So hat er dieses Jahr das erste Album seiner neuen Formation Operation:Mindcrime aufgenommen und veröffentlicht, mit dem Titel »The Key«. Es ist ein Konzeptwerk, eigentlich eine Trilogie, und »The Key« ist der erste Teil der ganzen Geschichte. Auf dieses Album werden nämlich noch zwei weitere folgen.
Solider Besuch im berühmten Hafenarbeiterhaus in Triest. Es hätten ruhig mehr Leute sein können, aber egal. Vor dem Auftritt von Operation:Mindcrime heizten die britischen Metaller I.C.O.N. dem Publikum ein. Die Band hat bis auf generischen Schund keine besondere musikalische Spannung geliefert. Die Gruppe, die bis zur Tour mit Operation: Mindcrime die Bühnen mit etablierten Namen wie unter anderem Blaze Bayley, Furyon, Conquest of Steel, Diamond Head, Voodoo Six, Witchfynde, Logan, Jaguar und Zico Chain geteilt hat, besteht aus Mark Sagar (Gesang), Scott Knowles (Gitarre), Reece Bevan (Bass) und Larry Peterson (Schlagzeug). Das Quartett bekam knapp eine Stunde Zeit, um Material der ersten beiden Alben vorzustellen, wobei natürlich das neue, »The Blacklist«, das im Juni dieses Jahres erschien, Vorrang hatte. Die Band kommt aus den traditionellen Werten des Heavy Metal, man hört Einflüsse von Black Sabbath und sogar Rock’n’Roll-Dreck (Motörhead). Richtig »zubeißen« tun I.C.O.N. aber nicht. Ein schnell vergessener Auftritt.
Kurz vor halb elf abends betrat Geoff Tate endlich mit seiner neuen Band die Bühne, zu der neben Geoff noch gehören: Kelly Gray (Gitarre, Ex-Queensryche), Scott Moughton (Gitarre) , Randy Gane (Keyboards), John Moyer (Disturbed, Bass) und die echte Hard-Rock-Legende Simon Wright (Schlagzeug), der unter anderem auch bei AC/DC, DIO, UFO, Rhino Buckett,… getrommelt hat.
Das Interesse galt in erster Linie Geoff und seiner Gesangsform. Nach dem Intro bot sich bei Revolution Calling die erste Gelegenheit, das zu prüfen. Und ja. Der Anfang war nicht gerade vielversprechend. Tate fehlte stellenweise ein knapper halber Ton an Höhe, stellenweise passte er die Melodielinien erwartungsgemäß an. Viel besser wurde es auch beim folgenden Operation: Mindcrime nicht. »Zieht der das Konzert überhaupt durch?«, lautete meine panische Frage. Und dann wurde es plötzlich deutlich besser. Geradezu schockierend besser. Den Rest, nicht nur des Albums »Operation: Mindcrime«, sondern des ganzen Konzerts, sang Geoff Tate auf hervorragendem, anspruchsvollem Niveau. Auch die Band kam dem Originalsound von klassischen Queensryche sehr schön nahe. Kelly Gray übernahm dabei erwartungsgemäß die meisten Soli und harmonischen Verzierungen an der Gitarre und überhaupt die meisten der anspruchsvolleren Gitarrenparts.
Schon allein die Live-Aufführung eines so stark aussagekräftigen Albums wie Opration: Mindcrime schafft eine ganz eigene Atmosphäre und Erfahrung, und beim durchgedrehten italienischen Publikum waren die Emotionen noch einmal deutlich gesteigert. Die Intensität der Gefühle, die den Auftritt durchzog, war enorm. Da denkt man sich: »Was zum Teufel haben sich Queensryche und Tate überhaupt getrennt? Der Mann hat die Stimme, er hat enorme Ausstrahlung, alles wäre gut (und dann kommt das berühmte), wenn,…« Egal. Auch das Album »The Key« ist sehr, sehr gut. Erwartungsgemäß bog die Band nach den Stücken des Albums »Operation Midncrime« auf das Album The Key ab und spielte das druckvolle, hochmelodische Re-Inventing the Future (die meisterhaft »umgedrehte« Queensryche-Nummer I Don’t Believe In Love), gefolgt vom düsteren The Stranger und danach Burn. Den regulären Teil des Konzerts beschlossen noch zwei Queensryche-Klassiker, nämlich Damaged (»Promised Land«, 1994) und der »The Warning«-Klassiker Take Hold On The Flame. Die Band mit dem charismatischen Geoff an der Spitze spielte das Ganze auf hohem Niveau, völlig souverän und ohne irgendwelche Probleme oder Patzer. Im Mix waren während des Konzerts nur die Keyboards schlechter zu hören, am Anfang war der Bass etwas zu laut, ansonsten war der Sound, was das gesamte Klangbild angeht, mehr als vorbildlich.
Nach der Rückkehr auf die Bühne nahm sich Geoff Tate mehr Zeit und stimmte das Publikum auf eine der berühmtesten Balladen der Rock-Ära ein, die Queensryche zu großem kommerziellen Erfolg verholfen hat. Man muss gar nicht lange raten. Silent Lucidity. Auch der Rest der Zugabe gehörte dem Album »Empire« (1990) mit The Thin Line, Jet City Woman und Empire.
Der Auftritt endete nach einer Stunde und fünfundvierzig Minuten. Tate und Moyer waren schnell am Stand mit den offiziellen Konzert-Souvenirs, gaben den Fans die Hand, verteilten Autogramme und machten Fotos mit ihnen. Ein Konzert von Operation: Mindcrime ist mehr als ein tolles Erlebnis, für alle Fans der klassischen Queensryche sogar Pflicht, denn im Repertoire von Operation: Mindcrime steckt überwiegend die Musik von Queensryche. Und obendrein hält Tate auch in reiferen Jahren eine hervorragende Gesangsform.
Autor: Aleš Podbrežnik
Setlist:
1. I Remember Now
2. Anarchy-X
3. Revolution Calling
3. Operation: Mindcrime
5. Speak
6. Spreading The Disease
7. The Mission
8. Suite Sister Mary
9. The Needle Lies
10. Electric Requiem
11. Breaking The Silence
12. I Don’t Believe In Love
13. Waiting For 22
14. My Empty Room
15. Eyes Of A Stranger
16. Re-Inventing the Future
17. The Stranger
18. Burn
19. Damaged
20. Take Hold On the Flame
—Zugabe—
21. Silent Lucidity
22. The Thin Line
23. Jet City Woman
24. Empire