Die Abenteuer von Kapitän Ahab in der Gromka (2012)
Ort: Ljubljana / klub Gromka (Metelkova) / Slowenien
Konzertdatum: 03.06.2012
Besucherzahl: 150
Kartenpreis: 10,00€
Während sich die eher mainstream-orientierten Metaller im Kino Šiška beim Megadeth-Konzert vergnügten, zogen wir am Sonntag, dem 3.6., die mit der dunkleren Seele, in die Gromka zu einem Doom-Leckerbissen in Form der Bands The Canyon Observer, Ophis, Esoteric und Ahab. Bevor ich weitermache, möchte ich zunächst den Veranstaltungsort selbst loben, der sich langsam neben den renommierteren Locations in Ljubljana und auf der Metelkova behauptet. Der Sound war nämlich genau auf die gespielten Genres zugeschnitten, und auch die Atmosphäre war einfach erstklassig.
Beim Warten auf den Beginn des Abends hatte ich kurz das Gefühl, dass Megadeth und die Tatsache, dass an genau jenem Wochenende in Kroatien das Festival Metalfest stattfand, viel Klientel abgezogen haben könnten. Vor dem Eingang lungerten rund zwanzig Leute noch etwa eine halbe Stunde vor Beginn herum. Umso angenehmer war die Überraschung, als ich beim Eintreten feststellte, dass die Halle im Grunde voll war. Und das war auch gut so.
Den Auftakt machten die slowenischen The Canyon Observer. Über sie habe ich schon zweimal geschrieben, also werde ich hier das Rad nicht neu erfinden. Was ich sagen kann: Die Jungs mit ihrem charismatischen Sänger an der Spitze liefern einen Auftritt ab, wie er sich gehört. Egal ob sie wie diesmal knappe eine halbe Stunde haben oder Zeit, ihr breiteres Opus vorzustellen. Und obwohl ich sie schon mehrmals gesehen habe, lassen sie mich nie kalt – oder um es deutlicher zu sagen: Bei ihrer Musik ist es schwer, stillzustehen. Was gut ist.
Nach dem angenehmen ersten Support traten die Deutschen Ophis auf die Bühne. Die ersten Vertreter des schweren Dooms an diesem Tag. Die Deutschen überraschen uns im Extreme Metal schon seit geraumer Zeit positiv. Ihre DSBM- und Black-Metal-Streifzüge bewegen sich langsam bereits an die Grenzen des Epischen. Und auch Ophis zeigten einige Fähigkeiten, die offenbar in der DNA der Germanen verankert sind. Ihre Interpretation des Dooms berührt auch den Death Metal, und in jenen Momenten, wenn der Schlagzeuger die Stücke vokal übernimmt, die depressiveren Formen des Black Metal. Dennoch sind sie durch und durch orthodoxe Doomer mit der kraftvollen und schulmäßigen Stimme des Gitarristen. Wenn ich das Konzert richtig verfolgt habe, präsentierten sie uns Stücke aus allen fünf ihrer Veröffentlichungen, darunter zwei Alben. Die Atmosphäre war der Düsterheit des Abends mehr als angemessen. Das Genre selbst ist schon so, dass es einen irgendwie aufsaugt. Die langsamen, hypnotischen Riffs tragen das Ihre zur Erfahrung bei. Angesichts des Veranstaltungscharakters war es dann doch etwas zu ausgelassen, dass wir dem Bassisten Oliver, der an diesem Tag Geburtstag feierte, ein Happy Birthday sangen. Der Sänger holte uns aber sofort wieder auf den Boden der Tatsachen, als er das nächste und letzte Stück ansagte, das den Namen Funeral trug. Wie passend.
Als Nächstes waren die Briten Esoteric an der Reihe. Die Band ist zahlreich besetzt und ihre Präsenz ist etwas Besonderes. Der Sänger trägt ein Headset-Mikrofon, ähnlich jenem, das DJ Bobo auf dem Höhepunkt seines Ruhms hatte. Die Gruppe hat sechs Mitglieder, also füllten sie die Bühne schön aus. Interessant war auch der Anblick des Keyboarders, der unter seinem Keyboard einen Schal des Fußballklubs Aston Villa hängen hatte. Schon ein Blick auf ihre Seite auf der Encyclopaedia Metallum ist leicht einschüchternd. Unter den sechs Veröffentlichungen hat das Album Subconscious Dissolution into the Continuum die niedrigste Wertung – und das sind 89! Ich sage nicht, dass die Wertungen auf dieser Seite die maßgeblichsten der Welt sind. Aber das Ganze hat schon Gewicht. Sie spielen eine Mischung aus Doom und Death Metal mit stark elektronisch verstärktem Gesang und wuchtigen Gitarreneffekten. Und von allen Bands an diesem Tag könnte ich sagen, dass diese Meister für den durchschnittlichen Hörer am zugänglichsten wären. Leider habe ich keinen einzigen Stücktitel mitbekommen. Gefallen hat mir ein Stück, das eine Mischung aus mittelschnellen Gitarrenläufen und extremst langsamem, mit mörderischem Gesang getränktem Rhythmus war. Die Keyboards kamen nicht immer voll zur Geltung, was mich anfangs etwas besorgte, aber sie waren immer dann zu hören, wenn es nötig war, und trugen entscheidend zur Atmosphäre bei. Im Hintergrund liefen einfache Projektionen von Mustern in lebhaften Farben, die ihr Übriges zur Stimmung beitrugen. Ihr Auftritt verging gerade wegen der Melodiosität und Zugänglichkeit am schnellsten. Was beim Doom irgendwie nicht das Ziel ist.
Nach einer kurzen Pause erschienen dann die mächtigen Ahab auf der Bühne. Die Jungs aus Bayern jagen Moby Dick seit 2004, und wenn sie sich an Herman Melvilles Buch halten, werden sie noch lange auf der Szene bleiben. Ihnen gebührt aufrichtiger Respekt für das Konzept der Band. Auch die Atmosphäre fangen sie wunderbar ein – die Musik selbst ist eine Mischung aus Melancholie, Aggressivität und Zeitlosigkeit, was ja der Kern der Geschichte ist. Live hatte ich sie vorher schon zweimal gesehen. Beide Male auf einem Festival zu den unmöglichsten Morgenstunden, sodass ich meist schnell aufgegeben hatte. Umso mehr freute ich mich auf den Hallenauftritt, der immer etwas Besonderes ist. Auf der Bühne standen zwei aufrechte Flaggen mit Ankern darauf, ähnlich jenem, das Popeye auf dem Unterarm tätowiert hat. Vielleicht war die Bühne für dieses Setup nicht ideal, da eine der Flaggen die Einheit der Band optisch störte. Der linke Gitarrist wirkte während des gesamten Konzerts so, als würde er eher für sich selbst spielen. Das bedeutete jedoch keineswegs, dass sie keine erstklassige Show ablieferten. Dass ihre Stücke mindestens zehn Minuten lang sind, wussten wir bereits, und das war Anlass für so manchen Witz. Interessant ist aber, dass die Länge live überhaupt kein Problem darstellt. Der Gesang von Daniel Droste ist schlicht erstklassig und wie gemacht für dieses Genre – und wenn alle gemeinsam in einen groovigeren Moment reingehen, wippt die ganze Halle mit. Und wenn diese echte Kohäsion zwischen Band und Publikum besteht, kann man von einem guten Konzert sprechen. Zum Abschluss hielten sie sich, nach kurzem Zurückrufen auf die Bühne, noch das Stück The Hunt zurück, bei dem sich die Gruppe in vollem Glanz zeigt.
An jenem Sonntag war ich also Zeuge eines wirklich erstklassigen Abends. Der Fairness halber sei auch erwähnt, dass der Kartenpreis nicht übertrieben war – 10€ erscheinen mir mehr als angemessen für ein solches Event.
Setlist
AHAB
1. Divinity of Oceans
2. Further South
3. Deliverance
4. Old Thunder
5. Antarctica
6. The Hunt
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