Mary Rose im Schatten der Ljubljanaer Burg (2012)
Autor: Urban Bolta
Konzertdatum: 17.03.2012
Besucherzahl: 60
Eintrittspreis: 2€
Die traditionellen Samstagabend-Metalabende im Klub Fabrka, einen Steinwurf vom Zentrum Ljubljanas entfernt, im Schatten der Ljubljanaer Burg, wurden diesmal von Live-Musik abgelöst – kurz vor der Veröffentlichung des heiß erwarteten Nachfolgers des Albums »Feniks« kehrten Mary Rose in die Hauptstadt zurück, die kernigen Vertreter der old-school Hard-Rock-Tradition aus Postojna.
In den winzigen Innenraum des Klubs drängten sich runde 50 Seelen, darunter jede Menge reifere Semester – kurz dachte ich, ich wäre auf einem Konzert in einem deutschsprachigen Land gelandet, wo ältere Generationen auch im fortgeschrittenen Alter irgendwie Rock unterstützen, was von unseren Breitengraden nun wirklich nicht behauptet werden kann. Mehr als die Besucher plagte die Enge Mary Rose – Keyboarder Sandi und Bassist Mitja quetschten sich rechts am Tresen, David hat sein Drum-Set mit Mühe auf dem Boden untergebracht, ganz am Bühnenrand hielt Frontman Žak die Stellung, und dann war da noch der Bandkopf, Gitarrenguru Eki, auf der linken Seite der improvisierten Bühne.
Konzertbeginn war für acht Uhr abends angesagt, doch ich bin nach alter slowenischer Manier eine gute halbe Stunde zu spät aufgetaucht, was sich als Fehler herausstellen sollte. Mary Rose fingen pünktlich zum angekündigten Zeitpunkt an und reihten in der ersten Konzerthälfte Eigenkompositionen vom Album »Feniks« aneinander. Im intimen Klubambiente glänzte Žak, lässig über einen Barhocker gelehnt sorgte er mit witzigen Einlagen durchgehend für eine entspannte Atmosphäre. Izgubljen v času, Vse in malo več, Zvezda und die anderen Nummern kamen beim Publikum gut an, das sich größtenteils aus Freunden der Band zusammensetzte. Den organischen Touch lieferte Sandi mit einem Hauch Hammond-Orgel-Sound – genau seine Parts verliehen dem Mary Rose-Sound diesen alten, fetten Groove, wie etwa im Outro des Songs Križ je s tabo, in das das Gespann Eki / Sandi die ganze Magie des Deep Purple-typischen Zusammenspiels von Gitarre und Keyboards erfolgreich einwob.
In der zweiten Konzerthälfte spielten Mary Rose einen Reigen an Covers, serviert mit dem unverwechselbaren Stempel des Perfektionismus. Here I Go Again (Whitesnake), Breaking The Law (Judas Priest), Can I Play With Madness (Iron Maiden), Tako ti je mala moja kad ljubi bosanac (Bijelo Dugme) und weitere immergrüne Melodien waren in der Ausführung der Postojnaer echter Balsam für die Ohren. Obwohl Gitarrist Eki mit ständigen Blicken zu Verstärker und Mischpult seinen Unmut über den Sound signalisierte, war das Klangbild wie aus dem Bilderbuch! Frontman Žanil Tataj Žak bleibt ein Meister der Interpretation. Zwischen Covers von Künstlern verschiedenster Genres zu jonglieren erfordert ein stressiges Umschalten von Stimmumfang und -farbe – dabei hat sich Žak erneut bewährt und großen Meistern wie Freddie Mercury, Rob Halford oder David Coverdale auf würdige Weise gehuldigt. Aber Achtung! Mary Rose haben diesmal aus mir unbekannten Gründen die Backing Vocals komplett vernachlässigt, was sich als großes Manko erwies – mehr als bei den Covers war die klangliche Lücke bei den Eigenkompositionen zu hören.
Der fast zweistündige Ausflug hat mich erneut überzeugt, dass Mary Rose ein Unikat auf der slowenischen Hard-Rock-Landkarte sind – und ich warte schon ungeduldig auf den Moment, wenn ihr neues Album das Licht der Welt erblickt, mit dem die Jungs aus dem Küstenland ein neues Kapitel in ihrer Geschichte aufschlagen werden.
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