Stürmischer Death-Metal-Sonntag mit Vital Remains, Malevolent Creation und Krisiun! (2012)

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Autor: Rok Klemše

Ort: Gala hala, Ljubljana
Konzertdatum: 26.02.2012
Besucherzahl: 300
Kartenpreis: 20€/25€

Am siebten Tag vollendete Gott sein Werk, das er getan hatte, und am siebten Tag bereitete Satan sein Terrain. Und als Gott ruhte, erschuf Satan den Death Metal und ruhte am siebten Tag von allem Headbangen, das er vollführt hatte. Und Satan entweihte den siebten Tag und schändete ihn, denn an diesem Tag ruhte er von all dem Death Metal, den er gehört hatte, während er erschuf. Und während er erschuf, hörte er Vital Remains, Malevolent Creation sowie Krisiun, und uns armen Sündern war es vergönnt, letzten Sonntag auf den Knien zur Dreieinigkeit der Death-Metal-Götter zu beten.

Doch zuvor betrat die italienische Black/Death-Metal-Band Hatesower die Bühne, und diesmal musste man sich nicht einmal die Ohren zuhalten oder nach draußen zum Bier flüchten. Mit ihrem Aussehen als Gothic-Tussis (der Vokalist mit irgendwelchen Halbärmeln über den Unterarmen; wozu die dienen, weiß ich immer noch nicht – hat der Typ vergessen, sich die Ärmchen zu rasieren?) versprachen sie anfangs zwar nichts Besonderes, doch schon in den ersten Momenten bestätigten sie das Sprichwort: Der Schein trügt. Hatesower wärmten die kleine Menge vor der Bühne jedenfalls erfolgreich mit einem energiegeladenen Schuss melodisch gefärbtem Death/Black Metal auf, der einen zeitweise an neuere Hypocrisy erinnerte. Melodische Riffs und schön klingende Soli flogen am laufenden Band, und der perfekt eingestellte Sound sorgte dafür, dass endlich auch die Basslinien ans Licht kamen. Dem Ziegenbock sei Dank, denn der Bassist bewegte seine Finger geschickt über den Fretless-Bass, und einige der lebhaften Bass- und Gitarrenlinien erinnerten sogar an Death aus der Human-Ära. Etwas nervig war der Gesang des poserischen Frontmanns, der in nervtötenden Black-Metal-Tönen zischte; ansonsten war Hatesower aber eine richtig angenehme Überraschung.

 

Die nächsten Acts, die Italiener Karnak, waren schon etwas schwerer verdaulich, und einmal mehr bestätigte sich, dass Italiener, von wenigen seltenen Ausnahmen abgesehen, Death Metal eben einfach nicht spielen können. Karnak, die wir 2008 auch auf der Metal Mania sehen konnten, langweilten gut eine halbe Stunde lang mit träge dahinwalzendem Death Metal, der von einem massiven, aber vermatschten Sound, langweiligen Riffs und eintönigen Nummern gekrönt wurde, die sich glichen wie Pasta bolognese der Pasta carbonara – ihr Geschmack war zwar ein kleines bisschen verschieden, doch im Grunde trennte sie nichts außer vereinzelt gestreuten Soli, die ebenfalls keine große Originalität aufwiesen. Auch das Gegrunze, an sich ordentlich, schlug sich nicht besser: Das Growling war generisch, langweilig und repetitiv – wer den Stand-up von Pablo Francisco gesehen hat, weiß, wovon ich rede. Isa consisa!

Das änderte sich schlagartig, als die amerikanischen Vital Remains die Bühne betraten und das Jesuskind ordentlich verprügelten. »Where is Your God Now?« Keine Ahnung, aber letzten Sonntag war er in der Gala hala jedenfalls nicht da, er versteckte sich wohl unter einem Stein, lutschte am Daumen und sang Kumbaya, denn zu uns zurückgekehrt waren wieder Vital Remains, die in ihren Texten alles andere als Liebe zum Herrn, zu Benedikt XVI., zu Rode und zu Ljudmila Novak besingen. Von Vital Remains hatten wir einen kompromisslosen Schuss satanistisch und antichristlich gefärbtem Death Metal erwartet – und genau das haben wir auch bekommen! Dennoch ist es immer eine Überraschung, Vital Remains zu sehen, denn man weiß nie, wer auf der Bühne stehen wird. Diesmal betraten neben Bandchef Tony Lazaro erneut Sänger Scott Wily (mit dem am wenigsten nach Death Metal klingenden Nachnamen, »willy« ist im amerikanischen Slang das verniedlichte Wörtchen für Pimmel, hehe) und Bassist Gator Collier die Bühne, während der große Bwana Lazaro erneut zwei praktisch unbekannte Dämonen aus der Menge für die zweite Gitarre und das Schlagzeug aufstellte. Doch Vital Remains schmetterten schon mit dem Eröffnungsknaller die Gala hala direkt in den neunten Höllenkreis, auch wenn der Sound ihnen anfangs ordentlich zu schaffen machte. Scotts Gesang war praktisch unhörbar, das gesamte Klangbild anfangs dumpf und verschmiert. Das Publikum ließ sich jedoch nicht beirren, das Stage-Diving wollte kein Ende nehmen, und der großartige Response des Publikums kitzelte aus der Band, die auf der Bühne sichtlich Spaß hatte, noch mehr heraus. Trotz der aus(ge)zeichneten Vorstellung der Band spürt man dennoch das Fehlen des praktisch unersetzlichen Suzuki; der kleine Sologitarrist Brian Weber spielte zwar die epischen Gitarrensoli und dämonischen Passagen souverän und präzise, doch Bühnenpräsenz hat er gleich null. Aber Tatsache ist nun mal, dass wir Suzuki bei Vital Remains höchstwahrscheinlich nicht mehr sehen werden, und man wird sich daran gewöhnen müssen, dass auch in seiner Abwesenheit Nummern wie Devoured Elysium, Icons of Evil, Hammer Down the Nails und Let the Killing Begin (inklusive eines epischen, blasphemischen Intros und einer so guten Atmosphäre, die die Gitarrenlinien aufbauen, dass man am liebsten mit einem Kanister Benzin und einem Feuerzeug in die nächste Kirche marschieren würde) gnadenlos einreißen. Der Band ist etwas anzukreiden, dass sie die ersten vier Alben komplett ignoriert haben; manchmal ist es schon fast quälend, sieben-, acht- und neunminütige Nummern durchzusitzen. Aber Vital Remains waren wohl die Gewinner des Sonntagabends und trieben die Nägel in die zarten Händchen mit der Kraft eines 6(66)-Tonnen-Hammers. Lasset uns beten!

Auch Malevolent Creation enttäuschten nicht und lieferten eine ordentliche Dosis Old-School-Death-Metal, auch wenn man nach vergangenen Enttäuschungen nicht allzu viel von ihnen erwartet hatte. Aber Brett Hoffman und seiner Band gelang es zu beweisen, dass sie noch wissen, wie man Death Metal serviert. Auch die anderen Amerikaner betraten der Reihe nach die Bühne in einer merkwürdigen Besetzung, denn offensichtlich gibt es in der Band mal wieder nur Phil Fascianos eine Gitarre, und den unbekannten Bassisten haben sie wohl beim Trampen in Fernetiči aufgegabelt. Trotz der merkwürdigen Besetzung revanchierte sich Malevolent Creation mit einer ausgezeichneten Setliste, die vor allem aus Tornadoes vom Debütalbum The Ten Commandments und seinem Nachfolger Retribution bestand. Hoffman war in guter Stimmform und grölte ordentlich Klassiker wie Remnants of Withered Decay, Multiple Stab Wounds und Corronation of Our Domain herunter und bewies erneut, dass er den coolsten Schnurrbart im Death Metal hat. Solide Form bestätigten auch die übrigen drei Mitglieder, vor allem Fasciano, der das Fehlen der zweiten Gitarre recht erfolgreich kaschierte (auch wenn man sie zeitweise schmerzlich vermisste), und allen voran Schlagzeuger Gus Rios, der die Felle ordentlich malträtierte und gnadenlos auf sie eindrosch, so wie Vital Remains vor Malevolent Creation auf alles einprügeln, was auch nur ansatzweise nach Weihwasser, Weihrauch und Ostereiern riecht. Malevolent Creation beendeten ihr Set routiniert, eingespielt und souverän mit dem Klassiker Malevolent Creation und bewiesen, dass ihre letzte Stunde noch nicht geschlagen hat.

Den Death-Metal-Sabbath beendeten die Pioniere des brasilianischen Death Metals Krisiun, ein Trio, das unseren Bühnen nicht unbekannt ist, und ein Trio, das aus den Brüdern Max Kolesne (Schlagzeug), Moyses Kolesne (Gitarre) und Alex Camargo (Bass/Gesang; Alex trägt den Nachnamen seiner Mutter) besteht. Der brasilianische Sturm warf das aufgeheizte Publikum gnadenlos unter sein Death-Metal-Räderwerk und spielte erneut ein ausgezeichnetes Konzert. Auch wenn sie nicht die originellste Death-Metal-Band der Welt sind, gehören sie sicher zu den herzlichsten, was Alex mit seinen Ansagen und aufrichtigen Dankesworten an die Fans beweist, und sie spielen so schnell, so wuchtig, so präzise und so höllisch, als würden Duracell-Häschen Death Metal spielen. Krisiun sind der Beweis, dass Südamerikanern die Musik in die Wiege gelegt wurde, und sie sind echte »Underground Survivors«, die Death Metal spielen, wie es sich gehört. Max ist hinter dem Schlagzeug ein echtes Tier, das die Felle so behandelt wie Chuck Norris‘ Roundhouse-Kicks, und bei seinem Drumming kommen alle voll auf ihre Kosten, die auf 250-bpm-Geprügel auf den Bassdrum-Fellen stehen. Ein etwas abwechslungsreicherer Übergang würde nicht schaden, aber das ist eben Max‘ Stil. Origineller ist dagegen Moyses, dessen Soli und Riffs abwechslungsreich, vielseitig, schnell und präzise sind, auch wenn er auf der Bühne ruhig mal einen Zentimeter vor- oder zurücktreten könnte. Reglos wie ein Holzgott dazustehen ist kein Death Metal. Auch wenn sich mal ein Teil einer Nummer zu oft wiederholt und dadurch eintönig wirkt, gleichen Krisiun jeden Schwachpunkt mit ausgezeichnetem, herzlichem Spiel und Aufrichtigkeit aus. Das Death-Metal-»a must« des Jahres beendeten Krisiun in Gesellschaft von Tony Lazaro mit einem Cover des Venom-Klassikers In League With Satan.

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