Carl Verheyen Band – ein musikalisches Meisterwerk für eine Handvoll Auserwählter (2011)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Bluesiana Rock Cafe / Velden / Österreich
Konzertdatum: 06.09.2011
Besucherzahl: 60
Eintritt: 25,00€ / 29,00€

Carl Verheyen ist ein Gitarren-Zauberer, ein anerkannter, gefragter und äußerst begehrter Studiogitarrist, einst (1985–1986) und noch heute Live-Gitarrist bei Supertramp, Gitarrenlehrer, Autor reichhaltiger Kolumnen für das Guitar Magazine, Preisträger als bester Gitarrist, …

Carl Verheyen hat auch Filmmusik komponiert (The Crow, The Usual Suspects). Im Laufe seiner Karriere arbeitete Verheyen mit Blues-Musikern wie Robben Ford und Joe Bonamassa zusammen, mit Westcoast-Rocker Glenn Frey (Eagles), Jazz-Schlagzeuger Max Roachspäter, und vielen weiteren Künstlern hat er auch als Studiogitarrist geholfen. Dazu gehören: Bee Gees, Dolly Parton, Cher, Little Richard und Stanley Clarke.

Er ist einzigartig darin, sein künstlerisches Bild als Gitarrenmusiker zu formen. Er gehört in die Liga von Gitarristen wie etwa Steve Lukather, Michael Landau, Eric Johnson,.. seit 1988, als Carl mit dem Album „No Borders“ seine Solokarriere startete, tritt er auf Bühnen im Format eines schlagkräftigen Trios auf, und die Zusammenarbeit mit Jazz-Musikern ist für ihn selbstverständlich, wenn nicht gar unentbehrlich.   

Verheyen hatte die Bühne des Bluesiana bereits am 26.03.2010 betreten, so dass wir ihn diesmal bei seinem zweiten Besuch in diesem einzigartigen Musiktempel begrüßen durften. Im Club waren etwa 50 Leute zu zählen, die sich höflich an den Ecktischen drängten und auf Barhockern saßen. Das zurückhaltende österreichische Publikum – nichts Neues, dem vom März 2010 sehr ähnlich. Das Trio: Carl Verheyen (Gitarre), Bassist Dave Marotta (der unter anderem auch für Phil Collins gespielt hat) und diesmal anstelle von Santanas und Winwoods Schlagzeuger Walfredo Reyes Jr. ausgerechnet Chad Wackerman, der von 1983 bis 1988 mit Frank Zappa gespielt hat – daher natürlich auch seine Zusammenarbeit mit Steve Vai.

Der Auftritt Verheyens war diesmal in zwei Teile mit einer 20-minütigen Pause aufgeteilt. Im vergangenen Jahr hatte er das Album „Trading 8’s“ veröffentlicht, das nach wie vor aktuell ist, daher war es irgendwie selbstverständlich, dass er im Repertoire häufiger auf Songs daraus zurückgriff. Schnell brachte er Dave Marotta auf Betriebstemperatur, als er ihm einen langen Soloausflug im Beatles-Song Tax Man gestattete, der in den Händen ausgelassener Improvisation schlichtweg brillant wirkte. Vom besagten Album gab es außerdem On Our Way; in der zweiten Konzerthälfte wurde dann ein weiterer Höhepunkt des Abends angepackt – die Ballade New Year’s Day – und obendrauf würzte die Band das Konzert noch mit dem ausgezeichneten Instrumental Eastern Steppes, das das Album „Trading 8’s“ beschließt.

Ansonsten spannte Carl mit seinen beiden Kumpels  den Bogen über seine gesamte Diskografie. So genossen wir das kokette, melodisch ansteckende Passing Through („Slang Justice“, 1996), wo Carl zeigte, dass er sich bei Vergleichen mit Vokalisten/Gitarristen in Personalunion (wenn man besonders auf den Gesang achtet) am ehesten noch Eric Johnson annähert (Dank an Jernej für den Tipp); dazu seine jüngere „Zwillingsschwester“ (in der Anlage des Arrangements), das hier und da auf äußerst genussvolle Weise herrlich „zersplitterte“ The Code („Take One Step“, 2006), wo er sich vor allem im Mittelteil mit Wackermans Solo besonders entfaltete, sowie der Titeltrack vom Album Take One Step, bei dem die Band im Vers raffiniert in sich zusammenfand und im Refrain mit wuchtiger Dynamik ausbrach. Solche Arrangements erinnern an die Energie, die gelegentlich auch Lukathers musikalische Wahrnehmung einfängt. Bei Take One Step verschlug das Zusammenspiel aller drei einem abermals den Atem. Das perfekte Gespür der „kleingewachsenen Schildkröte“ Marotta, der schon seit dem Album „No Borders“ mit Verheyen zusammenarbeitet. Und dazu Missunderstood (Slingshot, 1998), der herrlich nach Beatles klingende Song – neue, melodisch eingängige Klangspuren.

Und Supertramp nicht vergessen! Die Band knallte den „Crimes Of The Century“-Hit Bloody Well Right raus und überraschte die Anwesenden damit ordentlich! Den ersten Teil schloss Verheyen allein auf der Bühne  mit einer Bearbeitung von Ray Charles‘ Hard Times ab und bewies mit seiner geistreichen, vielschichtigen Bündelung des musikalischen Universums, dass Blues durchaus fesselnd zu spielen sein kann – er hauchte dem Stück den besonderen Stempel einiger unerwarteter, jazzartig aufgebrochener Akkorde ein, die  der Bearbeitung neue Qualität verliehen. Und über ein derart anspruchsvolles Arrangement zu singen, bei dem die linke Hand auf dem Gitarrenhals keine drei Sekunden lang einen Griff hält, kann eine ganz schön „fiese“ Sache sein – der gute Verheyen trotzt dem jedoch mit scheinbar federleichter Selbstverständlichkeit. Im akustischen Teil (zweite Konzerthälfte) zündete das Trio eine rein instrumentale Version der Bearbeitung von Peter Gabriels Mercy Street.. Carl Verheyen beschloss diesen einzigartigen Abend musikalischer Freuden erwartungsgemäß mit dem Instrumental Highland Shuffle von seinem Debütalbum „No Borders“, das einst von Carls Herumstreifen durch Schottland vor langer Zeit inspiriert wurde.

Ein Abend, der erneut grenzenlos verzaubert und die Anwesenden noch lange nach dem Konzert mit offenem Mund und offenen Ohren zurückgelassen hat. Die hervorragende Mischung aus der richtigen Dosis teuflischer Improvisationsakrobatik aller drei Meister auf der Bühne und der melodischen Kompaktheit, die vor allem und in erster Linie Carls Gesang im Brennpunkt des Gehörs verankert, verleiht Carl Verheyen als Künstler mit seiner Band einen ganz besonderen Platz im musikalischen Universum – ein Wunderwerk seines ureigenen Artismus! Der Spielstil selbst, die außergewöhnliche Klangkontrolle, der Griff zu den ausgefeiltesten Techniken, sogar das Drücken der tiefen E-Saite mit dem Daumen im Griff, … – seinen Auftritt zu sehen ist Pflicht für alle Gitarren-Gourmets und alle, die die Freiheiten genießen, die dir das Reich der Musik bietet, immer dann, wenn du den Blick über den Horizont schweifen lässt, wo der Gedanke an Tonleitern und jegliche musikalische Einschränkung verblasst!

Fotos: Aleš Podbrežnik

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