Ein Abend voller Entertainer-/Revolverhelden-Boogie-Rock (2011)
Ort: Freiluftarena B / Graz / Österreich
Konzertdatum: 30.07.2011
Besucherzahl: 4000
Kartenpreis: 55 €
Im Rahmen der Quid Pro Quo-Tournee sind die unaufhaltsamen Boogie-Rocker Status Quo in unsere Nachbarschaft hereingepoltert. In ihrer mehr als 40-jährigen Karriere haben die alten Herren ein beneidenswertes Repertoire zeitloser Hits angehäuft, das sie uns an einem angenehmen Juliabend im nahen Graz präsentierten.
Zwar hat Francis Rossi vor gut einem Jahr seinen bekannten, fast schon statusträchtigen Zopf eingebüßt, doch ein Samson-Syndrom hat das nicht ausgelöst. Ganz im Gegenteil. Er heizt auf vollen Touren, unterhält die Besucher, und beim dritten Song, nachdem die Security die Fotografen unter der Bühne rausgeschmissen hatte, hat er sich sogar an unsere wackere Fotografin mit dem Kompliment „I love photographers“ rangemacht.
Die Jungs philosophieren mit ihrer Musik nicht zu viel. Das Publikum bekommt gute 90 Minuten unterhaltsames Rockfest geboten, bei dem diesmal sogar kein Platz für Balladensongs war. Das Einzige, was zumindest ein bisschen nach langsameren Rhythmen gerochen hat, war der Song In the Army Now. Rossi ist ein unaufhaltsamer Entertainer, der zwischen den Songs jede Menge witzige Sprüche abfeuert, die nach allen Richtungen fliegen. Auch auf eine lokale Fliege, die ihn beim Witzereißen ein wenig störte. Einiges hat er auch über Essen zu sagen, das er nach eigener Aussage abgöttisch liebt.
Beim Sägen von Rick Parfitt kommt man nicht umhin, Vergleiche mit Revolverhelden aus dem Wilden Westen zu ziehen. Die Riffs fliegen aus Ricks Gitarre nämlich ganz nach Revolverhelden-Manier. Volle Unterstützung bekommt er auch von den anderen dreien, die genauso unaufhaltsam sind. Im Allgemeinen bin ich kein großer Fan von Schlagzeugsoloeinlagen, doch diesmal hat Matt Letley in knapp drei Minuten eine der interessantesten Schlagzeugeinlagen präsentiert, die ich je live erlebt habe. Schlagzeuger dreschen beim Solo normalerweise drauf und stellen ihre Kraft unter Beweis, weniger jedoch ihre Technik – bei Matt ist es genau umgekehrt. Bassist Rhino kommuniziert bei seinem Düsen über die Bühne genauso intensiv mit dem Publikum, und Andy Bown (Keyboards, Gitarre, Mundharmonika und Gesang) hätte mindestens eine doppelte, wenn nicht gar vierfache Rente verdient.
Schließlich komme ich nicht umhin, einen Vergleich mit dem Konzert in Ljubljana zu ziehen, das im Juli 2008 stattfand. Dabei kann ich versichern, dass es eigentlich gar keinen Vergleich gibt. Auch wenn das Konzert in der Hala Tivoli sehr gut war, hat das hier in Graz es glatt weggeblasen. Die Jungs waren diesmal deutlich entspannter und besser aufgelegt. Vor allem Rossi hat unvergleichlich mehr mit dem Publikum kommuniziert. Angesichts des diesmaligen Genusses auf und unter der Bühne ist die Erinnerung an Ljubljana 2008 ziemlich schnell verblasst.
Die Alten beweisen immer wieder, dass sie unaufhaltsam sind, und so mancher deutlich jüngere Quasi-Rocker reicht ihnen nicht mal bis zu den Knöcheln, geschweige denn bis zu den Knien. Wann werden diese Jungs eigentlich in Rente gehen? Wahrscheinlich nie. Und das ist auch gut so.
Setlist
01.Caroline
02.Somethin‘ ‚Bout You Baby I Like
03.Rain
04.Rock’N’Roll And You
05.Medley: Mean Girl/Softer Ride/Beginning Of The End
06.2 Way Traffic
07. Medley: What You’re Proposin’/Down The Dustpipe/Little Lady/Red Skies/Dear John/Big Fat Mama
08.The Oriental
09.Let’s Rock
10.Creeping Up On You
11.In The Army Now
12.Drum solo / The Killer
13.Roll Over Lay Down
14.Down Down
15.Whatever You Want
16.Rockin‘ All Over The World
————————————-
Zugabe:
17.Rock’N’Roll Music / Bye Bye Johnny
Fotogalerie












