Adam Bombs Feuerflammen haben Šentvid pri Stični erneut entfacht (2011)

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Ort: Letališče / Šentvid pri Stični / Slowenien
Konzertdatum: 23.07.2011
Besucherzahl: 200
Eintritt: 0,00€

Beim Gedanken an ein Motortreffen hab ich immer so ein gemischtes Gefühl – meistens miese Soundqualität, ein Haufen betrunkener und nerviger Biker und nur eine Handvoll von uns, die wegen der Musik gekommen sind.

Trotzdem hat uns das – Greg und mich – nicht aufgehalten, obwohl wir gerade erst aus dem Urlaub zurück waren. Regencapes ins Auto (wer geht denn bitte mit einem Regenschirm auf ein Konzert???), Sandwich als Snack für unterwegs und ab nach Šentvid. Bei der Ankunft wirkte das Gelände noch etwas trostlos, auch wenn es noch nicht geregnet hatte – aber die erste Erleichterung kam schon beim Anblick des gepflasterten Bodens, denn das bedeutete: Egal was vom Himmel kommt, im schlimmsten Fall wird’s kein katastrophaler Matsch. Nicht dass das am Erlebnis großartig was geändert hätte, aber so ist’s halt besser.

Die Stimmung kam schnell in Fahrt, als die Jungs von The Đipsiz die Instrumente in die Hand nahmen. Schon der Gitarrist zog alle Blicke auf sich – er versuchte, mit einem verkehrt herum gehaltenen Linkshänder-Fender Jimi Hendrix nachzuahmen. Natürlich Blues – also sind Greg und ich automatisch in die erste Reihe gerannt. Was für eine Überraschung! Das hätten wir auf einem Motortreffen wirklich nicht erwartet! Die Jungs könnten beim Zusammenspiel noch etwas Übung gebrauchen, aber sowohl mit Eigenkompositionen als auch mit Coverversionen haben sie jedes Ohr eines Blues-Fanatikers glücklich gemacht – vor allem die, die Mundharmonika-Einlagen lieben, und die haben hier wirklich bis zur Ekstase gebrannt. The Đipsiz spielten fast 2 Stunden, und das Gelände füllte sich dabei immer mehr.  Nach ihrem Auftritt verfolgten wir gespannt, was sich auf der Bühne tat, die nun von den im Dunkeln gehüllten Gesichtern der nächsten Band eingenommen wurde – Murmaider (Dethklok cover band), zusammen mit Begleitern bewaffnet mit Sense, Axt und Gewehr. Ich hatte ehrlich gesagt auf ein ordentliches „Massaker“ auf der Bühne oder im Publikum gehofft – aber dann sahen wir, wie die Begleiter mit ihrem „Waffenarsenal“ nach dem Intro die Bühne verließen. Leider blieb ich enttäuscht – die Waffen blieben den ganzen Auftritt über versteckt, und die Bandmitglieder waren wegen des massiven Bühnennebels kaum zu sehen. Außerdem waren mir ihre Rhythmen und Klänge etwas zu „hart“, aber das Publikum war beim Auftritt ziemlich begeistert – ich vermute also, die haben ihren Job gut gemacht. Aufgelockert haben sie das Ganze noch mit Pyroeinlagen.

Schon während des Murmaider-Auftritts schlenderte Adam Bomb entspannt in seinen rosafarbenen Stiefeln durchs Publikum – mal mit Ćevapi und Pepsi Cola in der Hand, mal wieder mit einer Zigarette und einem Ventolin-Inhalator. Man muss eben auf jede Art für die Stimme sorgen. Adam Bomb reisen ohne eigene Crew an – alles schleppen sie mit Hilfe der Veranstalter selbst auf die Bühne. Während die Kannibale Violet überlegte, wo ihr Schlagzeug hinsoll, saß Adam seelenruhig auf dem Bühnenboden und wechselte mit flinken Händen die Saiten seiner Gitarren. Dann checkte er, ob alle dekorativen LED-Lichter an Boxen und Verstärkern funktionieren, und stellte sein mit einer grüngelben LED-Birne geschmücktes Mikrofon in die Bühnenmitte (Weihnachtslichterketten hat er anscheinend an den Nagel gehängt). Violet hatte ihre Drums noch nicht mal ordentlich mit Federn dekoriert, als plötzlich – erst zaghaft, dann immer mutiger – Regentropfen aus dem bewölkten Himmel fielen. Die Veranstalter schickten daraufhin Stripperinnen auf die Bühne. Adam war von deren Auftritt begeistert, unterbrach das Soundchecken der Instrumente und filmte die Stripperinnen eifrig mit seinem Handy. Der ewig traurige Adam zog in diesen Momenten seinen hängenden Mundwinkel zu einem seligen Lächeln hoch. Nun, die Stripperinnen haben den Regen nicht vertrieben, aber Adam legte trotzdem los. Trotz der immer heftigeren himmlischen Taufe sammelten sich direkt vor der Bühne ein paar Begeisterte (die Regencapes lagen natürlich noch im Auto). Pissed, Je t’aime bebe, Asocial, Pure Sex, Andry angry, Rock like fuck,… Adam glitt von einem Hit zum nächsten und entlockte seiner Gitarre mit flinken Fingern jeden erdenklichen Trick und so viele verschiedene Klänge, wie ein Instrument nur hergeben kann. Ein Meister seines Instruments, der die Techniken seines Lehrers mit seinem eigenen Gespür für Innovation, Anziehungskraft und Wohlklang ergänzt hat. Unermüdlich folgten ihm die Kannibale Violet am Schlagzeug und The Paul del Bello am Bass. Im Publikum konnten wir die unglaubliche Abstimmung aller Bandmitglieder genießen, die besonders dann zum Vorschein kam, als beide nackten Stripperinnen wieder die Bühne betraten – Adam unterbrach seinen Auftritt unangekündigt und widmete sich wieder der Kamera auf seinem Handy. Violet wartete hinten lachend, die Hände an den Becken, bis ihre männlichen Kollegen bereit waren, den Song weiterzuspielen. Schon aus Handbewegungen, ohne einen einzigen Blick, können alle drei Mitglieder „ablesen“, wann und wie es weitergeht. Wirklich bewundernswert! Adam hat natürlich seine Pyroeinlagen nicht vergessen – grüner Rauch, tanzende Funken aus der Gitarre, brennende Becken, del Bellas Feuerwerfen,…, all das konnten wir während des gesamten Konzerts bestaunen, das Adam traditionell mit einer brennenden Gitarre, einem Dankeschön ans Publikum und dem Versprechen abschloss, nach Slowenien zurückzukommen.

Der Regen hörte auf, unsere Haare trockneten langsam, und wir machten uns früh morgens zufrieden auf den Heimweg – wir hatten eines der besten Konzerte dieses Jahres erlebt. Hut ab vor den Veranstaltern, die diesmal wirklich ein Gespür für Musikliebhaber bewiesen und für ihr Bikertreffen eine exzellente musikalische Auswahl zusammengestellt haben.

Fotos: Greg Žagar

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