Glamour-Attacke im Orto Bar zum Abschied vom alten Jahr! (2010)

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Ort: Orto Bar / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 17.12.2010
Besucherzahl: 150
Eintritt: 5,00€

Verdammt nochmal. Erinnert sich noch jemand daran, wann es in Slowenien zuletzt möglich war, von einem Glam-Rock-Projektil voll erwischt zu werden? Solche Events sind rar gesät, aber genau deshalb umso wertvoller. Erst recht, wenn sich slowenische Bands darum kümmern, das Erbe des melodischen Rock-„Schmalzes“ von der Wende der Achtziger zu den Neunzigern wieder zum Leben zu erwecken.

Bei dieser Auffrischung der Grundcharakteristika und Nebenwirkungen des Haarspray-Missbrauchs und – um’s allgemein zu sagen – des „Eighties“-Kitsches im Geiste von Poison, Motley Crue und Skid Row standen diesmal auf der kleinen Bühne des Orto Bar die aufstrebenden, frisch gebackenen Tomcat und die bereits zur Institution gewordenen Glam-Partyhasen Broken Arrow aus Brežice. Das geschulte Adlerauge eines ahnungslosen Besuchers konnte in der Besetzung von Tomcat ziemlich schnell zwei ehemalige „Veteranen“ der zu früh aufgelösten Krainburger Band Cyclone erkennen. Zwei Ex-Cyclone-Mitglieder also, die sich nach dem Ende ihrer Stammband am 28. Mai 2010 offenbar wieder für einen gemeinsamen Weg entschieden haben.  Der „Vater des slowenischen Glam-Revivals“, der einzige und unvergleichliche, stets festlich herausgeputzte Gregor Šujica und sein unzertrennlicher Weggefährte Anže Čuk. Tomcat und Broken Arrow also! Eine großartige Plattform für Spaß mit riesigen Erwartungen – und es wäre reinste Ketzerei gewesen, dieses mit Glitzer geschmückte Event nicht zu besuchen.

Der Konzertbeginn war zwar für halb zehn abends angekündigt, doch um neun war der Orto Bar noch erschreckend leer. Angesichts ihrer äußerst seltenen Auftritte im slowenischen Musikgeschehen zählen Glam-Konzerte eigentlich zu den solide besuchten. Aber es brauchte nur 30 Minuten nach dieser Feststellung, bis die ungerechtfertigte Sorge vollständig verflog – der obere Konzertsaal hatte sich bis in den letzten Winkel gefüllt. Tomcat verloren ihre Konzertunschuld genau um 21:30 Uhr! Trotz kleinerer technischer Probleme heizten sie dem Publikum mit zeitlosen Glamrock- und Hard-Heavy-Rock-Nummern ordentlich ein: Breaking the chains (Dokken), Rock you like a hurricane (Scorpions), Doctor doctor (U.F.O.). Da Tomcat Perfektionisten sind, lud die Besetzung aus zwei Gitarristen, einem Bassisten, einem Schlagzeuger und zwei Vocals noch zusätzliche Gesangsunterstützung auf die Bühne. So gesellten sich eine weitere weibliche und eine männliche Stimme hinzu, was ohne Zweifel einen guten Gesamteindruck hinterließ. Wer diese Musik verfolgt, weiß, dass zum gesunden Vokabular des Genres die ausgefeilte Mehrstimmigkeit in verführerisch eingängigen Refrains gehört. Eine Stunde Spielzeit, neun Songs! Die Köpfe des Publikums auf die richtige Temperatur gebracht – und auch kleinere Soundprobleme der Band konnten die gute Stimmung nicht trüben.

Nach Tomcat betraten die Broken Arrow zwar pompös, aber ein wenig angeheitert die Bühne – und wurden vom Publikum mit begeistertem Applaus empfangen. Mit einem Repertoire von neunzehn Songs näherten sie ihr fröhlich gefärbtes, von Bon Jovi inspiriertes Rock-Werk dem Publikum an, was durchaus auch mit dem Erscheinungsbild des Leadsängers mit Löwenmähne, Matjaž Predanič, zusammenpasst. Diesmal ohne Keyboards. Im flotten Tempo wechselten Broken Arrow zwischen eigenen Songs und zeitlosen Klassikern. Das Van-Halen-Epos Dance the night away trieb dem Publikum das Blut in den Kopf, und Öl ins Feuer goss direkt danach die bereits klassische „Pfeil“-Attraktion namens We ride. Als die Jungs auf der Bühne merkten, dass ihnen das Publikum ganz und gar ergeben folgte, legten sie noch Bad boys (Whitesnake) nach – das löste ein kleines Beben im Saal aus und ließ den Holzboden des Orto Bar gefährlich schwingen. Als Zugabe nach dem regulären Konzertteil wärmten sie alle Weihnachtsseelen noch mit dem Volksklassiker „Na božično noč“ auf, bei dem selbst das hartgesottenste Anti-Metal-Herz mühelos mit dem Höhepunkt dieses Abends im Orto Bar hätte verschmelzen können.

Lass mich diesen Bericht im Zeichen des weihnachtlichen Gärens alkoholischer Derivate abschließen. Am Konzertende mangelte es genau daran, weshalb sich der obere Teil des Orto Bar zur großen Enttäuschung ziemlich schnell leerte. Schuld war wohl der ziemlich hohe Bierpreis. Anders lässt sich das kaum erklären – denn es ist allgemein bekannt, dass das Glam-Metal-Publikum so leicht nicht aus dem Feiergalopp zu bringen ist, der sich gerne bis in die frühen Morgenstunden hinzieht. Hoffen wir nur, dass man auf ein ähnliches Event im Orto Bar nicht wieder ein ganzes Jahr warten muss.

Fotos: Martin Prezelj

Text redigiert von: Aleš Podbrežnik

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