Haliaetum Open Air festival 2010 (2010)

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Ort: Arigoni / Izola / Slovenien
Konzertdatum: 06.08.2010
Besucherzahl: 0
Kartenpreis: 20,00€

Wie jedes Sommerwochenende steckte ich auch am ersten August-Wochenende in der Zwickmühle, wohin ich zum „Entspannen“ – sprich: zum Metall-Feiern – fahren sollte. Da es sich im Sommer eigentlich gehört, ans Meer zu fahren, fiel meine Wahl auf Izola und das Festival Haliaetum im Freilichttheater Arigoni.

Das Erste, was mir ins Auge sprang, war natürlich der Festivalname, der schön originell ist – denn der Name der meisten Metal-Festivals besteht bekanntlich aus zwei Wörtern: „irgendwas“ und Metal, nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Aus purer Neugier googelte ich kurz und erfuhr, dass Izola zu Römerzeiten diesen Namen trug; hm, also gehen wir zu römischem Metal? Darauf ist noch keiner gekommen. Na gut – Sonne, Meer, Strand … was will man mehr. Direkt nach der Arbeit schnappte ich mir meine Mitfahrer und wir stürzten uns ins Abenteuer. Als wir in Izola ankamen, verirrten wir uns natürlich erst mal auf der Suche nach dem Gelände. Nach ein paar Telefonaten erfuhr ich, dass der Campingplatz nicht neben der Location liegt, sondern ein paar Minuten entfernt – und dass er belegt war, was uns natürlich gar nicht passte, denn das Festival hatte gerade erst angefangen. Naja, irgendwann fanden wir dann doch das Arigoni, ein hübsches kleines Freilichttheater am Meer, diesmal zur Metal-„Festung“ umfunktioniert. Zum Glück fanden wir nicht weit vom Freiluftkino einen inoffiziellen Parkplatz. Weil wir eine ganze Weile mit der Suche nach diesem und jenem verbracht hatten, verpassten wir natürlich die ersten Bands. 

Für mich begann das Festival mit Thraw, die wie immer für die richtige Energie sorgten und das Publikum auf Trab brachten – das sich langsam aus seinen Sitzpositionen erhob. Danach kamen To Hate und würzten die Stimmung mit der neuen Schule des melodischen Death Metal. Ihnen folgten die immer großartigen Dekadent, die man natürlich lieber auf größeren Bühnen sehen würde, denn da gehören sie hin – aber wir müssen uns leider mit dem abfinden, was geboten wird. Nach einer kurzen Ton-/Bier-Pause kamen die italienischen Children Of Technology, die schon beim Betreten der Bühne für einen besonderen Anblick sorgten: purer Punk-Image und eine Schlagzeugerin – das war eine echte Überraschung. Am meisten hatte ich mich auf Lene kosti gefreut, die erst gegen ein Uhr morgens die Bühne enterten, da die Vorbands bis dahin knapp zwei Stunden Verspätung angesammelt hatten. Wie immer durfte die obligatorische „Kostümshow“ von Sänger Milan Krušič nicht fehlen, der seinen Beruf direkt auf der Bühne wechselte – vom Metzgerlehrling über den Doktoranden, den „Boxer“ bis hin zum Sensenmann (Reaper). Sie lieferten einen souveränen Auftritt, ähnlich dem, was wir schon eine Woche zuvor bei der Peklenska Noč in Dornberk erlebt hatten. Die Setlist brachte nichts Neues – also einen Strauß gut bekannter und eingespielter Nummern: In My Nightmare, Warrior, Stones Of Death usw. Auch die Publikumsreaktion war besser als zuvor, denn jetzt hatten sich auch die restlichen „Sitzenbleiber“ endgültig warmgelaufen, die vorher nicht von ihrem Bierglas wegzubewegen waren. Leider wartete ich aus Müdigkeit und wegen der späten Stunde nicht mehr auf die letzte Band Fides Inversa, und nach einem anstrengenden Tag ging ich schlafen.

Am nächsten Morgen war natürlich als erstes ein kühles Bier fällig – und natürlich … Strand und Meer! Nach ein paar Stunden Herumplanschen machten wir uns langsam zum Gelände auf, wo für alle Black-Metal-Fans Dalkhu zu „grooven“ begannen. Zunächst überraschte mich die neue „Frisur“ des sonst sehr langhaarigen Schlagzeugers Kalki, den Rockline-Lesern wahrscheinlich eher als Sänger der Glam-Metal-Band Hotty Mkknoty bekannt. Sie präsentierten ein zwar kurzes, aber knackiges Set: Pitch, Greyhound, Media Whores, Slaves We Are, Slaves, Visit, Master Of Time And Place…). Gegen 20:00 Uhr hallte echtes Bühnentheater in voller Pracht durch das Theater, denn Dickless Tracy zeigten, was Showmanship bedeutet. Die Brüder Cepanec machen mit sichtlichem Spaß Musik und schneiden Grimassen zur großen Freude der Fotografen – kein einziges Bild ist verschwendet. Nach einer kurzen Pause quetschten sich die wohl am sehnlichsten erwartete Band des Abends auf die Bühne: Eruption – zu Beginn überraschenderweise ohne Sänger Bucot, was wohl so manchen verblüffte, ist er doch mehr als nur das Markenzeichen dieser lebhaften Band. Zum Glück handelte es sich nur um ein Instrumental-Intro. Beim ersten richtigen Song (Monumental Mind) stieß er natürlich dazu. Sie präsentierten sogar zwei neue Songs: Selfcaged und Celestial God,  die natürlich großartig klangen. Nach ihrem Konzert erfuhren wir leider die mittlerweile etwas ermüdende Neuigkeit, dass Polizisten wieder einmal durch den „offiziellen“ Campingplatz patrouillierten und Bußgelder für „wildes“ Campen verteilten. Da mir scheint, dass unser Staat ohnehin schon viel zu hohe Steuern hat, packten wir schnell zusammen und fuhren zurück nach Ljubljana. Fürs nächste Jahr erwarte ich eine bessere Organisation von Camping und Parken. Ansonsten war das Festival solide umgesetzt, und die Details – Gesellschaft, Location, Kapazität, Bands – erinnern ein bisschen an die leider bereits „verstorbene“ Metal Mania. Loben möchte ich die moderaten Bierpreise (nur 2€). Auch ein breiteres Angebot an warmen Speisen hat gefehlt. Mehr Glück beim nächsten Mal, oder wie sagt man noch?

Fotos: Martin Prezelj

Text redigiert von: Jernej Vene

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