Sweden Rock Festival 2010 (1. Tag) – U.D.O. eröffneten das bunte Festivaltreiben
Autor: Urban Bolta
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Sölvesborg / Schweden
Konzertdatum: 08.06.2010
Besucherzahl: 10000
Kartenpreis: 240€ (4-Tages-Karte)
Das alljährliche Durchschauen des Lineups des renommierten Sweden Rock Festivals hat endlich Früchte getragen. Die Entscheidung war schon lange gefallen – auch dieses Festival musste endlich geknackt werden! Zu fünft – die Mutigsten unter uns – machten wir uns zwei Tage vor Festivalbeginn auf den über 1500 Kilometer langen Weg, was nach der mühseligen Reise bedeutete, dass wir am Abend vor Konzertbeginn im Festivalcamp ankamen und uns einrichteten. Den Mittwoch nutzte unsere Truppe, um Kräfte für den anstrengenden Ablauf der nächsten Tage zu sammeln – wir kauften allerlei Musik und andere Sachen, erkundeten das Festivalgelände, bewunderten hübsche schwedische Blondinen und kosteten natürlich die Köstlichkeiten skandinavischer Brauereien. Währenddessen begann auch das Konzertprogramm. Bei den ersten paar Auftritten lokaler Acts sparten wir klug unsere Energie, sodass der erste richtige Moment des Sweden Rock 2010 für uns Michael Monroe mit seiner Begleitband wurde.
In diesem Jahr erlebte das Festival bereits zum vierten Mal in Folge sein erweitertes, viertägiges Format. Der erste Tag fungiert dabei als Aufwärmtag – das Gelände ist noch nicht in vollem Umfang geöffnet, die Headliner des Tages sind im Vergleich zu den anderen drei Tagen deutlich weniger bekannt, und die Kartenzahl ist auf „bescheidene“ zehntausend begrenzt. Nach einem nachmittäglichen Kraftsammeln kam endlich der Abend, und mit ihm die Auftritte interessanter Musiker unterschiedlichster Herkunft.
MICHAEL MONROE (Sweden stage)
Auf der (der Größe nach) dritten Bühne des Festivals bezog Michael Monroe pünktlich zur angekündigten Zeit seinen Platz – Sänger der einst äußerst einflussreichen finnischen Glam-Rocker Hanoi Rocks. Hanoi Rocks haben letztes Jahr ihre Arbeit eingestellt, weshalb ein Besuch bei Monroes Auftritt für Fans der finnischen Glam-Legenden heute die bestmögliche Annäherung an das Feeling eines Hanoi Rocks-Konzerts darstellt. Vor der Bühne versammelte sich ein Meer von Fans mit üppigen Frisuren, zerrissenen Klamotten und Sonnenbrillen in allen Formen und Größen. Monroe weiß trotz der Tatsache, dass die goldenen Achtziger längst vorbei sind, immer noch, wie man die Dinge angeht. Der aufgedrehte Musiker hielt die ganze Zeit Kontakt zum Publikum, das ihm mit lautem Mitsingen auf Schritt und Tritt folgte. Auch diesmal konnte Monroe nicht aus seiner Haut – er kletterte wieder auf das Bühnenkonstrukt und schmetterte ein paar Refrains direkt unter dem Dach, ein halbes Dutzend Meter über dem Meer der Hände unter ihm. Der Sound war sauber, die Gitarren klar – eine ausgezeichnete Vorschau auf die Auftritte dieser Bühne in den nächsten Tagen. Einer der interessanteren Momente des Auftritts kam, als Michael mit dem Saxofon charmierte und damit das Klanggefüge des Konzerts bereicherte. Monroe integrierte mit seiner Band – Bassist Sam Yaffo (Hanoi Rocks), das Gitarrenduo Ginger und Steve Conte (New York Dolls) sowie Schlagzeuger Karl Rosquist – sowohl Songs aus seinen Soloalben als auch Hanoi Rocks-Klassiker ins Repertoire. Vor allem Letztere, besonders die Songs „Back To Mystery City“ und „Malibu Beach Nightmare“, sorgten gegen Ende des Konzerts für ausgelassene Stimmung bei allen versammelten Glam-Fans. Michael Monroe bewies, dass ihm das Unterhalten und Begeistern des Publikums auch im Jahr 2010 keinerlei Schwierigkeiten bereitet.
THE QUIREBOYS (Dio Stage)
Letztes Jahr jährte sich die Veröffentlichung des The Quireboys-Klassikers „A Bit of What You Fancy“ zum 20. Mal, was die „Londoner Jungs“ mit einer Neuauflage des Albums und natürlich Konzertdaten in diesem Sommer feierten. Neben dem Auftritt in Schweden werden die Engländer diesen Sommer noch auf einigen großen Festivalbühnen quer durch Europa spielen, unter anderem beim deutschen Bang Your Head. Schweden empfing die Quireboys also ganz im Geiste ihres Debüts, das erwartungsgemäß tief im Auftritt selbst verankert war.
Lange Zeit war von den Quireboys nichts zu hören oder zu sehen, weshalb die Rückkehr mit Live-Auftritten bedeutet, das einst bereits gewonnene Publikum wieder auf die eigene Seite zu ziehen. Mit einem mitreißenden Auftritt auf der Bühne, die nach dem vor einem Monat verstorbenen Ronnie James Dio benannt ist, ist ihnen die gestellte Aufgabe zumindest in Schweden bis ins kleinste Detail gelungen. Die Bühnenpräsenz basiert auf dem lächelnden Frontmann Spike, der mit seinem verträumten Gesang und eingängigen Blues-Melodien das Publikum mühelos hypnotisiert und in eine andere Welt entführt. Das Gitarrenduo Griffin – Guerin hat stets die Fäden in der Hand; der Auftritt bewegt sich von langsamen, aber heißen Blues-Leckerbissen à la „Hey You“ bis hin zu schwungvollen, bluesrockig ausgerichteten Marschierern wie „7 O’Clock“ oder „Sex Party“. Ein wichtiger Teil ihres musikalischen Ausdrucks sind auch die Keyboardklänge aus den Fingern von Keith Weir und der gelegentliche Einsatz der Mundharmonika des bereits erwähnten Spike – genau diese Extras verleihen dem Gesamtklang jene Authentizität und Aufrichtigkeit, die so charakteristisch für The Quireboys ist. Der Auftritt beim Sweden Rock bedeutete für die Insulaner eine erfolgreiche Rückkehr auf schwedische Konzertbühnen und wird sicherlich noch lange in der Erinnerung aller Fans von Bands wie Tesla oder Great White bleiben, in deren Musik stets eine verschmitzt-romantische Atmosphäre vorherrscht.
U.D.O. (Sweden Stage)
Die Ehre, als Headliner des Aufwärmtags beim Sweden Rock aufzutreten, fiel in diesem Jahr U.D.O. zu – einer Band, angeführt vom rastlosen Udo Dirkschneider, ehemaliger Accept-Sänger und eine der Ikonen des deutschen Heavy Metal. U.D.O. ruhen nie. Sie veröffentlichen regelmäßig Alben und spielen auf Konzertbühnen, weshalb sich die Möglichkeiten, die Deutschen auf der Bühne zu erleben, eine nach der anderen reihen. Letztes Jahr veröffentlichten sie ihr neuestes Studioalbum „Dominator“ (Rezension hier), das sie nun ihren Fans quer durch Europa vorstellen. Vor der Bühne versammelte sich an diesem Abend eine Rekordschar Langhaariger, und das Abfeuern klassischer Riffs in alle Richtungen konnte beginnen!
Den Abend eröffneten zwei Songs aus dem neuen Album, The Bogeyman und der Titeltrack Dominator. U.D.O. schlugen mit voller Wucht zu – die schweren Riffs und Power-Metal-Melodien versetzten die vorderen Reihen im Publikum augenblicklich in Trance. Hand aufs Herz, die neueren Songs sind beim Metal-Volk weniger bekannt, weshalb Udo und Konsorten schnell die bekannteren Accept-Klassiker ins Programm mischten – „Fleash Rockin‘ Man“, „Midnight Mover“ und das Kultstück „Princess Of The Dawn“. Bei Letzterem explodiert all die Energie, die das bereits über ein Jahrzehnt alte Gitarrenduo Stefan Kaufmann & Igor Gianola aufzubringen vermag, das inzwischen zum Synonym für Bühnenzuverlässigkeit geworden ist. Beim kraftvollen Riffing metalisieren die Gitarristen im Iron Maiden-Stil Schulter an Schulter am Bühnenrand, und der Anblick wird mit Nebelunterstützung wirklich grandios. Udo Dirkschneider bleibt Frontmann durch und durch – der Mann von bescheidener Statur verfügt immer noch über seine unverwechselbar raue Stimme; trotz der Jahre können U.D.O. also auch in dieser Hinsicht nicht verleugnen, wer sie sind.
In dem knapp zweistündigen Auftritt gönnten uns U.D.O. gleich zwei Zugaben, größtenteils gespickt mit den bekanntesten Accept-Melodien. Die relativ vorhersehbare Setliste spiegelt die Tatsache wider, dass die Deutschen vor einer großen Menschenmenge auftraten, worauf sie sich mit dem Spielen des „Best of“ von Udos Karriere einstellten. Den souveränen Auftritt störte einzig das ermüdende Ausdehnen der Refrains von „Balls To The Wall“ und „Princess Of The Dawn“ ins Unendliche – auf Kosten des ständigen Wiederholens und des damit monoton wirkenden Anfeuerns des Publikums hätte man den Fans nämlich noch das eine oder andere Schmankerl mehr gönnen können.
Der Eröffnungstag des Festivals verging mit Lichtgeschwindigkeit, und dann begann das übliche Post-Konzert-Festivaltreiben – die einen ließen es bis tief in die Nacht krachen, die anderen von uns krochen nach einem kurzen Meinungsaustausch über die Auftritte und einem kleinen Bier (ein großes kennen die Schweden schlichtweg nicht!) schnell in ihren Schlafsack.
Fotos: Urban Bolta
Setliste
15:30 — 16:15 HEARTATTACK (Dio) 16:15 — 17:15 SATOR (Sweden) 17:15 — 18:00 KITTO (Rockklassiker) 17:30 — 18:15 F.K.Ü (Dio) 18:30 — 19:30 ALESTORM (Sweden) 19:30 — 20:00 NALLE & HIS CRAZY IVANS (Rockklassiker) 19:45 — 20:45 STEELWING (Dio) 21:00 — 22:15 MICHAEL MONROE (Sweden) 22:30 — 23:00 WARRIOR SOUL (Rockklassiker) 22:30 — 23:45 THE QUIREBOYS (Dio) 24:00 — 02:00 U.D.O. (Sweden) MICHAEL MONROE Setliste: 1. Nothin’s Alright 2. Motorvatin‘ 3. Hammersmith Palais 4. You’re Next 5. Not Fakin‘ It 6. Dysfunctional 7. Another Night In The Sun 8. I Wanna Be Loved 9. The Boulevard Of Broken Dreams 10. Love Song 11. Motorheaded For A Fall 12. Back To Mystery City 13. Malibu Beach Nightmare 14. Dead, Jail or Rock ’n‘ Roll ———————- 15. Ain’t Nothin‘ To Do 16. 1970/Radar Love THE QUIREBOYS Setliste: 1. Don’t Bite The Hand 2. Misled 3. Finer Stuff 4. Tramps & Thieves 5. There She Goes Again 6. Roses & Rings 7. Dirty Town 8. Whipping Boy 9. Mona Lisa Smiled 10. Man On The Loose 11. Hey You 12. Sweet Mary Ann 13. 7 0′ Clock ———————- 14. I Don’t Love You Anymore 15. Sex Party U.D.O. Setliste: 1. The Bogeyman 2. Dominator 3. Independence Day 4. The Bullet And The Bomb 5. Flash Rockin‘ Man 6. Thunderball 7. Vendetta 8. Princess Of The Dawn 9. Midnight Mover 10. Infected 11. Man And Machine 12. Mastercutor 13. Animal House 14. Metal Heart ——————- 15. Holy 16. Balls To The Wall ——————- 17. I’m A Rebel 18. Burning 19. Fast As A Shark
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