Der letzte Akt vor dem Finale des Epic Rockline Contests – ein blutiges Schlachtfest zwischen Brezno, Inmate und Divine Il
Autor: Aleš Podbrežnik
Ort: Rock Cafe / Postojna
Datum: 28.04.2010
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Nach einer stattlichen Anzahl an Konzerten und noch mehr auftretenden Bands nähern wir uns dem großen Finale des Epic RockLine Contests, das gleich um die Ecke wartet. Um den letzten freien Platz im Finale haben sich diesmal Brezno, Inmate und Divine Illusion gemessen.
Als Erste betraten die Ljubljaner Folk-Metaller Brezno die Bühne und hüllten sie in das Feuer der alten Vorfahren. Das Ljubljaner Sextett verbindet gekonnt härtere Metallelemente mit Folk-Elementen, deren Hauptträger vor allem atmosphärische Keyboards, Flötenklänge und mehrstimmige, in die Höhe greifende Gesangsparts sind, die ein uraltes Feiern ums Feuer mit jeder Menge Jubel heraufbeschwören. Brezno klingen ungemein heimelig, wofür vor allem die Inspiration verantwortlich ist, die Brezno (auch) im altslawischen Erbe suchen – bei den pompösen Refrains spürst du schnell, dass auch in unserem Blut das Blut unserer slawischen Vorfahren fließt. Vor allem in den besagten Mehrstimmigkeiten liegt der Kern und der größte Reiz von Brezno: Die zarten, aber gleichzeitig kraftvollen und souveränen Frauenstimmen von Sängerin und Flötistin Inez und Keyboarderin Katarina klingen zusammen mit den gelegentlichen Männerstimmen – vor allem vom Bassisten Mitja – ungemein episch. Für die wuchtigen Metallelemente sorgt die rasende und alles niederwalzende Rhythmussektion: Mitjas Bass rattert so wie er muss, und Matej drescht auf die Drums ein, als würde er Pfähle für Pfahlbauten ins Moor treiben. Brezno beweisen mit ihrem treuen Publikum, dass sich das Eigenmaterial längst tief in den kollektiven Geist ihrer Fans eingegraben hat – bei so starken Tracks wie dem unglaublichen V nebo wundert einen das auch nicht. Ein kleines Tief hatten die Mädels und Jungs diesmal nur mit einem nicht allzu gelungenen Cover des Uriah Heep-Klassikers Lady in Black, aber das korrigierten sie mit dem ihnen vertrauteren Folk-Hopser Trollhammaren.
Jahrtausende und Jahrhunderte in die Zukunft katapultierten uns die modernen Metaller aus Velenje, Inmate, die ihre Reihen kürzlich mit einem lang, lang gesuchten Sänger verstärkt haben. Durch Mike wurde die Crew komplett, und so verstärkt starten Inmate ihre Eroberungsfeldzüge auf den slowenischen Bühnen neu durch. Die Jungs haben trotz ihrer langen gesangslosen Zeit nicht gefaulenzt und sind auch als rein instrumentales Quartett ordentlich aufgetreten. Das hört man deutlich, denn die Jungs sind unglaublich gut eingespielt. Das hört und sieht man vor allem in den Gitarrenparts: Andrej und Aleš feuern wie spielend präzise dosierte Riffs raus und glänzen in duellierenden Soloausflügen. In dieser Hinsicht erinnern Inmate gelegentlich unverschämt an die schwedischen melodischen Death-Metal-Bands der Göteborger Szene – vor allem die melodischen Passagen und Gitarrenharmonien erinnern an In Flames der letzten paar Jahre. Nach einer anstrengenden Woche ist es wirklich ein Genuss, die Augen an den Gitarren-Kunststücken des Gitarrenduos auszuruhen, während Sänger Mike sowohl als Frontman als auch vokal eine energiegeladene und souveräne Vorstellung bietet – mit einem Wechsel zwischen geknurrten und klar gesungenen Parts. Hier hat Inmate noch reichlich Luft nach oben: Die Vocals klingen nämlich gelegentlich ziemlich generisch, wie etwas, das man bei der Flut der Bands der modernen amerikanischen New-Heavy-Metal-Schule hören kann. Trotz dieser neuen Ausrichtung muss man aber sagen, dass die Eigenkompositionen der Band mächtig klingen, bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und bis auf die Knochen eingeprobt sind – und ich hoffe, dass wir das lang ersehnte Studio-Debüt bald zu hören bekommen.
Den Abend beschlossen die Lieblinge des Postojnaer Publikums, die heimischen Divine Illusion, die in Slowenien einen kaum gehörten klassischen Power Metal der skandinavischen Schule à la Stratovarius und Sonata Arctica pflegen. Divine Illusion legten kompromisslos mit ihrem Set los – mit Tracks von der kürzlich erschienenen EP Genetic. Im Stil des finnischen Power Metal hört man bei Divine Illusion eine starke Rhythmussektion – vor allem voller bewegter und dynamischer Basslinien –, souveränes Gitarren-Riffing und stark in den Vordergrund gerückte Keyboards. Über allem wacht ein melodischer, klarer Gesang, der sich meist in den mittleren Lagen hält, aber seinen Platz in der Musik erfolgreich und ausgezeichnet findet. Außerordentlich gut kommen live die Eigenkompositionen wie Gray und Clarity of Mind mit ihren hervorragenden, eingängigen und ansteckenden Refrains an – ein kleiner Wermutstropfen sind aber die klischeehaften und generischen Power-Metal-Keyboard-„Dideldidel“-Soloausflüge, die zwar erfolgreich zur Aufbauung einer satten Atmosphäre beitragen. Den größten Minuspunkt kann man Divine Illusion aber wegen der gespielten Cover-Versionen ankreiden. Obwohl Madonnas La Isla Bonita nicht einmal so schlecht klang, bin ich der Meinung, dass es keinen guten Geschmack verrät, solche Pop-Liedchen ins Metal zu übertragen – und auch der Iron Maiden-Klassiker Wasted Years machte keine bessere Figur. Es ist zwar löblich, dass die Band auch ins Cover ihre eigene Seele einbringt, aber die Maiden mit Power-Metal-Keyboards? Nein danke.
Das donnerstägliche, letzte Halbfinale des Epic RockLine Contests bot drei wirklich starke heimische Metal-Bands, die ihre Aufgabe souverän erledigten. Die Jury war genau deshalb so gespalten wie noch nie zuvor – jede der Bands bekam von der Jury genau eine Stimme. Die Entscheidung über den Sieger fiel diesmal dem Publikum zu, und das treue heimische Publikum kürte Divine Illusion mit großer Mehrheit zum Sieger. Wir sehen uns im Finale, am 8.5.2010, am selben Tatort wie schon so oft zuvor!
Fotos: Mojca Perdih
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