Divlje jagode runden eine reiche Rock-Saison im Epicenter ab (2010)

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Autor: Urban Bolta

Ort: Rock Cafe / Postojna / Slowenien
Konzertdatum: 23.04.2010
Besucherzahl: 300
Eintrittspreis: 12€

Eines der letzten größeren Events im Epicenter in Postojna haben Divlje jagode vor einer kurzen Pause, der wohl eine Renovierung des Lokals folgen wird, am Samstag, den 24.4., bestritten. Der Komplex, der sich im letzten Jahr wieder als eine der bedeutendsten Rock-Locations der Innerkrain einen Namen gemacht hat, befindet sich nämlich in einem Eigentümerwechsel – und seine Zukunft ist derzeit nicht ganz klar. Auf jeden Fall war der Abend mit den Legenden des jugoslawischen Hard Rock mehr als ein würdiger Abschluss und eine treffende Zusammenfassung all dessen, was im Epic in den letzten Monaten los war.

Das Konzert eröffnete die Gruppe Črna gradnja, bestehend aus erfahrenen Musikern aus der Innerkrain, die das Publikum im Vorraum ordentlich aufgeheizt hat. Dort konnten wir einige zeitlose Coverversionen von Deep Purple, ZZ Top und Judas Priest hören, bevor das Geschehen in den großen Saal verlegt wurde, der rund fünfhundert Leute fasst. Das prächtige Konzert-Interieur, das in Slowenien durchaus selten zu finden ist, würde es mühelos mit der Šiška in Ljubljana aufnehmen – obwohl in die Katedrala (Name des großen Saals des Zentrums für Urbane Kultur) wohl ungleich mehr Mittel geflossen sind. Angesichts dieser Tatsachen sind der Eigentümerwechsel und die Frage nach dem künftigen Betrieb des Epicenter umso besorgniserregender.

Alle Sorgen hat zumindest vorübergehend gegen Mitternacht Zele Lipovaća mit seiner Crew vertrieben und uns mit den vertrauten Rhythmen um gut zwanzig Jahre jünger gemacht. Vor genauso vielen Jahren hatten die Jagode nämlich mit Songs wie Motori, Ciganka und Let na drugi svet souverän den Thron des jugoslawischen Hard Rock erklommen. Neben diesen inzwischen zu Volksliedern gewordenen Hits servierten sie uns auch (zu)viele Balladen aus ihrem älteren Repertoire sowie die Klassiker Kap po kap, Autostop und Konji, die nach dem Tausch mit Islamović – den Bregovič den Jagode weggespannt hatte – auf dem gleichnamigen Album von Tifa besungen wurden. Natürlich durfte auch der obligatorische Turski marš nicht fehlen, Zeles Markenzeichen und unwiderlegbarer Beweis seines gitarristischen Könnens.

Von der alten Garde der Jagode war auf der Bühne nur Bassist Zlatan Čehić, der am Album Vatra mitgewirkt hat; die übrigen Bandmitglieder, darunter die beiden Backing-Sängerinnen, der Schlagzeuger und Gitarrist/Sänger Osmanovič, waren etwas jüngeren Jahrgangs. Das hat den Auftritt und den Sound aber kein bisschen geschmälert – beides war in jeder Hinsicht erstklassig. Zele ist nun mal ein Perfektionist und ein Musiker der alten Schule, in der Präzision und ein feines Gehör zählen. Genau deshalb sind Konzerte von Divlje jagode noch immer ein ganz besonderes Erlebnis – und wenn man dazu noch das Publikum aus der Innerkrain nimmt, das härterem Sound schon immer zugetan war, ist die allgemeine Nirvana erreicht.

Nach dem zweistündigen Auftritt führte die Rockline-Crew noch ein kurzes Interview, das bald auf den Seiten eurer Lieblingswebzine erscheinen wird – darin erfuhren wir einige Details über die Werbungsversuche von Whitesnake bei Zele sowie Wissenswertes über seine Gitarren. Der erschöpfte, aber sichtlich zufriedene Lipovača fand noch genug Kraft, dem Autor der Reportage die Vatra-Vinyl zu signieren, bevor sich die Legende des jugoslawischen Rock langsam in die Kulissen verabschiedete.    

Fotos: Urban Bolta

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