Meister der Melancholie tanzte nach den Noten des Blues und Rock (2010)
Ort: Hala Tivoli / Ljubljana
Konzertdatum: 21.02.2010
Besucher: 2000
Eintrittspreis: 42 €
Das Konzert von Chris Rea in Ljubljana lässt sich ohne jeden Anflug von Übertreibung als eines der bedeutendsten Ereignisse im ansonsten traditionell kargen heimischen Veranstaltungskalender mit eminenten internationalen Musikernamen bezeichnen. Der Meister der Melancholie und erstklassige Dirigent des schwermütigen Tanzens nach den Noten des Blues und Rock hat es endlich in die slowenische Hauptstadt geschafft – und hat dort seinen Ruf als einer der größten „Mainstream“-Innovatoren des Blues-Rock-Handwerks eindrucksvoll bestätigt.
Die mustergültig gefüllte kleine Hala Tivoli überließ der Veranstalter zunächst der Obhut des irischen Singer-Songwriter-Troubadours Paul Casey. Der auf den ersten Blick recht schüchterne Paul servierte mit einer Handvoll Eigenkompositionen einen akustischen Folk-Rock-Aperitif in warmen Farbtönen – eine zugängliche Minestrone traditioneller Musik in den Formen eindimensionalen Rocks, die beim Publikum keinen Raum für Gleichgültigkeit ließ. Eine entspannte und inhaltlich reiche Dosis Folk-Rock als willkommener Einstieg in den emotional unvergleichlich intensiveren Höhepunkt des Abends!
CHRIS REA
Chris Rea begann die Popularisierung seiner melancholischen Rockersprache einst 1986 mit dem Album „On The Beach“ – und seither sind die Rauheit seiner Stimme und sein feuriges Gitarrenspiel die unverkennbaren Markenzeichen des Musikers. Das Konzert in der Hala Tivoli bewies, dass die wichtigsten Ausdrucksmittel von Chris Rea nach wie vor in hervorragender Form sind. Das erste Lob gebührt vor allem dem Gesang des Meisters – ein beißender Cocktail der elementarsten Gefühle. Chris‘ Stimme ist zu echter Zauberei fähig, und es gibt kaum eine Situation, die er nicht zu seinen Gunsten zu wenden weiß. Sein unverwechselbares, melancholisch gefärbtes Ausdrucksvokabular wirkt auf den ersten Blick zwar recht unattraktiv und basisch, doch ein genauerer Blick enthüllt schnell das ganze Können des Musikers. Rea hat seine Karriere auf dem Blues aufgebaut – genauer gesagt durch das beständige Schöpfen aus den dunkelsten Tiefen des Genres. Das Einatmen der Dämpfe einer mysteriösen musikalischen Vergangenheit spiegelt sich treffend in der schlichten, aber gerade deshalb umso durchdringenderen Vokalakrobatik wider, die dem Zuhörer auf Knopfler-Art einen echten Genuss bereitet – getragen vom intensiven emotionalen Wogen des klagenden Slide-Gitarren-Klangs.
Knapp zwei Stunden in der Hala Tivoli lieferten erwartungsgemäß eine Demonstration des Old-School-Musikeransatzes – frei von jeder Pomposität des Bühnenzirkus, unnötigen Visualisierungen auf Backdropfassaden und ähnlichen Showman-Gimmicks, mit denen Musiker heutzutage nicht selten fehlende Bühnenergie kompensieren, von künstlerischer Glaubwürdigkeit ganz zu schweigen. An Letzterem mangelt es Chris wahrlich nicht. Chris verlor keine Zeit damit, das Publikum anzusprechen – zwischen den Stücken kam allenfalls ein schüchternes „hvala“. Die Verbindung zum Publikum blieb trotzdem ausnahmslos stark; Garant dafür war natürlich das opulente Bouquet von mittlerweile fast schon volkstümlichen Melodien wie das stimmungsvolle „On The Beach“, „Julia“, „Josephine“ sowie der unverzichtbare Favorit „Road To Hell“. Einen Schuss entfernt von den bei den meisten längst im Ohr sitzenden Melodien begeisterte Rea interpretatorisch mit dem dynamischen Manövrieren durch „Easy Rider“ und „Where The Blues Come From“. Schlicht, ohne Glamour und mit einem exzellenten Sound, der allen Elementen des instrumentalen Begleitapparats klar zur Geltung verhalf! Chris Rea hat ohne Zögern das reine Wesen der Musik herausgeschält. Buchstäblich!
Fotos: Robi Lipej
Setlist
1. I Can’t Wait For Love
2. Work Gang
3. Where The Blues Come From
4. Josephine
5. Easy Rider
6. Till The Morning Sun Shines On My Love and Me
7. Looking For The Summer
8. Julia
9. Stony Road
10. Electric Guitar
11. Come So Far, Yet Still So Far To Go
12. Between Highway 61 & 49
13. Stainsby Girls
14. The Road To Hell
—-Zugabe—-
15. On The Beach
16. Let’s Dance
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