Stevie Salas, Bernard Fowler, Dave Abruzzese, Jara Harris – dream team party (2009)
Autor: Aleš Podbrežnik
Ort: Bluesiana / Velden am Woerthersee / Österreich
Konzertdatum: 17.09.2009
Besucherzahl: 100
Kartenpreis: 30,00€ (Vorverkauf) / 33,00€ (Abendkasse)
Das Bluesiana Rock Cafe ist ein Club, der einen Musikliebhaber wirklich nie enttäuscht. Diesmal sind vier fantastische Musiker dorthin gepilgert, die sich schon seit langer Zeit kennen und in verschiedenen Projekten zusammengearbeitet haben, sich gegenseitig auf Soloalben als Gäste eingeladen haben, auf den Bühnen großer Stadien viele schöne und unvergessliche Momente erlebt haben – als Legionäre im Dienst großer Musiknamen, und so weiter…
Die Rede ist von einem Quartett, das aus Sänger Bernard Fowler, Gitarrist Stevie Salas, Bassist Jara Harris und Schlagzeuger Dave Abruzzese besteht. Schauen wir kurz, welches Kaliber dieses Quartett aufzuweisen hat.
Stevie Salas ist ein Typ, der bisher 18 eigenständige Studioalben veröffentlicht hat. In seiner Karriere hat er mit den großen Namen der Rockwelt zusammengearbeitet, wie Rod Stewart, Mick Jagger, George Clinton, dem verstorbenen Michael Hutchence (Inxs), Jeff Healey Band, Jordin Sparks, Justin Timberlake – und die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Er ist ein erstklassiger, vielseitiger Künstler, der in zahlreichen Magazinen und Medien stets weit oben auf den Listen der besten Gitarristen der Welt zu finden ist. Sein Gitarrenspiel ist Poesie ohnegleichen und ein Muss für alle Musikliebhaber.
Der Name Bernard Fowler, der bei seinen bisherigen Besuchen im Club Bluesiana bereits bestens verankert ist, ist untrennbar mit den legendären Rolling Stones verbunden. Bernard ist das unverzichtbare Studio- und Konzertmitglied im Gefüge der Rolling Stones, zu dem er bei Auftritten wie auch im Studio vor allem die Backing Vocals beisteuert. Fowler hat in der Vergangenheit mit Künstlern wie Ryuchi Sakamoto, Gill Scott-Heron, Sly & Robbie, Material, Bootsy Collins, Duran Duran, Herb Alpert, Paul Carrack, Yoko Ono, Living Colour, Herbie Hancock zusammengearbeitet – und die Liste endet damit noch lange nicht.
Die Rhythmussektion besteht aus dem Jazz-Bassisten Jara Harris von SlapBack, dem von den vieren weniger bekannten Namen, sowie Dave Abruzzese, der sich vor allem als ehemaliges Mitglied von Pearl Jam einen Namen gemacht hat, mit denen er die ersten drei Alben „Ten“, „Vs.“ und „Vitalogy“ aufnahm. Abruzzese war von 1991 bis 1994 Mitglied von Pearl Jam. Nachdem er Pearl Jam verlassen hatte, gründete Abruzzese 1997 sein eigenes Musikprojekt Green Romance Orchestra. Vom hohen Kaliber eines Musikers wie Dave Abruzzese zeugt auch die Tatsache, dass Axl Rose großes Interesse an ihm hatte, da gemeinsame Studiosessions mit dem Schlagzeuger aus der frühen Entstehungsphase des Guns N‘ Roses-Albums „Chinese Democracy“ (2008) bekannt sind.
In der Bluesiana durften wir wieder eine ausgezeichnete Besucherresonanz erleben. Knapp 100 begeisterte Fans drängten sich in den schmucken Club und warteten fieberhaft, wann die Stars endlich die Bühne betreten würden. Punkt halb zehn Uhr abends betraten die Jungs die Bühne und eröffneten ihre Show mit voller Wucht mit Your Future, das auf Bernard Fowlers Album „Friends With the Priviledge“ zu finden ist – also mit einem Song, den er gemeinsam mit Salas für das Album schrieb. Natürlich nichts anderes als aufgedrehter Funk-Rock jenseits aller Grenzen. Diesmal war es eine Besonderheit, dass die Band fünf zusätzliche Monitore vor der Bühne aufstellte, zu sich selbst gewandt. Der Sound war gewaltig und für den kleinen Raum der Bluesiana extrem laut. Für einen Club eigentlich an der Grenze des Erträglichen. Fowler war so aufgekratzt, wie ich ihn nicht mehr erlebt habe, seit ich seine Konzerte besuche. Das Problem war nur, dass er während des Konzerts ein wenig zu schwach zu hören war, da Salas‘ Gitarre im Sound wirklich extrem aufgedreht war.
Die hartgesottenen Stars lieferten eine außergewöhnliche Funk-Rock-Erfahrung, bei der das Duo Abruzzese–Harris mit seiner Ausdruckskraft und seinem gierigen Temperament Salas‘ Gitarre beinahe die Schau stahl. Die Band spielte auch zwei Songs des Nickelbag-Projekts, auf dem Abruzzese, Fowler und Salas gemeinsam vereint sind, nämlich Hit it And Quit It und Sweet Thang.
Eine der schönsten Überraschungen war die Tatsache, dass die Jungs – da man natürlich Songs der Rolling Stones erwartete – gleich drei Songs dieser Band anboten, und zwar solche, die im Live-Repertoire der Rolling Stones äußerst selten zu hören sind, wenn überhaupt. Als erstes kam Rain Fall Down dran, gegen Ende das großartige God Gave Me Everything und ganz zum Schluss das fantastische I Don’t Know Why. Die Jungs verbargen beim Konzert keineswegs ihren sprühenden Sinn für Humor, mit dem sie ihre ausgezeichnete Stimmung auf der Bühne zum Ausdruck brachten. Auch Fowlers abgedroschene Floskel und sein Witz, dass Charlie Watts die Rolling Stones verlassen habe, durften natürlich nicht fehlen – womit das Publikum allerdings ganz und gar nicht einverstanden war.
Die Jungs schmissen Song für Song wie in Trance raus und wirkten dabei vollkommen ebenbürtig. Man hätte Gitarren-Eskapaden von Salas erwartet, doch der hielt die Show brav und kontrolliert am Laufen – vor allem mit voluminösem Funky-Groove-Riffing. In den Soli spürt man natürlich stark die Einflüsse von Jimi Hendrix, aber auch einige Moves, die von Jeff Beck übernommen wurden. Doch Salas wirkte dabei nie wie ein Gitarren-Superman, der seinen Ego mit obligatorischen 10-Minuten-Soloeinlagen befriedigen müsste. Alles war in der Stunde und dreiviertel des Auftritts nur der Schaffung eines ultra-besitzergreifenden Funky-Grooves untergeordnet, den die Band, wie gesagt, gemeinsam zu einem einzigartigen Erlebnis formte. Fans des neueren Glenn Hughes, T.M. Stevens, Living Colour oder alter Klassiker à la Blood Sweat And Tears – in der Bluesiana blieben wir diesmal wirklich nicht gleichgültig.
Die Band, deren Anführer auf der Tournee Stevie Salas ist, präsentierte natürlich auch Stevie Salas‘ aktuelles Studioalbum „Be What It Is“ (2008) mit den Songs Are The Gods Smiling On Me, Two Souls War’n In A Bag Of Skin, Long Way To Roll. Dazu gesellten sie den großartigen Song Grooveline aus Salas‘ Album „Soul Blasters“, das Erlebnis der Teenagerjahre mit überschüssigem Testosteron mit Teenage Love Affair („The Electric Pow Wow“) und würzten das Konzert mit dem ersten Song aus Salas‘ Studio-Debüt „Colorcode“ von 1990, nämlich Stand Up!
Bei alledem ist das Verhältnis der Musiker zum Publikum am interessantesten. Es ist ganz gewöhnlich. Man würde meinen, man bekäme echtes abgehobenes Stargehabe geboten – angesichts dessen, was diese Menschen in ihrer Karriere alles erlebt haben: Auftritte in den größten Konzerthallen der Welt, vor dem größtmöglichen Publikum, das genussvolle Baden im Geld und die Tatsache, dass sie dem Musikbetrieb in ihrer Karriere buchstäblich bis auf den Grund gekommen sind und es für sie weder Geheimnisse noch Rätsel mehr gibt. Doch das Gegenteil war der Fall. Das Quartett genießt die Anonymität und nutzt sie weidlich aus, um sich in den intimen Clubräumen Europas zu vergnügen. Das Konzert verging in seiner Stunde und dreiviertel wie ein Fingerschnippen – so hypnotisch besitzergreifend war die Show, die wir in Form einer unvergesslichen Funk-Lektion genossen!
An dieser Stelle möchte ich erneut meinen tiefen Respekt für die Besitzerin des Clubs Bluesiana Rock Cafe Gudrun Koffler aussprechen. Sie verwöhnt uns buchstäblich mit einem ausgezeichneten Konzertangebot voller sprühender Begeisterung, die offensichtlich kein Nachlassen und keinen Rückzug kennt! In der Bluesiana steht also ein neuer heißer Herbst bevor!
Fotos: Robi Lipej
Setliste
1. Your Future 2. Sweet Thang 3. Hit It And Quit It 4. Rain Fall Down 5. Are The Gods Smiling On Me 6. So Dagged 7. Two Souls War’n In A Bag Of Skin 8. Long Way To Roll 9. You Know What I Mean 10. Get Away 11. God Gave Me Everything 12. Grooveline 13. Teenage Love Affair 14. I Don’t Know Why 15. Stand Up!
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