Inmitten der Schlachtstürme mit Sacred Steel in Ljubljana (2009)

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Autor: Aleš Podbrežnik

Veranstaltungsort: Ort Bar / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 04.09.2009
Besucherzahl: 50
Kartenpreis: 18,00€

Gleich am nächsten Tag, nachdem die legendären New Yorker Hardcore-Jungs Pro-Pain in der Gala Hala auf der Metelkova einen gerade mal eine Stunde langen Auftritt hingelegt und uns dabei ziemlich kalt gelassen hatten, war für alle, die in irgendeiner Form mit den traditionellen Spielarten des Heavy Metal oder dessen Wiederaufleben groß geworden sind – vor allem in der zweiten Hälfte der Neunziger bis etwa 2004 – ein Besuch im Ljubljaner Club Orto Bar schlicht Pflicht. Der heute so genannte Power Metal fasziniert die von extremer Brutalität verwöhnten Ohren der neueren Metal-Generation vielleicht nicht mehr so stark, doch die Bands, die ihm die Treue schwören, machen stur weiter, entwickeln sich und veröffentlichen nach wie vor Alben. Laut dem Sieben-Jahres-Zyklus soll der Power Metal mit seiner Pflege des old-school Metal-Handwerks um das Jahr 2012 wieder in den Fokus der Metal-Massen rücken. Mal sehen.

Sacred Steel sind sympathische Kriegs-Metaller, denen in der zweiten Hälfte der Neunziger eine beachtliche Reichweite gelungen ist, als sie das Album „Wargods Of Metal“ (1998) beim amerikanischen Label MetalBlade Records veröffentlichten und sich den faszinierenden Bill Metoyer als Produzenten sicherten. Auf sich aufmerksam gemacht haben sie sich vor allem durch ihr rohes Spiel, das in vielerlei Hinsicht auf der Arroganz des Speed Metal der Achtziger aufbaute, der auf amerikanischem Boden gewachsen war. Gleichzeitig haben sie diesem Ausdruck einen Hauch von bekannter europäischer Pomposität eingehaucht und einen eigenständigen, wiedererkennbaren Sound entwickelt. Der Löwenanteil davon geht natürlich auf das Konto von Sänger Gerrit Mutz, der mit seinem eigenwilligen Stil und seiner schrill-dünnen Stimme das Klangbild prägt. Die Band wird im Oktober dieses Jahres das neue Album „Carnage Victory“ veröffentlichen, das sie bei ihrem Besuch in Ljubljana auch schon teilweise promotet hat. Sacred Steel, von denen es lange so aussah, als würden sie zumindest zu einer mittelgroßen Band heranwachsen – vor allem nachdem wir sie 2001 gemeinsam mit Children of Bodom und Primal Fear in Wien auftreten sahen (genauer gesagt am 15.02.2001, im heute dem Erdboden gleichgemachten Club Planet Music) – sind heute eine kleine, bescheidene Clubband, die für ein paar Kröten selbst in den hintersten, gottvergessensten Winkel kommt, den noch Strom erreicht.

Eine schöne Geste des Veranstalters Dirty Skunks war auch, dass Skunk der slowenischen symphonischen Power-Metal-Band Infidia die Möglichkeit gab, sich vorzustellen. Dieser Auftritt fiel fast genau mit dem Erscheinungsdatum des Debütalbums „Reflections“ der Band zusammen. Infidia, eine sechsköpfige Truppe, fand sich auf der winzig kleinen Bühne des Orto Bar wieder. Gedränge auf der Bühne war unvermeidlich. So wurde uns der Blick auf den schönsten Teil des Infidia-Ensembles verwehrt. Gitarrist Uroš hatte sich hinter dem Rücken von Keyboarderin Katja Sevšek versteckt. Die Band spielte in gut einer halben Stunde den Großteil des Debütalbums durch und schloss das Set mit dem Song Gutter Ballet der legendären Savatage. Auf der Bühne hat die Band dabei keinen Hehl daraus gemacht, dass sie kein Frischling mehr ist, dass sie sowohl auf der Bühne als auch bei Proben viel Zeit miteinander verbracht hat – und ihr Repertoire auch diesmal im Orto Bar größtenteils souverän durchgespielt hat. Gestört hat gelegentlich nur das allgemeine Gefühl von Verkrampftheit und Anspannung im Ensemble während des Spielens sowie ein Mangel an Selbstbewusstsein. Im Klangbild war obendrein noch Sängerin Tina zu leise eingestellt, was dazu führte, dass man sie ein paarmal nicht richtig hören konnte – was sie da eigentlich singt und wie. Von der Sängerin hätte man sich etwas mehr Inbrunst und Energie gewünscht, genauso wie mehr Selbstbewusstsein beim Überleiten zwischen den einzelnen Songs. Den nicht gerade besten Tag der Band überstand man am besten damit, dass man hauptsächlich dem Gitarrenspiel (Soli inklusive) des ausgezeichneten Leadgitarristen Andrej Lebar folgte, der in jeder Hinsicht begeisterte.

Gegen 20 Minuten nach zehn Uhr abends betreten Sacred Steel die Bühne. Eigentlich lüge ich. Das knappe Budget diktiert, dass die Band sich auf der Bühne selbst einstimmt und die nötige Logistik selbst in die Hand nimmt. Sacred Steel sind also ihre eigenen Roadies. Dass es sich um einen durch und durch halbprofessionellen Ansatz handelt, bezeugt auch die Tatsache, dass Sänger Gerrit sich vor dem Konzert größtenteils unter dem Publikum aufhielt, wo er für jede saftige Diskussion zu haben war. Ganz nach dem Geschmack der Fans und ein klares Zeichen für das große, aber bescheidene Herz der Band.

Das Quintett, das sich heute aus  Gerrit Mutz (Gesang), Jonas Khalil (Gitarre), Jens Sonnenberg (Gitarre), Kai Schindelar (Bass) und Matthias Straub (Schlagzeug) zusammensetzt, legte schließlich los. Im Orto Bar fanden sich an diesem Abend nur rund 50 Metal-Anhänger ein, doch dafür waren einige davon unter der Bühne umso glühendere und waschechte Fans der Band. Vor allem Sänger Gerrit konnte seine Begeisterung und Verblüffung kaum verbergen, als beim Refrain von Heavy Metal To The End – einem „Wargods Of Metal“-Klassiker – ein paar metalverrückte Köpfe, die den Backkatalog der Band in- und auswendig kennen, augenblicklich einstiegen. Die schlugen freudig und hemmungslos die Mähnen um sich.  Noch mehr verblüfft war Gerrit, als die Mitsingbereitschaft auch im weiteren Verlauf nicht nachließ. Wirklich Hut ab vor den einzelnen Fans im Publikum, die Sacred Steel  auf der Bühne aufrecht hielten und dafür sorgten, dass die Band nicht völlig ins Leere spielte.

Die Band besitzt einen traditionellen, rohen, unpolierten Sound. Was am meisten zieht, ist die Kombination aus naiven Texten, die vom Kämpfen in allerlei Kriegsabenteuern handeln. Die wirken in Gerrits Interpretation aber unterhaltsam und durch und durch sympathisch. Die Jungs prügelten sich souverän durch ihr Repertoire. Ein paarmal hat Gerrit die Band zwar wegen des Trinkens gerügt, aber das tat er eher, um das spärliche Publikum unter der Bühne wach und bei der Stange zu halten. Die Band hat in ihrem Repertoire Songs aus dem gesamten Diskografie-Backkatalog präsentiert und auch das brandneue Carnage Victory serviert, das auf dem gleichnamigen neuen Album erscheinen wird. Vor allem hat die Band die Anwesenden mit dem verheerenden Carnage Rules The Fields Of Death („Wargods of Metal“) regelrecht gekillt, das den Auftritt im weiteren Verlauf über Maniacs Of Speed („Hammer Of Destruction“, 2006) und das unvermeidliche Sacred Steel (Debüt „Reborn In Steel“, 1997) sowie Wargods Of Metal  zu seinem Höhepunkt trieb.

Das Signal zum allgemeinen Toben kam, als Sacred Steel in der Zugabe noch die Tankard-Coverversion (Empty) Tankard rausgeknallt haben, mit der sich das Publikum natürlich mühelos identifizieren konnte. Wer würde sich schon nicht mit Biertrinken identifizieren. Den mit Energie und urmetallischer Kraft geladenen Konzertauftritt von Sacred Steel hat zusätzlich das außergewöhnliche Bild von Authentizität der Band aufgewertet – ihr Glaube an die Sache, die sie predigen, und die außergewöhnliche Zugänglichkeit der Mitglieder zum Publikum. Ein Bild, das selbst das kälteste und gleichgültigste Herz erwärmt. Einen kleinen Wermutstropfen hinterließ einzig die Tatsache, dass wir auf der Bühne nicht den Auftritt der kroatischen Thrash-Metal-Truppe War-head aus Osijek genießen konnten, da die Band angeblich wegen Komplikationen beim Überqueren der „Schengener Grenze“ nicht in Ljubljana auftreten konnte.

Fotos: Robi Lipej

Setliste

INFIDIA: 1. Vision 2. The Dreamer And The Nightmare 3. Soulburn 4. Heart Of Stone 5. One Step From Hell 6. Viva Forever 7. Salvation 8. Thirteen 9. Gutter Ballet SACRED STEEL: intro:dark angel 1. Heavy Metal To The End 2. Metal Is War 3. Battle Angel 4. Hammer Of Destruction 5.Sacred Bloody Steel 6. Lust For Blood 7. Open Wide The Gate 8. Blood On My Steel 9. Slaughter Prophecy 10. Carnage Victory 11. Iron Legions 12. Carnage Rules The Fields Of Death 13. Maniacs Of Speed 14.Sacred Steel 15.Wargods Of Metal —Zugabe— 16. (Empty) Tankard

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