Hühnertatzen im goldenen Sand (2009)
Ort: Arena Alpe Adria / Lignano Sabbiadoro / Italien
Konzertdatum: 04.07.2009
Besucherzahl: 2000
Kartenpreis: 35 eu
Chickenfoot ist ein Supergroup-Line-up aus Veteranen, zusammengesetzt aus Joe Satriani, Chad Smith (Red hot chilli peppers) und fünfzig Prozent von Van Halen (Sammy Hagar, Michael Anthony) – die sich, nachdem sie für die jüngste Amerika-Tournee erneut David Lee Roth rekrutiert hatte, überraschenderweise auch von Anthony verabschiedet hat. Doch während Eddie, Alex und Kompanie nicht den Mut aufgebracht haben, dieses Jahr über den großen Teich zu kommen, gilt das keineswegs für Chickenfoot, die die Rockline-Crew zusammen mit Tausenden musikhungriger Fans bereits beim jüngsten Nova Rock Festival begeistert haben. Diesmal haben wir sie im mondänen italienischen Badeort Lignano Sabbiadoro erwischt, der sich mit den schönsten Stränden Italiens brüstet – passend dazu war auch ein wunderschönes, nach antikem Vorbild erbautes Amphitheater, das einen weitläufigen Park neben dem Rathaus ziert, dessen Bühne Chickenfoot zwanzig Minuten vor zehn in Besitz nahmen.
Das Album, das Chickenfoot vor einigen Wochen aufgenommen und veröffentlicht haben und das auf Platte trotz beneidenswerter Produktion und noch besserer Darbietung dennoch etwas monoton und vorhersehbar wirkt, klingt live völlig anders. Dafür sorgen vor allem die unglaubliche Energie, die die Bandmitglieder ausstrahlen und erzeugen, sowie eine für ihr Alter beneidenswerte körperliche Fitness und vokale Flexibilität. Hagar und Anthony liefern mit ihren Akrobatik-Einlagen das Beste aus der Van-Halen-Ära, Smiths Trümpfe sind vor allem seine Fingerfertigkeit und jenes Quentchen Keith-Moon-Wahnsinn, das jeder gute Schlagzeuger braucht – und über Satriani braucht man sowieso keine Worte zu verlieren. Wenn jemand furchtlos neben Hagar stehen und ohne Minderwertigkeitskomplexe in Eddies Schuhe schlüpfen kann, dann ist das ganz sicher Satch. Seine überschallschnelle Blues-Extravaganz kennt kein verspieltes, heute längst überholtes Tapping, und sein Sound, der deutlich konsistenter und etwas härter ist als Van Halens, ergänzt Hagars Stimme weitaus besser. Auch Sammy ist in Topform – seine Stimmbänder erreichen nach wie vor mühelos die Stimmlagen, die wir von den Alben 5150 und Live right here, right now kennen, was einfach nur Lob verdient.
Chickenfoot spielten in knapp zwei Stunden das gesamte Album durch (von Avenida revolution, Soap on the rope und Sexy little thing bis hin zu Future in the past), das sie mit einigen kürzeren Bearbeitungen und obligatorischen Soloeinlagen begleiteten, bei denen sich neben Satriani auch Hagar an der Gitarre beteiligte. Völlig neue Dimensionen gewann live auch die Ballade Learning to fall, mit der wir die besten Jahre von Satrianis Solowerk noch einmal erlebten und uns wehmütig an die Songs Always with me, always with you und I believe erinnerten. Bei der Zugabe, die Sammy mit den Klängen eines einer Zither ähnlichen elektrischen Instruments einleitete, servierten uns Chickenfoot noch den Song Bad Motor scooter, den man auf dem Debütalbum von Montrose findet, bei der Hagar seine musikalische Laufbahn begann – danach verabschiedeten sich die Stars mit einer tiefen Verbeugung von Lignano. Die Show, die sie an jenem Abend ablieferten, verblüffte trotz alles andere als opulenter Beleuchtung und ohne Pyrotechnik oder andere visuelle Hilfsmittel selbst alte Konzerthasen. Wenn eine Band allein durch ihre Präsenz und ihre Instrumente eine Stimmung erschaffen kann, die man mit einem einzigen Wort wohl am besten als ekstatisch beschreiben würde, ist alles andere schlichtweg überflüssig.
Nach dem Auftritt fand die Rockline-Crew nach einem langen Umweg durch den weitläufigen Park schließlich eine versteckte und streng bewachte Tür, die zwischen hohen Heckenreihen zur Backstage führte. Dort warteten wir zusammen mit einigen anderen Enthusiasten vergebens auf eine Fotosession und Händeschütteln mit den Musikern, die kurz nach Mitternacht wie echte Hollywood-Stars in geräumige Limousinen mit getönten Scheiben stiegen und sich schnell ins Hotel verabschiedeten, um den verdienten Schlaf zu bekommen. Einzig strahlende Ausnahme war Satch, der sich zuvor vorsichtig zum Zaun vorgetastet hatte, hinter dem ihn seine Fans unermüdlich riefen, und durch das Gitter großzügig einige Autogramme verteilte. So ist das eben mit dem Ruhm – schade nur, dass dafür meistens die wahren Fans den Preis zahlen müssen.
Fotos: Barbara Milharčič
Setliste
1. Avenida Revolution 2. Soap On A Rope 3. Sexy Little Thing 4. Oh Yeah! 5. Runnin’ Out 6. Get It Up 7. Down The Drain 8. Bitten By The Wolf 9. My Kinda Girl 10. Learning To Fall 11. Turnin’ Left 12. Future In The Past 13. Bad Motor Scooter
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