Bang Your Head!!! After Show Party im Zeichen von Judas Priest (2009)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Loft / Balingen / Deutschland
Datum: 27.06.2009
Besucherzahl: 400
Eintritt: 5,00€

Als der zweite Teil des diesjährigen Bang Your Head!!!-Festivals im deutschen Städtchen Balingen über die Bühne gegangen war, blieb für alle Unersättlichen, die nach den Auftritten von Blind Guardian, W.A.S.P., Y&T, Exodus usw. noch lange nicht ans Schlafen dachten, natürlich nur eine einzige Option: die Adern mit echtem Judas Priest-Elixier zu füllen. Okay. Zumindest mit einer Annäherung daran. Dafür musste man beim Verlassen des Festivalgeländes nur die Kreuzung überqueren und auf die andere Straßenseite wechseln. Dort steht ein Subway, der die ganze Nacht geöffnet ist. Im Erdgeschoss werden 30-cm-Schnellsandwiches gezaubert, bei denen man platzt, wenn man sie nicht auf nüchternen Magen angeht — das Obergeschoss hingegen gehört dem Nachtclub Loft. Dort spielte die deutsche Judas Priest-Tributeband Just Priest auf, um die After Show Party des Festivals zu schmeißen.

Just Priest sind eine Truppe erfahrener Haudegen. Die Band besteht aus Sänger Udo Welz (Agent Orange), den Gitarristen Tom Naumann (ex Primal Fear, ex Sinner) und Stefan Barth (Agent Orange), Bassist Thomas „Huyz“ Mössinger sowie Schlagzeuger Didi Vogt.

Die Band betrat die kleine Clubbühne kurz nach Mitternacht. Es gibt keine bessere Idee, als ein Konzert mit Judas Priest-Klassikern zu eröffnen — den Anfang macht die Hellion. Der Raum war gut gefüllt, etwa 400 Leute hatten sich eingefunden, und die begrüßten die Band mit lautem Applaus. Schon nach den ersten Takten ließ Klang und Stimmung ahnen, dass man heute Abend eine wirklich gelungene Annäherung erleben würde. Alles würde natürlich vom Gesang abhängen.

Hellion geht nahtlos in Electric Eye über. Am interessantesten war die Überraschung, als wir alle den Gesang hörten, der Sänger aber nirgends zu sehen war. Das ist Teil der Judas Priest-Konzertimitation, bei der Halford stets auf die verschiedensten Arten die Bühne betritt. Udo Welz nutzte für diesen Einstieg den Seitenbalkon der Innenwand des Clubs und schritt im Halford-Stil darüber, während er die Verse sang — hoch oben über der Bühne. Die Lichttechniker wussten genau, dass sie den Sänger mit einem weißen Scheinwerfer verfolgen mussten. Das war die erste Überraschung — wie Halford, der beim ersten Song meist „vom Himmel herabsteigt“. Der Sänger wärmte die Stimmbänder weiter mit der hymnischen Metal Gods auf, die eine stattliche Anzahl aufgeheizter Metalköpfe — besonders die hopfengeschwängerten — vor die Bühne trieb. Das Feeling war überragend, denn Just Priest hatten die Eigenheiten und das Werk ihrer Vorbilder Judas Priest wirklich hervorragend studiert. Die Bühnenbewegungen der einzelnen Musiker, das Schulter-an-Schulter-Squatten der beiden Gitarristen — und besonders positiv überraschend: Udo Welz. Der Kerl hat nicht nur mit voller Glaubwürdigkeit auch Halfords höchste Lagen getroffen und sie sogar noch um einen halben Ton nach oben gedreht — ein Trick, den Halford in seinen besten Konzertjahren ebenfalls gerne am Ende von Versen einsetzte —, sondern er hat sich buchstäblich Halfords typisches Bühnenspiel angeeignet. Natürlich schwarz gekleidet, aber kein Leder. Mehr Stoff kam bei der Konfektionierung zum Einsatz. Vielleicht lässt das das Budget der Band nicht zu — oder schlicht die Tatsache, dass man unter Scheinwerfern ohne Leder definitiv weniger schwitzt als im vollen Lederdress.

Eine weitere Besonderheit des Konzerts war das Auftauchen des ehemaligen Bruce Dickinson- und jetzigen Driver-Gitarristen Roy Z vor der Bühne. Und zwar in einem Zustand, in dem man ihn eigentlich nicht kennenlernen möchte — schon gar nicht, wenn man ein Fan seiner Heavy-Metal-Arbeit ist. Roy Z erschien vor der Bühne ziemlich angetrunken. Er torkelte und wälzte sich an der Bühne entlang, war lästig und äußerst aufdringlich gegenüber allen, die gekommen waren, um die Musik zu genießen. Da er und Tom Naumann offensichtlich befreundet sind, beschloss er, dem Gitarristen während des Konzerts ordentlich auf den Wecker zu gehen. Immer wieder warf er seine Monitore um, drückte Knöpfe an den Gitarrenpedalen und verdrehte seinen Mikrofonständer. Tom, der Roy offensichtlich schon sehr lange kennt, nahm das Treiben völlig stoisch hin. Er lachte über Roy, gab ihm die Hand — obwohl Roy einen guten Teil seines Besuchs damit verbrachte, den Mittelfinger der rechten Hand zur Bühne zu strecken. Man konnte sich gut vorstellen, was er sich dachte: „Amateure. Für wie wenig Geld ihr das macht! Ich kann das alles besser. Und das ganz allein.“

Just Priest sind dem großartigen und einzigartigen Opus der Heavy-Metal-Legenden Judas Priest mehr als gewachsen. Besonders überzeugend waren sie bei den schwereren Nummern der Band — etwa bei The Sentinel, mit einer exzellenten Wiedergabe der mehrteiligen Gitarrensolos, die Stefan und Tom im Stil von Downing und Tipton abwechselnd spielten. Herausragend waren außerdem die Klassiker Beyond The Realms Of Death, Victim Of Changes, Painkiller, Desert Plains, Touch Of Evil und Freewheel Burning. Diamond And Rust wurde nach dem Vorbild der Version vom Judas Priest-Livealbum „Unleashed In The East“ gespielt. Besonders heraus stachen sie vor allem dank des hervorragenden Gesangs von Udo Welz, der dem Auftritt von Just Priest damit vollständige Glaubwürdigkeit verlieh. Alle Bausteine der Tributeband funktionierten tadellos — von Digi Vogts überlegenem Schlagzeugspiel ganz zu schweigen.

Just Priest haben an alles gedacht. Auch auf eine Harley Davidson wurde nicht verzichtet — damit fuhr Udo auf die Bühne und sang Hell Bent For Leather komplett darauf sitzend. Ganz im Stil von Judas Priest eben. Die Band ergänzte die genannten Songs noch um das obligatorische Material vom Album „British Steel“ (1981) (Grinder, Metal Gods, Breaking The Law, Living After Midnight), fügte den Fleetwood Mac-Originaltrack Green Manalishi (With The Two Pronged Crown) hinzu und krönte den Abend am Ende mit dem ausschweifenden Klassiker You’ve Got Another Thing Comin‘ vom „Screaming For Vengeance“-Album (1982).

Den Auftritt von Just Priest im Club Loft bereicherten auch einige leicht bekleidete Damen, die in spärlichen Seidennegligés frech vom Balkon herabschauten. Eine ordentliche Portion Judas Priest in hervorragender deutscher Annäherung. Tatsächlich ist das Opus von Judas Priest die Grundlage, auf der sich auch der deutsche Heavy Metal in den Achtzigern entwickelt hat — und bis heute weiterentwickelt. Das Quintett hat sich mit außerordentlicher Konzentration und höchster Fokussierung auf dieses Erbe eingelassen. Naumann sogar so sehr, dass er auf seinem Gibson Les Paul eine Saite riss. Da natürlich kein Techniker in der Nähe war, eilte er kurzerhand selbst hinter die Bühne, um sich eine Gibson Flying V zu holen. Dieses Konzert strahlte eine tiefe Ehrerbietung der Just Priest-Mitglieder gegenüber Judas Priest aus — eigentlich eine große Liebe zur Musik von Judas Priest. Davon hat uns die — schon sprichwörtliche — deutsche Perfektion und penible Genauigkeit überzeugt. Auch dieses Mal hat sie nicht versagt. Just Priest sind wirklich erstklassig — man könnte sogar sagen: eine professionelle Kopie des Originals. Ich empfehle euch wärmstens, sie bei nächster Gelegenheit anzuschauen!

Fotos: Aleš Podbrežnik 

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