Bei der Aufnahme des Don Mentony Konzertalbums (2009)

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Ort: Studio 14 des Radio Slovenija, Ljubljana
Konzertdatum: 05.06.2009
Besucherzahl: 120
Eintrittspreis: freier Eintritt

Don Mentonys Invasion im Studio 14 des öffentlichen Radios war lange geplant – wenn auch alles andere als gut verborgen. Über das geplante Einspielen von Aufnahmen, die irgendwann in näherer Zukunft leidenschaftlich die Fahne des lang ersehnten Don Mentony Konzertalbums hochhalten sollten, wurde in Musikkreisen schon eine Weile getuschelt. Janez legte die Pläne zum ersten Mal öffentlich genau im Interview für RockLine bloß (mehr dazu hier), seitdem aber sind zahlreiche für die Aufnahmen festgesetzte Termine mehr als einmal auf mysteriöse – angesichts von Žans ziemlich einzigartigem Zeitempfinden jedoch völlig nachvollziehbare – Weise im Nichts verschwunden. Das serielle Auftauchen von im Schleier des Geheimnisses gehüllten Terminen auf der offiziellen Website der Band, auf der wir statt Zahlen in Datums- oder irgendeiner anderen Zeitform mehrere Monate in Folge dem Tanz der Fragezeichen zusehen durften, ließ freundlicherweise genug Raum für Zweifel an der endgültigen Realisierung des Projekts. Der Freitagabend war in dieser Hinsicht also ein Wendepunkt – das Räderwerk des Don Mentony Banda hat endlich wieder Fahrt aufgenommen, und wenn alles gut geht, läuft es ab Herbst endlich wieder auf vollen Touren!

Janez Zmazek hat seine Truppe für das Radio-Abenteuer gründlich eingeübt und bis auf den letzten Musiker diszipliniert – dabei büßte der Abend durchgehend ein kleines bisschen jene Spontaneität ein, an die man von Don Mentonys Live-Exzessen immer gewöhnt war. Seinen Teil dieser bedingten Vorhersehbarkeit brachte zweifelsohne die Tatsache mit sich, dass Don Mentony live über die Radiowellen auftraten, im Bewusstsein, in knapp anderthalb Stunden eine flotte Präsentation einer stattlichen Portion Eisen-Hits abliefern zu müssen. Der diskografische Überflug über Mentonys Blüten wurde mit spürbarer Eile serviert, aber mit genug saftiger Delivery, die aus Žans Händen stets erstklassiges Treten des ureigensten Rock & Roll garantiert.    

Die neueste Inkarnation des Mentony-Klubs bleibt trotz einer interessanten klanglichen Anpassung, die sich in der Anwesenheit des Akkordeonisten Boštjan Dorič zeigt, natürlich dem kaltblütigen Drill des giftigen Blues Rocks treu. Davon war am Freitagabend erwartungsgemäß reichlich vorhanden. Zmazek hat in seinem ureigenen Stil einen farbenfrohen und dynamisch verwegen abgerundeten Überflug über moralisch fragwürdige Diskografie-Höhepunkte gezimmert, die im Vergleich zur kastrierten Kreatur des modernen Rocks immer mehr wie Schöpfungen von einem anderen Planeten wirken. Bekannte Nummern wie A štekаš, Hopla konopla und natürlich Dobra mrha sprachen direkt, selbstironisch und ohne Schönfärberei – so, wie es sich für Rock & Roll gehört.

Zmazek hat sich mit der gezielten Verjüngung der Besetzung ein außerordentlich vitales musikalisches Kollektiv beschafft, das den Abend über zaghaft genug jugendlichen Enthusiasmus für die Entdeckung der Reize des Basisrocks zeigte, während Žans mentorische Handgriffe dafür sorgten, die Qualitäten der einzelnen Musiker fachmännisch in ein freigeistiges und bohemisch inspiriertes musikalisches Räderwerk einzubetten. Neben dem bereits erwähnten Boštjan Dorič, dessen temperamentvolle Akkordeon-Ausbrüche den ohnehin schon ordentlich verrosteten Bluesfrasen einen Hauch Frische verliehen, sowie dem bestens eingespielten Rhythmusgespann aus Bassist Klemen Teran und Schlagzeuger Žiga Kožar blieb auch genug Raum für sentimentales Schwelgen in längst vergangenen Tagen. Die Rede ist natürlich von der einen und einzigen „weißen Schneeflocke“, dem Großteil derer, die Žans typischen Sarkasmus nicht kennen, hauptsächlich bekannt unter dem Namen Tomo Jurak. Dessen primäre Aufgabe war die Lieferung der Begleitvokale, die am Freitagabend leider nur stellenweise zu hören waren. Das grundlegende Ausdruckselement, das Don Mentony ewigen Ruhm gesichert hat, bleibt natürlich der Gitarrensound. Es ist sicher kein Zufall, dass Zmazek einen guten Teil der Last der Gitarrensoli dem jungen Mann anvertraute, der auf den Namen Luka Vehar hört. Das Duo tauschte im Laufe des Abends nämlich eine Reihe begeisternder melodischer Dialoge aus, die den Abend von jeglicher Monotonie des Gitarrenspiels befreiten. Zu beobachten war, dass Vehar und Zmazek bei der Gestaltung ihrer solistischen Ausflüge auf unterschiedliche Lösungen zurückgriffen, sowohl inhaltlich als auch charakterlich. Vehars Ansatz baute auf einem weit subtileren, verständnisvollen Bild, während Janez altschulmäßig der Saftigkeit und Schärfe des ländlichen Blues-Rocker-Ausdrucks treu blieb. Diese Vielfalt bereicherte den motivischen und stilistischen Reichtum des Ausdrucks und haucht den längst totgespielten Ko noč zamenja dan, Rekla je ne neues Leben ein – und noch lange in Erinnerung bleiben wird die einfallsreiche Darbietung von Sedem let, gewürzt mit Slide-Spiel voller greifbarer melancholischer Nuancen.    

Der Freitagabend in Gesellschaft von Don Mentony hat erwartungsgemäß den Appetit auf das Wiederaufleben von Ruhm und Kraft der Grundpfeiler der Rockmusik geweckt – und gleichzeitig auf boshafte Weise bei der Diagnose des immer schlechter werdenden Blutbilds des modernen Rocks in Slowenien geholfen! Obwohl er ruhig aus dem Hintergrund schaut und kalt von jedem Medienzirkus abgedrängt wird, bleibt Janez Zmazek auch im Jahr 2009 einer der unbestrittenen Größen der heimischen Rockszene – ob das den intellektuell degenerierten Süchtlingen nach der Frigidität der Popkultur nun passt oder nicht! Einfach gesagt: So einen wie Žan baut man schon seit Jahren nicht mehr!

Fotos: Mojca Perdih

Setlist

1. Ko noč zamenja dan 2. Dost mam 3. Ko spustiš se z neba 4. Rad bi bil baraba 5. To je moj živlene 6. A štekаš 7. Marjetka 8. Na drugi strani 9. Ko se dela dan 10. Sedem let 11. Lahko nardim še bolš 12. Nekam bom šel 13. Mikica 14. Hopla konopla 15. Lenoba 16. Z občutkom 17. Nkol si nam odpustu 18. Rekla je ne 19. Na oblali 20. Dobra mrha 21. Zdej sm pa miško

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