Helstar beschwören mit Rager und Dawn Patrol im Bazen den König der Hölle! (2009)

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Autor: Rok Klemše

Ort: Kranj, Izbruhov kulturni bazen
Konzertdatum: 30.05.2009
Besucherzahl: 150
Kartenpreis: 15€

Der Fülle an großartigen Konzerten bei uns im letzten Jahr schloss sich vor einigen Monaten auch noch die Ankündigung an, dass die kultigen und legendären texanischen Power/Speed-Metaller Helstar die Grundfesten des Izbruhov kulturni bazen in Kranj erschüttern würden. Die Texaner haben in ihrer Karriere einige Alben veröffentlicht, die für immer als einige der besten Werke des Genres gelten werden – vom Debüt Burning Star bis hin zum frischen The King of Hell. Helstar setzten den Namen ihrer Heimatstadt Houston auf die Metal-Landkarte, lösten sich aber leider kurz nach der Veröffentlichung des schlecht aufgenommenen Albums Multiples of Black vorzeitig auf. In der Zeit des Stillstands lebte der Name Helstar vor allem dank des Sängers James Rivera weiter, der in zahlreichen Bands aktiv war und seitdem immer wieder Helstar-Reunions in verschiedenen Besetzungen versuchte. Das 20. Jubiläum der kultigen Platte Remnants of War war dann die perfekte Gelegenheit für eine Reunion der Band, diesmal in vollständiger Besetzung. Die Jungs nahmen eine fantastische Come-Back-Platte auf und begaben sich auf eine Tour, die sie auch nach Kranj führte. Gemeinsam mit ihnen hätten auf der Tour eigentlich auch Loch Vostok auftreten sollen, denen aber bereits in Schweden der Bus ausgefallen war, der gleichzeitig das Transportmittel für Helstar war. Und Helstar bewiesen mal wieder eine Lektion in Sachen Durchhaltevermögen – sie mieteten einen Van, mit dem sie halb Europa bereisten. Loch Vostok wurden durch Rager ersetzt.

Beim Betreten des Bazen bluteten die Speed/Thrash-Metal-Truppe Rager gerade für die Götter mit einem hervorragend gespielten Agent Steel-Cover, Bleed for the Godz. Die Jungs bekamen vor ihrer kreativen Pause die Gelegenheit, als Vorband von Helstar aufzutreten, und der solide und souveräne Auftritt wird ihnen sicher Kraft für weiteres Schaffen geben. Obligatorischer Teil des Rager-Sets ist natürlich die komplett gespielte EP Eat Metal, die das Publikum bereits angenommen und in sein Herz geschlossen hat und bei deren Refrains von Brechern wie Spoils of War und Ritual of Death Buco tatkräftig unterstützt wird. Rager kann sich neben abwechslungsreichem und lebendigem Eigenmaterial auch mit sorgfältig ausgewählten Covers rühmen – so hörten wir noch die Hymne Heavy Metal Breakdown der deutschen Grave Digger und zum Abschluss den Iron Maiden-Klassiker, Iron Maiden natürlich. Rager zeigen mit jedem gespielten Konzert große Fortschritte, die Band spielt sich immer besser ein und gewöhnt sich schnell auch an größere Bühnen wie die des Bazen. Die Rhythmussektion ist bombastisch und genau richtig „simpel“ im Old-School-Metal-Stil. Gilian deckt mit seiner Gitarre den Raum so meisterhaft ab, dass das Fehlen einer weiteren Gitarre, außer bei Iron Maiden, überhaupt nicht auffällt. Buco bleibt – ganz im Stil eines Sean Kilians (Vio-lence) oder Paul Bucoffs (Exodus; R.I.P.) – thrasherisch stimmlich auf sympathische Weise hoffnungslos. Und die Texte könnte er langsam auch ohne Spickzettel auswendig, hehe. Greift also zum größten Löffel aus Mutters Silberbesteck und schöpft euch einen vollen Löffel Rager-Metal voller nahrhaftem Eisen! Lecker, lecker.

Eine weitere ausgezeichnete Wahl als Vorband der texanischen Legenden waren die einen und einzigen Dawn Patrol. Sowohl das Mädel als auch die Jungs auf der Bühne wie das Publikum, das einem der besten Frontmänner des Landes, Aleš, treu folgte, heizten den Bazen, der von einem lästigen Frühlingsregen abgekühlt wurde, mehr als angemessen für Helstar auf. Aleš‘ Energie auf der Bühne bleibt unübertroffen, und der kommunikative Küstenländer ergänzt seine souveräne Bühnenbeherrschung und seine Ansagen zwischen den Songs noch mit einer fantastischen Gesangsdarbietung. Dawn Patrol schüttelten so einen nach dem anderen aus dem Ärmel (äh… soweit das bei T-Shirts eben möglich ist, hehe) Eigenkompositionen, die in kurzer Zeit zu echten Klassikern des slowenischen Heavy Metals geworden sind. Dark Side of Society, Fortress und Rockstar Ate My Hamster bleiben trotz unzähliger Durchläufe frisch und vernichtend, und der Kopf bleibt keinesfalls still, wenn das instrumentale Quartett auf die neueren Songs Ghost und Alcoholic losstürmt. Iztok und Jan mit ihren abwechslungsreichen Riffs und ansteckenden Soli stellen zweifellos eines der besseren Gitarristen-Duos des Landes dar (auch Helstar konnten sie gar nicht genug loben!), die Rhythmussektion knallt dank Ana am Bass und dem hervorragenden Strigot, der sich bereits vollständig in die Band eingefügt und das Schlagzeug wie im Handumdrehen gemeistert hat. Dawn Patrol sind und bleiben eine der besten heimischen Konzerterfahrungen, und ich kann nur auf eine Art abschließen. Wir wollen ein Album!
Dann haben wir endlich eine ordentliche Dosis Texas fuckin‘ Metal mit den legendären Helstar bekommen. Die Texaner haben das kürzlich veröffentlichte Album The King of Hell in der Tasche, das sowohl bei Kritikern als auch beim Publikum ausgesprochen gut ankam. Natürlich präsentierten Helstar auf dieser Tour stolz ihr frisches Werk und begannen ihren Set passenderweise mit dem Titeltrack des Albums, The King of Hell. Dem Publikum drehte sich schon der Schädel, als Larry Barragnan (Gitarre), Rob Trevino (Gitarre), Jerry Abarca (Bass) und Russell DeLeon (Schlagzeug) einer nach dem anderen auf die Bühne marschierten und mit dem instrumentalen Intro den Teufel herbeiriefen. Der ließ sich nicht lange bitten, und die Treppe herunter erschien auf der Bühne noch der große Sänger „the king of hell“ persönlich, James Rivera, mit einer Höllendämonenmaske übers Gesicht gezogen, und der Wahnsinn begann. „Bow down to the King of Hell!“ Helstar klangen wie wiedergeboren, als hätte die Zeit für sie nach der Veröffentlichung von Remnants of War angehalten (dessen 20. Jubiläum die aktuelle Helstar-Besetzung gemeinsam mit Schlagzeuger DeLeon feiert, der mit der Band auf Multiples of Black spielte). Das Gitarren-Duo Barragnan/Trevino veranstaltete wie im Spiel Geschwindigkeitsduelle auf den Gitarrenhälsen, mörderische Riffs und Überschall-Soli prasselten am laufenden Band, die Rhythmussektion fegte wie ein Orkan alles vor sich nieder, und Bassist Abarca hüpfte trotz kleinerer technischer Probleme über die Bühne wie ein Zwanzigjähriger, nicht wie ein Herr in seinen Vierzigern. Das alles kommandierte der unvergessliche James Rivera, der seit gut einem Vierteljahrhundert eines der bekanntesten Gesichter des Metals ist. Rivera lieh seine Stimme neben Helstar noch einem kleinen Meer von Bands, von Destiny’s End, Seven Witches, Distant Thunder bis hin zu Flotsam and Jetsam, und ist wohl auch am meisten dafür verantwortlich, dass Helstar wieder in vollständiger Besetzung zusammenfanden. Ach ja, das darf ich nicht vergessen: Rivera ist stimmlich genauso mörderisch wie am Anfang seiner Karriere. Ob die schwindelerregend hohe Pain Will Be Thy Name, gelegentliche Growls oder die melodisch-epische Mittellage – Rivera beweist, dass er stimmlich einer der besterhaltenen Frontmänner dieser Zeit ist. Ganz zu schweigen davon, dass sein Charisma unerreichbar ist und er beweist, dass die Bühne sein Zuhause ist. Helstar öffneten im Bazen wahrlich die Höllentore, denn das Publikum wirbelte und moshte ununterbrochen, und Helstar konnten unser Publikum nicht genug loben und hielten im Tour-Report fest, dass das Konzert in Kranj allen anderen Konzerten der Tour meilenweit überlegen war. Die texanischen Giganten des Heavy/Power/Speed Metals nahmen uns in gut anderthalb Stunden mit auf eine Reise durch ihre Diskografie, widmeten die größte Aufmerksamkeit natürlich dem aktuellen Album, vergaßen aber nicht auf die brennenden, ewigen Klassiker wie Burning Star, die Hymnen Run With the Pack, Suicidal Nightmare, Nosferatu spitzte die Zähne und biss mit den epischen Harker’s Tale und Baptized in Blood in die Kehlen, und die große Überraschung war das magische Winds of War vom übersehenen Album A Distant Thunder. Leider vergaßen sie das zwar schwächste Album der Gruppe, aber immer noch hervorragende Multiples of Black vollständig, bewiesen aber, dass sie eine der wenigen Bands sind, die ihren Fans enorm viel geben. Und sie kehrten auf die Bühne zurück, und zurück, und zurück, und spielten ganz zum Schluss noch das spektakuläre Angel of Death, speziell für das Konzert in Kranj, da sie diesen Klassiker schon lange nicht mehr gespielt hatten.

Dass Helstar Meister ihres Fachs sind, muss man nicht extra betonen. Der Bazen erwachte mit ihnen wieder im Old-School-Flair der 80er zum Leben, und Helstar spielten ohne Zweifel eines der besten Konzerte auf unserem Boden in letzter Zeit. Solche Konzerte kann man sich nur wünschen, und angesichts all der Superlative, die Helstar Slowenien gewidmet haben, können wir wohl hoffen und damit rechnen, dass der Stern bei uns in Zukunft wieder aufflammen wird!

Fotos: Robi Lipej

Setlist

HELSTAR: 1. The King of Hell 2. The Plague Called Man 3. The King is Dead 4. Evil Reign 5. Burning Star 6. Pain Will Be Thy Name 7. Harker’s Tale 8. Dracula’s Castle 9. Suicidal Nightmare 10. Winds of War 11. Wicked Disposition 12. Garden of Temptation -Zugabe- 13. Run With the Pack 14. Baptized in Blood -Zugabe- 15. Angel of Death

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