Eine Horde Schmutzfinken und der Bann des Mondlichts in Zagreb (2009)
Autor: Aleš Podbrežnik
Ort: Boogaloo / Zagreb / Kroatien
Konzertdatum: 25.04.2009
Besucherzahl: 400
Eintrittspreis: 28,00€
Die Briten Cradle Of Filth gehören zu den bekanntesten Vertretern des Extreme Metal weltweit, und seit ihrem ersten Auftritt auf der Szene verteidigen sie diesen Titel mehr als verdient seit ganzen 18 Jahren. Dunkle Literatur, Poesie, Magie, Mythologie und Horror bleiben unerschöpfliche Themen, mit deren Hilfe Cradle Of Filth ihren ganz eigenen, spezifischen Sound und ihr vampirisches Image erschaffen haben. Nach Zagreb brachte Cradle of Filth unter anderem auch die Promotion ihres neuen, achten Studioalbums „Godspeed on the Devil’s Thunder“. Damit die Sache noch würziger wird, gesellten sich ihnen auf ihrer neuen Europatournee als zweiter Headliner die ausgezeichneten portugiesischen Schwarzmetaller Moonspell hinzu, die im Rahmen dieser Tournee ihr neues Studioalbum „Night Eternal“ präsentierten.
Die gesamte Konzertphalanx von Cradle Of Filth und Moonspell hat den Hauch eines echten Festivalspektakels, da das Publikum von den finnischen Vorgruppen Dead Shape Figure und Turisas aufgewärmt wird. Beide haben dabei musikalisch wenig gemeinsam. Erstere sind nämlich eine Death-Metal-Core-Band, während den anderen das Etikett Viking Metal angehaftet ist.
| DEAD SHAPE FIGURE: |
Zur Überraschung der wenigen Fans der heimischen Band Stribog, die ihr Konzert absagen mussten, traten gegen 19:30 Uhr die finnischen Death-Core-Metaller Death Shape Figure als erste auf der Bühne auf und hinterließen in der Halle einen äußerst schlechten Eindruck — das Soundsystem quälte sie durch das gesamte Konzert mit Problemen, war schlicht katastrophal, und beim Finale des letzten Songs blieb dann auch noch der Strom weg. Death Shape Figure hatten in Zagreb schlicht keinen guten Abend, obwohl sie am 20.03.2008 in Ljubljana — damals im Rahmen der Europatournee der Amerikaner Chimaira — bewiesen hatten, dass in dieser Band echtes Dynamit steckt. Dieses Mal war das Gefühl beim Zuschauen wie das Gefühl, ein Fußballspiel ohne Ball zu sehen, bei dem die Spieler statt des Balls die Luft treten.
| TURISAS: |
Die Stromprobleme wurden behoben, und nach fünfunddreißig Minuten begann der lang ersehnte Auftritt der finnischen ‚Battle Metaller‘, wie sie sich selbst gerne nennen. Nach dem obligatorischen Intro hauen uns Turisas die Tracks To Holmgard And Beyond und A Portage To The Unknown um die Ohren. Der Sound bei diesen beiden Songs schien mir irgendwie mager, und außerdem fanden Turisas zu Beginn keine richtige Verbindung zu den ca. 300 Anwesenden. Der Grund dafür ist wohl die geringere Bekanntheit der Band, da sie zum ersten Mal in ihrer Karriere in Zagreb — also auf kroatischem Boden — aufgetreten ist! Der Auftritt von Turisas im Februar in Maribor hinterließ im Vergleich dazu zweifellos einen besseren Eindruck. Dort haben Turisas mit dem Publikum auf der Bühne eine viel größere Party gemacht. Es folgen die Tracks One More und In The Court Of Jarisleif. Den Sound bekamen die Techniker irgendwie in einen besseren Zustand, und die Kommunikation der Band mit den Fans fand zu den richtigen Frequenzen. Turisas-Sänger Mathias D.G. ‚Warlord‘ Nygårdod legte in einer der Pausen zwischen den Songs eine richtige Lobrede auf das kroatische Bier hin und gewann damit auch den Rest der Anwesenden auf seine Seite. Mathias punktete außerdem mit der besten Publikumskommunikation aller Bands des Abends. Das Finale beginnt mit dem Instrumentalduell zwischen Geige und Akkordeon, nämlich dem Track Rasputin, Bonney M — und zum Abschluss spielen sie noch ihren größten Hit Battle Metal. Das waren erfolgreiche (gute) dreißig Minuten für Turisas in Zagreb — nach diesem Erlebnis werden sie gerne wieder in die kroatische Hauptstadt zurückkehren!
| MOONSPELL: |
Kurz nach 21:30 Uhr übernahmen die kultigen Moonspell die Bühne — die Mehrheit der Anwesenden sah sie als Headliner, und damit lagen sie definitiv richtig! Ich hatte das Gefühl, dass Fernando zu Beginn etwas zurückhaltend war, doch das hindert Moonspell nicht daran, ein super eingespieltes Band zu sein, das bei Live-Auftritten eine wahrhaft kataklystische Atmosphäre schafft! Das außerordentliche Bühnenspiel Fernandos und natürlich die stimmliche Darbietung, Routine und Erfahrung sind maximal ausgeschöpft. Das Konzert war eine super Kombination aus Performance und Filmsequenzen auf einer Leinwand im Hintergrund. Dazu bestand noch gut die Hälfte der Setlist aus den ersten beiden Kultalben „Wolfheart“ und „Irreligious“, was die Bewertung des Konzerts noch zusätzlich nach oben trieb.
Den Anfang bestritt das neue Album mit den Tracks „At Tragic Heights“ und „Night Eternal“ sowie „Scorpion Flower“ — doch das Publikum feierte die alten Tracks wie „Finisterra, Opium, Luna, Vampiria, Alma Mater“ am meisten, und natürlich zum Abschluss „Full Moon Madness“! Ein Großteil, wenn nicht sogar mindestens die Hälfte der Zuschauer hätte die Konzertzeit gerne mit der von Cradle of Filth getauscht! Zum Abschluss möchte ich nur noch eines sagen: Definitiv der erfolgreichste Auftritt des Abends, weit überzeugender als Cradle Of Filth!
| CRADLE OF FILTH: |
C.O.F. hatten die Chance, das Publikum nach dem exzellenten Auftritt von Moonspell auf der Tournee The Darkest Tour Filth Festa bis zum Ende anzuheizen — doch das ist leider nicht passiert. Schlechter Sound beim gesamten, viel zu kurzen Konzert, die Gitarren undeutlich und kaum zu unterscheiden (das Einsaiten-Gezupfe ganz besonders). Kein besonderes Eingehen auf das Publikum, kein Anfeuern der Menge — das sind nur einige der Argumente für den Daumen nach unten! Was ich jetzt schreibe, werden die C.O.F.-Anhänger wahrscheinlich nicht erfreuen — aber das Ganze scheint mir eine einzige große Farce zu sein, sprich: Geldmacherei einer Band, die in Zagreb ihre Fans ernsthaft enttäuscht hat! Das Einzige, was das Konzert aufgelockert hat, war das ständige Kreischen der Teenager in den vorderen Reihen, die utopisch daran glaubten, dass jede von ihnen beim Konzert Danis Biss seiner spitzen Zähne abbekommen würde — und der Typ mit der Kreissäge, die er sich während des Tracks The Principle of Evil Made Flesh an den Bauch drückte, wirkte eher grotesk als beängstigend. Das Konzert, unter anderem garniert mit filmischer Visualisierung auf einer Leinwand im Hintergrund und gekreuzten Skeletten auf der Bühne, dauerte ganze 45 Minuten — plus das bei C.O.F. obligatorische Encore, das ich das Gefühl habe, dass sie es am liebsten gar nicht gespielt hätten. Ein weiteres Kuriosum des Konzerts war das Erscheinen einer zwei Meter großen „Vogelscheuche“ in der Rolle eines Tod/Zombie-artigen Wesens im Umhang, das per Hand über die Bühne geführt wurde. Die Gesangsparts der fehlenden Sängerin Sarah, die die Band leider nicht auf der Tournee begleitet, übernahm Dani — der die sinusförmigen Schreie nicht mehr mit der früheren Kraft ausführen kann. Der Blick auf die Besetzung überraschte nicht nur wegen der angekündigten Sarah, die leider nicht auf der Bühne stand, sondern auch deshalb, weil wieder James McIlroy an der Gitarre stand, anstelle von Charles Hedger. An manchen Stellen hat er sie schlicht lieber ausgelassen Noch zu erwähnen: Der Tour-Manager auf der April/Mai-Europatournee von C.O.F. ist Ian Bitliff, der diese Rolle bereits auf der Uriah Heep-Tournee im Oktober und November 2008 innehatte! Mehr als das verdienen C.O.F. weder meine Zeit noch meine Worte!
Fotos: Jure Frelih
Setlist
TURISAS: 1. The Dnieper Rapids 2. To Holmgard And Beyond 3. A Portage To The Unknown 4. One More 5. Court of Jarisleif 6. Rasputin 7. Battle Metal MOONSPELL: 1. At Tragic Heights 2. Night Eternal 3. Southen Deathstlyle 4. Finisterra 5. Opium 6. Everything Invaded (nicht gespielt) 7. Scorpion Flower 8. Luna 9. Alma Mater 10. Full Moon Madness CRADLE OF FILTH: 1. Shat Out Of Hell 2. Gilded Cunt 3. Dusk And Her Embrace 4. The 13th Caesar 5. The Principle Of Evil Made Flesh 6. Honey And Sulphur 7. Under Huntress Moon —dodatek— 8. Cthulu Dawn 9. Cruelty Brought Thee Orchids 10. From The Cradle To Enslave
Bildergalerie










































