The Moody Blues: Keys of the Kingdom
Erscheinungsdatum: 01.07.1991
Label: Threshold
Produktion: Tony Visconti, Christopher Neil, Alan Tarney
Länge: 53:02
Genre: Progressive Rock/Pop Rock
Bewertung: 5.5/10
Mit »Keys of the Kingdom« erlitten die Progressive-Rock-Legenden The Moody Blues, die in den Achtzigern zu den Pop-Rock-Lieblingen der sog. MTV-Generation mutierten, zum ersten Mal in ihrer langen und ereignisreichen Karriere einen echten kommerziellen Rückschlag – kein einziger großer Hit wollte sich einstellen. Als Kandidat für diesen Titel war der Opener »Say It with Love« mit Sänger und Gitarrist Justin Hayward am Lead-Gesang vorgesehen, der kommerziell jedoch weit hinter den Erwartungen blieb. Musikalisch begannen die Moodies langsam und zaghaft in rockigere Gewässer zurückzukehren, obwohl Graeme Edges Schlagzeugpart noch immer größtenteils von einer Drum-Machine dominiert wurde – typisch für die Achtziger.
Als positiver Schritt erwies sich die Rückkehr der Flöte von Ray Thomas, der auf dem Vorgängeralbum »Sur la Mer« (1988) komplett gefehlt hatte, obwohl er noch immer offizielles Mitglied der Band war. Thomas glänzte als Leadsänger und Flötist auf »Celtic Sonant«, einem der besseren Momente dieses sonst reichlich durchschnittlichen Albums, das meilenweit von dem entfernt war, was die Moodies in ihrer besten Zeit erschaffen hatten – und trotzdem noch immer eher Pop Rock als Progressive Rock.
Ein klarer Fehler war die Entlassung des langjährigen Keyboarders Patrick Moraz (ex-Yes), mit dem sie sich später sogar vor Gericht stritten und den sie von allen Gruppenfotos auf späteren Wiederveröffentlichungen alter The Moody Blues-Alben entfernten. Moraz spielte als Gastmusiker nur auf drei Tracks von »Keys of the Kingdom«, die restlichen Keyboards und orchestralen Arrangements übernahmen verschiedene Aushilfsmusiker. Nach Moraz‘ Abgang hatten die Moodies nie wieder einen festen Keyboarder, sondern setzten fortan nur noch auf Gelegenheitsmusiker – was sich später als eine der größten Schwachstellen ihres neuen Sounds herausstellte.
Über den Rest der Tracks auf »Keys of the Kingdom«, die sich strukturell größtenteils ähneln, gibt es nicht viel zu sagen – sie werden dominiert von arrangementtechnisch meist recht schlichtem Melodic Rock mit gelegentlichem symphonischem Unterbau und synthetischen Rhythmen, während bei den Lead-Vocals wie gewohnt die beiden Hauptstimmen wechseln, also Hayward und Sänger/Bassist John Lodge. Letzterer ist vor allem auf inhaltlich leeren AOR-Liebesballaden aktiv, wie etwa »Lean On Me (Tonight)« und »Shadows on the Wall«. Dazu dominieren langsame Rhythmen, wie etwa beim Schlaflied »Is This Heaven«. Gelegentlich tauchen auch tragikomische Anomalien auf, wie das Disko/Pop-Rock-Hybrid »Say What You Mean (Parts I&II)«, das dermaßen anachronistisch geraten ist, dass es fast schon wieder amüsant wirkt.
»Keys of the Kingdom« gehört zu jenen ’späten‘ The Moody Blues-Alben, die für Fans des Progressive Rock nahezu völlig uninteressant sind und nur seltene Momente bieten, in denen die alte atmosphärische Magie aufleuchtet, die einst eine der innovativsten Rockgruppen ausgezeichnet hat. Die allgemeine Mittelmäßigkeit und Blutleere von »Keys of the Kingdom« konnte auch die solide Koproduktion des renommierten Tony Visconti nicht retten, der damit letztmalig mit der legendären englischen Band zusammenarbeitete, der es chronisch an frischen Ideen mangelte. Leider verbesserte sich die Lage für die Moodies in den Neunzigern, was Studioalben betrifft, nicht – »Strange Times« (1999) war noch langweiliger als »Keys of the Kingdom«.
Autor: Peter Podbrežnik
Tracklist:
1. Say It With Love (3:55)
2. Bless The Wings (That Bring You Back) (5:10)
3. Is This Heaven? (4:04)
4. Say What You Mean Pt. 1 & 2 (5:37)
5. Lean On Me (Tonight) (4:56)
6. 5. Hope And Pray (5:03)
7. 6. Shadows On The Wall (5:06)
8. 7. Once Is Enough (4:02)
9. 8. Celtic Sonet (5:00)
10. 9. Magic (5:12)
11. Never Blame The Rainbows For The Rain (4:57)
The Moody Blues:
Justin Hayward – Gesang, Gitarre
John Lodge – Gesang, Bass-Gitarre
Ray Thomas – Gesang, Flöte
Graeme Edge – Schlagzeug, Perkussion
Gastmusiker:
Patrick Moraz – Keyboards auf „Say What You Mean“, „Celtic Sonant“ und „Magic“
Bias Boshell – Keyboards, Drum-Machine
Paul Bliss – Keyboards, Drum-Machine
Nigel Hitchcock – Altsaxophon
Jamie Talbot – Tenorsaxophon
Pete Beachill – Posaune
Guy Barker – Trompete
Andy Duncan – Schlagzeug auf „Is This Heaven?“ und „Magic“