14. Weihnachtskonzert in Postojna, diesmal ganz im Zeichen des Pop-Rock! (2007)
Konzertdatum: 25.12.2007
Besucherzahl: 25
Ticketpreis: 3000
ROCK SHOCK
Christkind, Weihnachtsmann oder Väterchen Frost, die guten Feen haben uns zur Eröffnung des traditionellen Festivals in Postojna eine Sensation beschert: die Youngster von Rock Shock. Die aufstrebende Hardrock-Truppe, die übrigens schon seit 2001 tritt und quietscht, setzt ihre Hoffnungen klugerweise und ohne einen Funken Scham auf eigenes Material, das die Jungs mit einer überraschend souveränen Version von Hold The Line von Toto krönten! Trotz der verständlichen Nervosität, die wohl auch daher rührte, dass sie sich erst nach und nach an Auftritte bei großen Veranstaltungen gewöhnen, merkt man Rock Shock die Jahre musikalischer Aktivität auf Schritt und Tritt an. Gesanglich wie spielerisch ein ausgezeichneter Auftritt einer Band mit großem Potenzial und Charisma, der trotz des für einen „Vorläufer“ verständlich knappen Zeitrahmens (die Jungs durften nämlich nur vier Songs spielen) einen hervorragenden Eindruck hinterließ und uns mit großen Erwartungen auf mehr warten ließ. Nur mutig weiter so, Jungs!
Text zu Rock Shock: Daniel Pavlica
PAIN IN THE ASS
Nix zu holen! Es ist allgemein bekannt, dass heutzutage überall und praktisch jedem Scheiße in allen möglichen Farbschattierungen passiert. Diesmal ist selbst Postojna dem scharfen Geruch echter heimischer Kacke nicht entkommen! Denn wenn man glaubt, schon alles gesehen zu haben, und einem dann plötzlich Pain In The Ass passieren, wird der Sinn von Meinungsfreiheit, Bewegungsfreiheit, kurz: auch des Rechts aufs Atmen, wieder zu einem der aktuellsten Themen der postkommunistischen Ära. Horror hoch zehn! Ein Haufen von vier Affen, strategisch rasiert und nachträglich in Lumpen von höchst zweifelhafter Herkunft gewickelt, kommandiert von einer wie irre herumhüpfenden Kreatur mit gespickter Haartracht, ist definitiv einer der schwachsinnigsten Versuche, den Begriff der Kunst des musikalischen Ausdrucks zu definieren. In einem knappen halbstündigen Tanz zweitklassigen Zirkuskabaretts bekamen wir impotentes und völlig ausdrucksloses Um-sich-Spucken in alle Richtungen zu sehen, typisch für verwöhnte, vor Egozentrik strotzende Gymnasiasten-Kids, obendrein gefüllt mit einer schwer verständlichen Auswahl an Coversongs zweifelhafter Qualität. Sweet Dreams, Bandiera Rossa und Lep Dan Za Smrt sind offenbar die Hauptasse von Pain In The Ass, neben denen jede noch so gefühllose Form analer Penetration wie ein Picknick im Grünen wirkt!
Text zu Pain In The Ass: Daniel Pavlica
BILLYSI
Endlich kam auch der Moment für den Auftritt der bei Legionen noch unbefleckter Teenager stets herzlich aufgenommenen Billysi. Die Band, die unlängst vor radikalen Liposuktionseingriffen in die Knie gegangen ist, verzaubert derzeit mit ihrem neuesten Produkt Magia das slowenische Land. Billysi sind vor allem aus experimentell-stilistischer Sicht ein interessantes Musikprodukt, das in seinem Konzept neuerdings eine geschmacklose Mischung aus Modelei, leicht ansteckenden Refrains, erstklassigem Posertum und am Ende erstaunlicherweise sogar Rock & Roll vereint. Trotz der erwähnten Veränderungen bleibt das größte Ass der Band natürlich der kristallklare, engelsgleiche Gesang von Urška Majdič, die erwartungsgemäß erfolgreich die Stimmung der Jugend von Postojna anheizte. Die revanchierte sich mit folgsamen Reaktionen auf die altbekannten BPP-Motive, über denen die neueste Single Hello Hello thronte. Hundertmal gehört, vorhersehbar, um nicht zu sagen sogar langweilig und ohne irgendwelche Höhepunkte.
Text zu Billysi: Daniel Pavlica
LUNN-A-PARK
Wir bleiben also beim geleckten und ziemlich radiotauglichen Pop-Rock. Lunn A Park, die hochfliegende Hoffnung der slowenischen Rock-Avantgarde, halten sich ähnlich wie zuvor Billysi an die Formel simplen Schlager-Radaus, diesmal zur Abwechslung mit einer Prise mehr Sexappeal bzw. Erotik. Die planmäßige Eskalation davon, die nach alter slowenischer Tradition vor allem Sache des attraktivsten Bandmitglieds sein soll, nämlich Sängerin Apolonija, stürmt zwar mühsam an allen Pop-Rock-Fronten voran, aber leider fehlt es ihnen für ein greifbareres Klangfeuerwerk trotzdem an echtem Charakter, weshalb folglich auch die so ersehnte Besonderheit ihres musikalischen Ausdrucks leidet. Die bleibt trotz aller Mühen und Anstrengungen mehr oder weniger unerreichbar. Kein Wunder also, dass wir am Dienstagabend im „Luna Park“ statt der heiß ersehnten Rock-Ausschweifung Zeugen einer wenig erschütternden Präsentation des neuesten Werks der Band wurden, des kürzlich erschienenen Albums AREA, dessen Hit Črn Oblak bereits die Spitze der meisten slowenischen Charts erobert hat. Nach dem, was man gestern gesehen hat, nicht im Geringsten überraschend!
Text zu Lunn-A-Park: Daniel Pavlica
FORGOTTEN EDEN
Sieh mal einer an! Nach dem unbeschwerten Pop-Rock-Gehopse wartete ein Zeitsprung tief in die Achtziger des vorigen Jahrhunderts auf uns (wie gruselig das klingt, oder?). Eine Art Retro-Reise durch eine für die heutige Jugend, glaube ich, überwiegend unbekannte (lies: uninteressante) Epoche, inszeniert von heimischen Hair-Metal-Kriegern namens Forgotten Eden, war sicher einer der interessanteren Auftritte des Abends. Imposante Riffs, pompöse und volksnahe Refrains, abgerundet mit einer Glasur aus typisch kitschiger Garderobe, sorgten für den ersten einer Mini-Serie ernsthafterer Temperaturanstiege, natürlich vor allem dank der Erschütterungen durch die allseits bekannten Jump, Here I Go Again und die etwas weniger konventionelle, aber umso willkommenere Long Live Rock & Roll! Solche und ähnliche, durchaus mutige Spielereien mit der Rock-Ikonografie lassen erwartungsgemäß reichlich Raum für Zweifel, wenn schon sonst nichts, dann zumindest bei der gesanglichen Interpretation. Die Achillesferse der Band ist außerdem das Fehlen eigenen Materials, auf dem sich das Bild von Forgotten Eden vollständig ausformen ließe. Ein einziger, einsamer Versuch, mit eigenem Material das Eis zu brechen, nämlich It’s My Love, mit der die Jungs die einmalige Chance für einen Videodreh nutzten, ist nämlich viel zu wenig, um die reale Reichweite der Band ernsthaft einschätzen zu können.
Text zu Forgotten Eden: Daniel Pavlica
MARY ROSE
Zeit für Rock & Roll! Der Auftritt unserer großen Freunde von Mary Rose ist, wie die vorherigen Worte schon andeuten, immer ein heiß ersehntes Abenteuer. Völlig zu Recht! Mary Rose bleiben nämlich die führende Rockband Sloweniens, und zwar mit beträchtlichem Vorsprung vor der Konkurrenz, was sie schließlich auch mit dem energisch durchgezogenen und bis ins letzte Detail geschliffenen Auftritt in Postojna bestätigten. Mit dem jüngsten Abgang des langjährigen Mitglieds Davor hat die Band zwar ein gutes Stück ihrer ursprünglichen Wucht eingebüßt, aber Mary Rose lassen sich davon offensichtlich nicht aus der Ruhe bringen. Und das ist letztlich auch gut so! Die schlagkräftige Setlist, bis in den letzten Winkel ausschließlich mit stark angelegtem Eigenmaterial des einzigartigen Feniks gefüllt, bildet mit Unterstützung der unverwüstlichen Žak und Eki einen kompakten, unaufhaltsamen Rock-Eisbrecher, der in der Zurschaustellung mutwilliger Zerstörungslust auch in so sentimentalen Momenten wie bei Najdražja nicht nachlässt. Mary Rose sind definitiv die Gewinner des diesjährigen Weihnachts-Rockfestivals. Kralj Za Eno Noč, Izgubljen v Času, Akcija und Sam waren die Perlen, die jede Konkurrenz gewissenlos wegfegten, was klar auf die außergewöhnliche Form der Band hindeutet, die die Jungs hoffentlich bald mit der Veröffentlichung eines neuen Albums krönen werden!
Text zu Mary Rose: Daniel Pavlica
DIVLJE JAGODE
Eine ganz eigene Steigerung der ohnehin schon elektrisierten Stimmung folgte mit dem nostalgisch gefärbten Auftritt der legendären Divlje Jagode. Der begann mit etwas langweiliger Gitarrendressur durch die treibende Kraft der Band, Zele Lipovača, die anfangs nicht im Entferntesten ahnen ließ, dass gleich eine Begeisterungsexplosion folgen würde. Aber keine Sorge. Ein paar Anfangstakte des guten alten Autostop genügen, und die Halle fliegt in Stücke. Als hätte jemand das letzte verfügbare Viagra in eine Horde sündenhungriger NSi-Wähler geworfen! Divlje Jagode haben ihn ohne besondere Anstrengung runtergesägt, routiniert und souverän, wie es sich für Legenden gehört. Die Herren können’s eben. Das unersättliche Schnappen des Publikums nach scharf servierten „Waldfrüchten“ erreichte seinen Höhepunkt mit dem Gastauftritt von Žak, dem offensichtlich bestens gelaunten alten Bekannten der Jagode. Das Delirium, das auch dank ihm von den kompromisslosen Divlje Jagode und dem heute schon echten Biker-Evergreen Motori entfacht wurde, hob dann verständlicherweise ein letztes Mal an diesem Abend das Dach der Sporthalle von Postojna. Bombastisch, da gibt’s nichts…
Text zu Divlje Jagode: Daniel Pavlica
OMAR
Der Abend lief danach ziemlich lässig zu den Klängen von Omars Kareem weiter. Der Junge hat das Konzert mehr oder weniger zur Promotion seines neuen Albums auserkoren, das vor knapp einem Monat erschienen ist. Leider ist das Album seinem Debüt ziemlich ähnlich, und mit diesem Schritt hat er absolut nichts Neues gezeigt. Das merkte man auch an der feiernden Menge, denen war es egal, wer auf der Bühne steht, Hauptsache die Mucke ist laut und sie sind mit einem Bier in der Hand glücklich. Ich will gar nicht erwähnen, wie viele Leute die Halle verlassen mussten, weil ihnen der Alkohol die Gehirnzellen ein bisschen zu sehr geflutet hat. Omar begeisterte vor allem mit alten Hits, aber mich persönlich hat er leider auch damit nicht überzeugt. Seine Musik fühle ich einfach nicht, der Junge singt völlig emotionslos, selbst beim Talentwettbewerb war er deutlich besser! Noch paradoxer wird es, als der Junge zwei Balladen spielte und dann sagte: „Jetzt ist genug mit Balladen und Geheule!“ Tja, da hat er sich selbst in die Suppe gespuckt! Ganz zu schweigen davon, dass er das Album anpreist wie eine Marktfrau ihren Salat. Der Sound in der Halle während seines Konzerts war solide, immer noch nicht top, aber verglichen mit den Bands, die vor ihm gespielt haben… Am meisten warm lief die Menge, als die inzwischen legendären Gitarrenriffs von „Basket Case“ von Green Day erklangen. Das Feiern in der Halle ging einfach weiter, es wurden von Minute zu Minute mehr Betrunkene, leider gab es keinerlei weihnachtliche, geschweige denn echte Rocker-Stimmung. Ehrlich gesagt konnte ich es kaum erwarten, dass Omar die Bühne verlässt (angesichts dessen, dass vor ihm wirklich enorm viele Bands gespielt haben und mir davon sogar zwei gefallen haben). Schade, Omar, da wartet noch viel Arbeit auf dich, wenn du wirklich mit Musik dein Brot verdienen willst!
Text zu Omar und Kareem: Špela Macuh
DAN D
Es folgte die Band Dan D. Wer kennt sie bei uns nicht? Vielleicht ist es ein bisschen ungewöhnlich, dass sie das Album „Katere barve je tvoj dan?“ schon 2004 veröffentlicht haben und immer noch so beliebt sind. Die Herren haben sich einen Namen gemacht, Respekt verdient und den Großteil des Publikums auf ihre Seite gezogen. Als sie zu spielen anfingen, strömten die Leute massenhaft in den Parterre-Bereich, wahrscheinlich haben viele den ganzen Abend nur auf Dan D und sonst niemanden gewartet. Sie reihten einige ihrer Hits aneinander: „Plešeš“, „Roke“ und „Počasi“. Ein Ende des Feierns in der Halle war nicht abzusehen, letztlich sind Dan D auf der Bühne wirklich überzeugend (vor allem im Vergleich zu den vorherigen Acts). Auch ihr Sound war sehr solide. Eine Sache finde ich allerdings irre lächerlich. Man findet bei uns kaum einen Musiker ohne eigenen Roadie, wenn das nicht der Gipfel der Verwöhntheit ist, dann weiß ich auch nicht. Ist es wirklich so schwer, eine Gitarre auf die Bühne zu tragen, schnell zu stimmen und ein Kabel reinzustecken? Na ja, egal, Tokac hat mit seinen Kumpels bewiesen, dass man einen Auftritt schön über die Bühne bringen und die rockhungrige Menge füttern kann.
Fazit des Festivals? Viele slowenische Bands, aber ziemlich wenig Rock’n’Roll!
Text zu Dan D: Špela Macuh
Setlist
ROCK SHOCK PAIN IN THE ASS BILLSY LUNN-A-PARK MARY ROSE DIVLJE JAGODE OMAR DAN D CRUSH