Biker-Treffen – Moto susret MK Staaari Rokeri Umag 11.05.2007 – 13.05.2007
Konzertdatum: 13.05.2007
Besucherzahl: 1205
Ticketpreis: 8000
Der Besuch des geschätzten Herrn John Lawton in unseren Gefilden, noch dazu in Umag mit echtem Küstenflair, begann und endete ausgesprochen abenteuerlich. Das Ganze stand im Zeichen der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit für vier Leute, denen mitten in Koper das Auto verreckt ist.
Fröhliche Versammlung von Liebhabern der stählernen Rösser, der Duft ätherischer Kiefernöle vermischte sich mit dem der Benzinverbrennung und waberte überall hin, Motoren wurden hochgejagt, die Mode-Eigenheiten dieser ganz speziellen Moto-Kultur,… reizvolle Fetische. Immer wieder.
Kurz nach sieben am Abend haben wir es dann doch geschafft. Natürlich haben wir uns zuerst nach einem Ort für die dringendsten Bedürfnisse umgesehen, die das normale Funktionieren jedes Organismus sicherstellen. Zum Einstieg haben wir auch kurz bei der Bühne vorbeigeschaut, als gerade Žak, der Sänger von Mary Rose, aus dem „Backstage“ den Kopf streckte. Er kam uns höflich begrüßen, wir haben ein paar Worte gewechselt, und dann marschierte er gut gelaunt auf die Bühne, während die Jungs der ersten Band, die an diesem Abend auftreten sollte, gerade ihren Soundcheck („Šmungo“) hatten. Sie spielten sich auf Heading Out To The Highway (Judas Priest) ein, und Žak steuerte freiwillig ein paar ausgezeichnete „Halford-Screams“ bei und hatte dabei jede Menge Spaß. Danach folgte der lange Weg zum kühlen Bier. Zurück zur Rezeption im Stellamaris, um Geld zu wechseln (erst mal die Rezeption finden), dann spezielle Bons kaufen (erst mal die Verkaufsstelle für die Bons finden) und schließlich zum Bier, das wir natürlich sofort gefunden haben, was uns allerdings kein bisschen geholfen hat.
Es war deutlich nach acht. Auf der Bühne ging es fröhlich zur Sache mit Judas Pirest, an sich ziemlich würdigen Meistern der Retrospektive. Songs wie Nightcrawler, Metal Gods, Heading Out To The Highway,… Was willst du mehr. Diese Musik gehört genau auf solche Biker’s-Festivals, und Nostalgie schwingt auch noch mit. Die Show eröffneten sie gleich mit Hellion/Electric Eye, und auch You’ve Got Another Thing Coming durfte nicht fehlen,… Der Platz vor der Bühne war fast komplett leer, nur ein paar einsame, aufgeheizte Köpfe schüttelten sich hin und her und wirbelten am Bühnenzaun Staub auf. Die Jungs würzten das Konzert außerdem mit ein paar Iron-Maiden-Nummern, da waren Wicker Man und das überraschende Waysted Years, das bewies, dass es leichter ist, den höchstmöglichen „Halford-Scream“ zu stemmen (Hut ab vor dem Sänger in diesem Fall), als im Refrain dieses Iron-Maiden-Klassikers Dickinson zu singen, wo dem Sänger übel die Luft ausging, als er in die „Höhen“ hätte aufsteigen müssen. Die Jungs legten noch eine sehr melodische Version von Creeping Death (Metallica) nach und überraschten auch mit Out In The Fileds (Gary Moore), das in ihren Händen natürlich sehr nah an der Coverversion des Stücks von Primal Fear (Power Metal, Deutschland) klang. Dazu kam eine ziemlich missglückte Version des Purple-Klassikers Highway Star, gefolgt von einem überzeugenderen Burn. Beide Songs zeigten, dass Metaller den Hard Rock der Siebziger nicht hinbekommen. Nicht, dass sie ihn technisch nicht draufhätten, sie bringen ihn einfach nicht. Sie sind zu „überdreht“, wenn ihr versteht, was ich meine. Kurzum, in einer Stunde haben sie eine tolle kleine Auswahl an anspruchsvollen bis mittelschweren Sachen für die Heavy-Metal/Hard-Rock-Klientel der Achtziger reingepackt. Wenn ich auch noch den Namen dieser sehr vielversprechenden Truppe mitbekommen hätte, wäre der Sieg perfekt gewesen!
Es folgte eine „A Tribute To“-Jimi-Hendrix-Band. Eine Stunde Programm auch für sie. Der Sänger erinnerte vom Aussehen her an Hendrix. Ja, ihr habt richtig gelesen. Dichtes, kohlschwarzes Lockenhaar, selbst die Gesichtszüge auf den ersten flüchtigen Blick,… dabei dürr wie irgendein Phil Lynott. Okay, jetzt übertreibe ich schon. Natürlich ging es diesmal um Hendrix (Purple Haze, Fire, All Along The Wachtower,…). Interessant dabei: Hey Joe, Voodoo Chile und Ähnliches haben sie links liegen lassen, dafür kam auch Led Zeppelin nicht zu kurz. Zehn Uhr abends. Leute tauchten aus dem Nichts vor der Bühne auf. Aber die Zelte waren immer voller mit Konsumenten diverser Flüssigkeiten und Speisen, besonders die weiblichen Vertreterinnen taten sich hervor, die südlich von Slowenien stets die ersten Plätze abräumen, wenn man solche weiblichen Besetzungen mit denen nördlich von Slowenien vergleicht (z. B. beim Harley-Davidson-Festival in Faak am See, Österreich). Da gibt es nichts. Wohin du auch den Kopf gedreht hast, gab es etwas Interessantes zu sehen. Das Bier floss, die Minuten vergingen, und um 23.00 Uhr kam endlich das, wofür wir nach Umag gekommen waren.
Sich an guten alten Uriah Heep sattzuhören. Dafür sorgte der legendäre Onkel John Lawton, Mitglied der Band in der Ära der Alben „Firefly“ (1977), „Innocent Victim“ (1977) und „Fallen Angel“ (1978), außerdem kann man den Mann auch auf dem Livealbum „Live In Europe ’79“ (1986) singen hören. Kurzum, ein Herr, der Stil und Sound der Band in der zweiten Hälfte der Siebziger entscheidend beeinflusst und maßgeblich umgeformt hat. John Lawton begeistert auch heute noch erfolgreich alte Schwärmer mit seinen Heep-Klassikern, die man zu einem Wortspiel zusammenbauen kann: das „Uriah John Lawton Heep“-Repertoire, oder etwas, das auf der Bühne nur John Lawton zum Leben erwecken kann. Würdig. Auch heute noch, im Jahr 2007.
Um 23.00 Uhr ging es mit The Hanging Tree („Firefly“, 1977) los. Auf der Bühne standen mit John Lawton niemand Geringeres als unsere ausgezeichneten Hard Rocker von Mary Rose, mit Kommandant Eki an der Gitarre ganz links von uns aus gesehen, im Hintergrund fehlte auch Sänger Žak nicht, der sich um die Wiederbelebung von Hensleys höchste Gesangspassagen kümmerte, hinter ihm der hervorragende junge, vielversprechende Schlagzeuger Jure Doles, der aufgeheizte Mitja Kobal am Bass, rechts von ihm der unentbehrliche Orgler Davor Kastelec, bewaffnet mit einer klassischen B3-Hammond, in die Kobal sein Bier stellte, kaum dass er auf die Bühne gekommen war (vorsichtig, als würde er ein Kind in die Wiege legen)… und in der Mitte und im Vordergrund natürlich John Lawton.
Diesmal hat er keinen Regen mitgebracht, wie schon zweimal hintereinander in Hruševje (Postojna), das heuer leider brachliegt und wo wir deshalb ohne Biker’s-Festival dastehen werden. Die Jungs als Ganzes waren bestens aufgelegt. Žak hat als erprobter Schauspieler zur Dynamik des Konzerts beigetragen. Mary Rose sind im Uriah-Heep-Repertoire völlig zu Hause. Daran gibt es keinen Zweifel. Aber da ist was. Lawton hat diesmal auch drei Stücke aus seiner Solokarriere in die Setlist aufgenommen. Gleich nach The Hanging Tree folgte Take You High („Sting In The Tail“, 2003). Ein ausgezeichneter, druckvoller „Hardrocker“, bei dem sich die Haare aufstellen, stark in Richtung etwas, das auch die guten alten Uriah Heep zusammen hätten hinkriegen können. Dann zurück zu Heep mit dem kokett wirkenden Stealin‘ („Sweet Freedom“, 1973), und wieder zu „Sting In The Tail“ mit einem weiteren großartigen Albumstück, Reach Out. Mit dem sechsten Song nahmen die Jungs das Feuer raus und machten sich an The Wizard („Demons And Wizards“, 1972). Lawton ist der geborene Anführer! Die ganze Zeit hatte er das Geschehen auf der Bühne im Griff, genauso wie das vor der Bühne. Das Publikum vor der Bühne erwies sich nicht gerade als der große Kenner des Uriah-Heep-Repertoires,… alle waren in erster Linie zum Feiern gekommen. Aber John hat sie mit einer Portion Routine und Erfahrung, die er sich in seiner Musikkarriere angeeignet hat, bestens angeheizt. Wie im Schlaf. Dann die Überraschung mit Payin My Dues To The Blues („Still Payin My Dues To The Blues“, 2000), und danach bis zum Schluss nur noch Uriah Heep. Der Uriah-„John Lawton“-Heep-Song Come Back To Me (Firefly, 1978) war der Moment, von dem ich im oberen Teil des Berichts gesprochen habe. Etwas, das eben nur John Lawton hinbekommt. Mary Rose die ganze Zeit voll dabei, mit Lawton und natürlich mit dem Publikum. Die Jungs waren heiß. Danach brodelte die Bühne bei I’m Alive („Fallen Angel“, 1978), das in der Setlist She’s Gone („Still Payin My Dues To The Blues“, 2000) ersetzte, dann Sympathy („Firefly“, 1977) und zum Abschluss eine ausgedehnte Version von Free Me („Innocent Victim“, 1977), in die eine „Jam“ der Band eingebaut war. Es war fünf Minuten nach Mitternacht, als die Jungs zum Erstaunen aller „Vielen Dank und gute Nacht“ sagten. Hallo?
Hallo, halloooo,… hört man uns? Kommt ihr vielleicht noch mal zurück? Aha, sie sind tatsächlich wieder auf die Bühne gekommen. Es folgte eine halbstündige Zugabe! Ihr werdet es nicht glauben. Für lächerliche drei Songs. Unerhört. Lady in Black und Easy Livin‘ kamen zusammen auf überschallschnelle 15 Minuten echtes, galaktisch ausgewalztes Jenseits. Die Leute waren allerdings schwer beschäftigt, denn Lawton hat sie erfolgreich aufs Nebengleis geführt und zum gemeinsamen Singen animiert, da blieb keine Zeit, andere Dinge zu analysieren. Und die nächsten 15 Minuten waren für Gypsy reserviert. Darin spielte nacheinander jeder sein Solo (mit Ausnahme von Eki). Hier hat Kobal das Publikum so angeheizt, dass er den Bass hinter den Rücken schwang und den Refrain-Riff des Songs Motori (Divlje Jagode) spielte, und das Volk fing, als hätte jemand auf einen speziellen Hypnoseknopf gedrückt, sofort aus voller Kehle an zu singen: „Mo-tori, mo-tori, mo-to-ri,…“ Das Weckerlebnis ging erfolgreich weiter, als wir Gourmets unerwartet unsere paar Minuten bekamen. Davor Kastelec sorgte auf seiner Hammond für eine ordentliche Dosis Witz (nur der Schraubenzieher, in die Tastatur gerammt, fehlte). Da war Dvořák, da waren The Nice,…
Auf der Bühne wieder alle im Jam und am Ende noch Lawton zum Abschluss von Gypsy. Routiniert. Und unglaublich, diese halbstündige Zugabe. Ich war ehrlich sauer. Mindestens drei Uriah-Heep-Nummern hätte man in den regulären Teil quetschen und dafür die Zugabe kürzen können. Man muss gar nicht lange suchen, welche Songs. Die gibt es wie Sand am Meer, wie Laub und Gras, schließlich reden wir hier von Uriah Heep, und die Siebziger sind für sie makellos, was das Werk betrifft.
Nach dem Konzert hat Lawton die Fans, die ihn begrüßen wollten, freundlich empfangen, und uns hat er natürlich auch nicht vergessen und uns zehn Minuten für ein Interview gewidmet. Was Freundlichkeit angeht, kommt ihm kaum jemand gleich, ein großer Gentleman in jeder Hinsicht, ein echter Engländer! Aber ohne Mary Rose wäre natürlich alles nichts gewesen. Die haben auf der Bühne gezeigt, dass sie noch für mindestens eine ganze Stunde Energie gehabt hätten. Es hat sie fast zerrissen, sie haben gemeinsam alles durcheinandergewirbelt. Aber der Chef hat nun mal ein Limit gesetzt, sodass man in der Umsetzung noch eine ganze Menge Reserve gespürt hat. Also Hand aufs Herz: Wenn Lawton öfter ähnliche Auftritte in Europa veranstalten und seine persönliche Konzertform steigern würde, versteht mich nicht falsch, stimmlich ist der Mann in der Darbietung noch immer völlig würdig erhalten, und mehr Zeit in den Feinschliff der Auftritte stecken würde, bekämen wir bestimmt zwischen 17 und 20 Songs insgesamt. Sicher aber würde er mit einer Politik, mehr kürzere und kompakt abgegrenzte Nummern einzubauen, für mehr Ordnung während des Konzerts sorgen, statt dass die Musiker zu Jams und Soli Zuflucht nehmen müssen, die nicht viel bedeuten, nur damit sich die Leute nicht beschweren, das Konzert sei zu kurz. An die erinnert sich nach dem Konzert niemand. Was bleibt, sind die Songs, die sind ewig. Natürlich war die Stimmung locker und die Jungs hatten sichtlich Spaß, aber wenn es eine größere Ordnung gibt, wenn man genau weiß, was jede Minute auf der Bühne passiert, kann es von solcher Lockerheit sogar noch mehr geben, und die Konzerte würden die Zuhörer vor der Bühne noch mehr sättigen.
Setlist John Lawton (Umag, 2007):
1. The Hanging Tree
2. Take You High
3. Stealin‘
4. Reach Out
5. The Wizard
6. Payin My Dues To The Blues
7. Come Back To Me
8. I’m Alive
9. Sympathy
10. Free Me
—Zugabe—
11. Lady In Black
12. Easy Livin‘
13. Gypsy
Weil wir bei der Rückfahrt „gehandicapt“ waren, haben wir natürlich jede erdenkliche Option für die Heimreise abgeklappert. Schade, denn gerade da war das Festival so richtig in Fahrt gekommen. Auf Razvaline (Mitglieder der ehemaligen Requiem) konnten wir deshalb leider nicht mehr warten! Während des Interviews mit Lawton, vom Interviewen entbunden, konnten wir die Striptease-Einlagen zweier sich entkleidender Mädels verfolgen, während hinter ihnen Razvaline die Bühne für ihren Auftritt vorbereiteten. Ich hoffe, bei diesen Aussichten auf die nähere Umgebung haben ihnen nicht zu sehr die Hände gezittert. Ich selbst habe die Zeit lieber genutzt, um mich von allen Mitgliedern von Mary Rose zu verabschieden und mich besonders für die Einladung zu bedanken, ebenso beim Festivalveranstalter. Eine außergewöhnliche Stimmung, die du natürlich nur auf einem Biker’s-Festival erleben kannst, an einem tollen Veranstaltungsort am Meer, der es wert ist, jedes Jahr besucht zu werden. Na ja, vielleicht könnte man nächstes Jahr mit einem großen „Headliner“ noch mehr Biker nach Umag locken. Unseren Helden Lawton sehen wir dieses Jahr übrigens noch auf dem Rock Otočec, wenn er am 07.07.2007 mit Mary Rose auftritt. Bleibt also dran!
Setlista
Freitag 11.05 Under Down (slo) No Problem Band (hrv) Zabranjeno Pušenje (BIH) Samstag 12.05 Voodoo Experience (hrv) Razvaline (slo) John Lawton & Mary Rose
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