10. internationales Motorradtreffen 11 – 13. August 2006 und Rock-Festival Hruševje bei Post

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Ort: Hruševje (Postojna) / Steinbruch / Slowenien
Konzertdatum: 17.08.2006
Besucherzahl: 1208
Ticketpreis: 1000

Manchmal schlägt das Wetter eben richtig fies zu und mischt die Karten neu, und zwar genau dann, wenn es nicht mal in den wildesten Träumen eines Erdenbürgers passieren dürfte. Aber an die Sturheit und den Glauben der Veranstalter des „10. Biker’s“-Festivals in Hruševje bei Postojna kommt einfach kein noch so unbezwingbar scheinendes Hindernis ran. Ich war platt wie eine „Konservendose“, Tiefdruck und tagelanger Regen raubten mir die Lust auf alles, was nach dem Verlassen der heimischen Türschwelle roch. Trotzdem ließ mir der Gedanke an Johns Lawtons Besuch in Slowenien keine Ruhe. Gegen 17.30 Uhr „tuckerte“ ich in den Steinbruch, wo mich Dragan erwartete, sonst Chef der Band Outsider und „Ko-Organisator“ des Festivals. Ein Typ, der fast platzt vor lauter Ideen und Schaffensdrang, vor allem aber hat er ein großes Herz, und das ist die Hauptsache. Der führte mich gleich zur Eminenz – Mr. John Lawton, der sich im „Stabszelt des Backstage“ gerade auf das Aufwärmen bzw. den Soundcheck mit den slowenischen „Hard Rockern“ Mary Rose vorbereitete, die John als Begleitband für seinen Auftritt in Hruševje ausgesucht hatte. Gerade als Dragan und ich uns der Bühne näherten, jodelte jemand von oben den Song Hocus Pocus (Focus). Steht da etwa Thijs Van Lehr auf der Bühne? Nein, nein! Das ist Davorin Žorž, Sänger der Band Firebird, der zusammen mit Mary Rose den Bühnenauftritt des legendären John Lawton begleiten wird. So mies war das Wetter schon lange nicht mehr wie heute Nacht. Brrr… Nach ein paar Nummern, die die Jungs mit Lawton auf der Bühne spielten, standen mir echt die Haare zu Berge, und dann rückte auch schon der Moment näher, an dem wir in der nahen Gaststätte bei Bier und nettem Plausch zusammensaßen.

VOODOO: 20.30 – 21.15
Es schiffte gerade wie aus Eimern! Auf der Bühne standen Voodoo. Der „Platz vor der Bühne“ war erschreckend leer. Alle Anwesenden drängelten sich unter den Planen zweier Zelte, schön sicher geschützt und ans Bier gefesselt hingeflezt. Der Anblick war richtig traurig. Trotzdem gaben Voodoo Gas, eröffneten die Show mit Lynyrd Skynyrd und „heißem Räderwerk“ sowie dem süßen Zuhause in Alabama, so gut sie sich eben motivieren konnten unter den ziemlich unangenehmen Umständen, wenn dir auf der Bühne nur der nackte Regen Gesellschaft leistet. Wären so viele Leute da gewesen, wie Regentropfen fielen, dann träumten die Voodoo-Jungs auf der Bühne wohl gerade davon. Leider half ihnen auch ihr Name nicht, den hellen Mond am Horizont herbeizuzaubern! Voodooo sind „Hard Rocker“ und die Besetzung ist ein klassisches Quartett. Sie hatten einen beneidenswerten Sound und bewiesen enormen Mut, besonders als sie sich an Fool For Your Lovin‘ von Whitesnake, Highway To Hell (AC/DC) und Livin‘ On A Prayer (Bon Jovi) wagten. Voodoo sind eine Band, der hoffentlich noch eine glänzende Zukunft bevorsteht. Ich würde sie als Erstes in ein giftiges Motley Crue-„Image“ stecken! Aber das ist schon meine persönliche Note… Hoffen wir, dass bald auch eigenes Material auf ihren Setlists auftaucht, dass die Band schnell weiterwächst, genau wie ihr Selbstvertrauen bei Bühnenauftritten, und dass sie die verdiente Unterstützung aller guten Leute bekommt – auf gut Deutsch: der Rocker. Weiter so, Jungs!

Voodoo-Setlist:
1.) Hot Wheels
2.) Proud Mary
3.) Rokerji
4.) Saturday Night
5.) Whiskey R’N’R
6.) Highway To Hell
7.) Fool For Your Lovin‘
8.) Born To Be My Baby
9.) Ciganka
10.) Livin‘ On A Prayer
11.) Wild Thing
—-Zugabe—-
12.) Tush

OUTSIDER: 21.45 – 23.30
Es folgten die ausgelassenen „Balkan meets the rest of Europe“-Hybrid-Rocker Outsider, die beschlossen hatten, die Leute trotzdem unter den Zeltplanen hervor in den verregneten Himmel zu locken, denn sie starteten in einem deutlich höheren Gang als ihre Vorgänger. Und das auch noch mit für slowenische Ohren vertrauteren Balkan-Melodien, los ging’s mit A i ti me iznevjeri von Bijelo Dugme. Richtig gut tat der lockere Auftritt ihres Frontmanns Miško, so Dragans Künstlername. Der riss ohne Bremse Witze und machte sich herrlich lustig über die Meute, die aus sicherer Distanz immer noch lieber Bier und Pleskavica ihre Aufmerksamkeit schenkte und sich fest an ihre Krüge klammerte. Sein ganz eigenes Repertoire steuerte auch Gitarrist Žika bei, dem im Anfall von Wut und gewaltiger Energie die Gitarrensaite riss. Das nutzten die Jungs geschickt zu ihrem Vorteil und machten sich auf eigene Kosten lustig – ein Zeichen, dass sie die Bühnenshow echt im kleinen Finger haben. Miško zeigte, was den Frontmännern slowenischer Bands eigentlich fehlt. Mehr Mut! Miško ehrte die ersten sechs Besucher, die sich am Zaun (in der ersten und zugleich letzten Reihe) vor der Bühne eingefunden hatten, und spendierte jedem ein großes Bier. Die Jungs „ballerten“ auch zwei urkomische Songs aus eigener Feder raus, nämlich Špela und Hej, nek se čuje, aber erst als der Eröffnungstakt von Ne spavaj mala moja (Bijelo Dugme) erklang, zeigte das Publikum zum ersten Mal mehr Interesse an der Musik von der Bühne. Im Lauf des Konzerts sammelten sich dann doch etwa 100 Leute vor der Bühne, und so richtig in Fahrt kamen sie bei den Klassikern von Divlje Jagode, Kap po kap und Motori. Wahrscheinlich vom jüngsten Whitesnake-Auftritt in Ljubljana inspiriert, wagten sich Outsider überraschend auch an den Deep-Purple-Song Soldier Of Fortune. Weil Delirium ihren Auftritt abgesagt hatten, obwohl sie in Hruševje aufgetaucht waren, konnten Outsider die Bühne nun gleich eine ganze Stunde und drei Viertel länger beackern. So füllten sie ihr längst abgefahrenes Repertoire mit ein paar versteckten Trümpfen auf, die sie aus dem Ärmel zogen, etwa Smoke On The Water (Deep Purple) und Bandiera rossa (Pankrti). Kurz: Das Repertoire war eine Mischung aus allem, was man sich wünschen kann, und Outsider waren genau die richtige Wahl für einen verregneten Tag, denn bei ihrem Tempo vergaßen viele, dass sie nass wurden, und gaben sich dem Feiern vor der Bühne hin. Ein eingespielter Auftritt, wie gesagt! Von allen auf der Bühne ragte Miško spielerisch weit heraus, er erwies sich als geborener Frontmann – ein Sänger, der auf der Bühne mehr Arsch trat als alle anderen Bandmitglieder zusammen. Selbstbewusst, ohne Bremse und ohne jede Angst, und vor allem machte er mit seiner Stimme alles platt, besonders bei der Imitation der Bijelo-Dugme-Vocals, wo er schlicht unfehlbar war. Absolut überzeugend und ein Auftritt, um den man ihn nur beneiden kann!

JOHN LAWTON & MARY ROSE: 00.00 – 01.15
Der legendäre Uriah-Heep-Sänger war schon einen Tag vorher per Flugzeug angereist. Mit Mary Rose gab es also am Vortag gerade mal eine Abstimmungsprobe. John hatte den Jungs vorab per Post die Noten geschickt und ihnen, wie er im Scherz sagte, damit Hausaufgaben aufgebrummt. Mary Rose machten sich fleißig an das Material der großen Uriah Heep. Dass ich Lawton in Hruševje sehen würde? Das hätte ich mir nicht mal im Traum auszudenken gewagt. Und das, obwohl er schon einmal in Hruševje war und ihn der Regen auch diesmal aufhalten wollte. Verdammter Regen. Was für ein Jammer für die Klasse der Bands und ihre Auftritte, denn die Party wäre echt richtig gut gewesen, so wimmelte es von Coverversionen. Es waren so viele, dass sie sich sogar doppelten! Jetzt servierte uns Lawton ganze zehn Uriah-Heep-Covers. Hm, zehn? Jedenfalls hat der Mann seinen Auftritt gekürzt. Es waren einfach zu wenige Leute und es war schon zu spät. So flogen aus der Setlist zum Beispiel Lady In Black und Look At Yourself raus, die wir beim „Soundcheck“ noch hören konnten. Aber Lawton und Mary Rose eröffneten ihr Set traumhaft. Mit Hanging Tree („Firefly“, 1977), einem der atmosphärisch intensivsten Stücke von allem, was Lawton für Uriah Heep gesungen hat. Ziemlich überrascht hat er mit Stealin‘, aber wie wir wissen, zieht es Lawton im tiefsten Inneren eben zum Blues, und von diesem „Feeling“ steckt in Stealin‘ jede Menge drin. Die Jungs funktionierten mit Lawton hervorragend, was heißt hervorragend – bravourös, was ihre Extraklasse bestätigte und die schlichte Tatsache, dass sie für Rock’n’Roll geboren sind! Dann wieder ein Angriff der härteren Gangart mit I’m Alive („Fallen Angel“, 1978), bei dem Davors Hammondorgeln im gemeinsamen Gitarrenriff mit Eki erneut aufbrüllten. Ein Gefühl für Melodie haben Mary Rose mehr als offensichtlich im Blut. Die Band beruhigte die Lage mit The Wizard („Demons And Wizards“, 1972) und schaltete dann mit der metallisierten Free N‘ Easy („Innocent Victim“, 1978) wieder einen Gang höher. Dann verführten sie uns erneut mit der romantischen Ballade Come Back To Me („Fallen Angel“, 1978), einem Stück, das neben Free Me John Lawton als Rocksänger bzw. Uriah-Heep-Sänger wohl am schönsten charakterisiert. Und dann gab’s bis zum Schluss nur noch „Rock“. Also Sympathy („Firefly“, 1977) und weiter mit Easy Livin‘ („Demonds And Wizards“, 1972), wo es dem Volk – den 300 Leuten vor der Bühne – endlich so richtig „brannte“, wie sich’s gehört. Interessant, dass Davor es als Eröffnungsteil des Uriah-Heep-Albums „Live“ (1973) anspielte, nur mit dem Unterschied, dass Uriah Heep dort in Sunrise übergehen, was ich anfangs auch dachte, dass es hier in Hruševje passieren würde. Nun, aus all dieser großen Erwartung wurde („nur“) Easy Livin‘. Für das (zu schnelle) Ende des regulären Teils bot John dem Publikum Free Me („Innocent Victim“, 1978). Die Band sägte es absichtlich härter herunter. Also ein umgezogenes Free Me, und John überließ den Refrain dem spärlichen Publikum, das aber begeistert mitmachte. In der Zugabe begann die Band mit einem vernichtenden apokalyptischen Riff. Gypsy natürlich („Very Eavy… Very Umble“, 1970). Das Intro war originalgetreu wie auf der „Heep“-Studioplatte! So spielen Uriah Heep es live schon lange nicht mehr, sondern springen direkt zum Hauptmotiv des Stücks. Im mittleren psychedelischen Instrumentalteil widmete Lawton ein paar Minuten Davor, sodass der Maestro noch einmal zeigen konnte, wie man eine Hammondorgel bedient, und darauf hinwies, dass es in Slowenien außer ihm niemanden gibt, der den klassischen „Rock“-Orgelsound so gekonnt beherrscht. Dabei gönnte er sich auch ein bisschen von Emersons Glamour, indem er ein Messer in die Tasten rammte und den Ton ein paar Augenblicke laufen ließ, bis er es wieder herauszog. Gypsy war lang gezogen und heiß. Man sah, dass Mary Rose immer noch für heiße Action zu haben waren, aber John hatte genug vom Auftreten und verabschiedete sich entschieden zu früh vom Publikum.

John hat bewiesen, dass er trotz der drei Jahrzehnte, die ihm jährlich aufs Konto gehen, seit er zuletzt mit Uriah Heep gesungen hat, auf einem beneidenswerten Niveau ist. Wo immer er vor der Herausforderung stand, mit der Stimme in nicht mehr (oder weniger) erreichbare Höhen zu steigen, steuerte er die Sache geschickt mit seinem angeborenen Gespür für „Soul“-Improvisation um und wand sich akrobatisch aus möglichen Unannehmlichkeiten heraus. So blieben Fehler während des Auftritts aus. Ansonsten war John Standard, aber was für eine eigenwillige Stimme! Mehrmals konnten wir intensiv jene Magie spüren, die John so wirkungsvoll in Uriah Heep eingebracht hat, auch auf dem Festival in Hruševje. Mary Rose bestanden die Prüfung hervorragend und entschlossen schwungvoll! Natürlich dürfen wir den Begleitsänger nicht vergessen, der Lawton den Rücken freihielt. Das war der Sänger der slowenischen Hard-Rock-Band Firebird, Davorin Žorž, der Johns Lob für seinen hervorragenden Beitrag viel zu bescheiden entgegennahm. Kurz, alles. Davon, dass Davorin und Eki sich erfolgreich Hensleys und Boxens große Schuhe angezogen haben, bis zur ausgelassenen Rhythmuslinie von Juretas jazzig angehauchtem Schlagzeugspiel und Mitja Kobals heißfüßigem Bassspiel – der Erfolg konnte einfach nicht ausbleiben. Lawton war sichtlich begeistert von seiner Truppe. Wie gesagt! Ein kurzer, aber knackiger Auftritt einer Legende. Wir bekamen Uriah Heep der Lawton-Ära gerade für einen flüchtigen, aber sündigen Nachtisch. Insgeheim hatte ich eine Überraschung im Stil von Firefly („Firefly“, 1977) oder Been Away Too Long („Firefly“, 1977) erwartet, na ja, aber auch Hanging Tree, I’m Alive oder Sympathy sind keineswegs von schlechten Eltern, während Free N‘ Easy und Free Me irgendwie erwartbare Stücke waren. Hoffen wir, dass wir Mary Rose und den legendären John Lawton noch mal live zusammen erleben können und dass sie gemeinsam ein ehrgeiziges Projekt anpacken, das helfen würde, die Kultur der klassischen Ansätze im Hard Rock und Proto-Prog/Hard Rock in Slowenien ordentlich wiederzubeleben und anzukurbeln. Selbst wenn ich nass und bis auf die Knochen durchgefroren bin, hätte ich es mir nie verziehen, an diesem Abend zu Hause geblieben zu sein. In der Hoffnung also, dass der Funke zwischen Mary Rose und Lawton übergesprungen ist!

John Lawton & Mary Rose-Setlist:
1.) Intro
2.) Hanging Tree
3.) Stealin‘
4.) I’m Alive
5.) The Wizard
6.) Free N‘ Easy
7.) Come Back To Me
8.) Sympathy
9.) Easy Livin‘
10.) Free Me
—Zugabe—
11.) Gypsy

Es folgte die „Striptease“-Einlage. Bis auf die Haut, was sonst! Ich glaube, ihr wisst, was das ist, deshalb will ich hier nicht ins Detail gehen, auch wenn Details in solchen Situationen immer ziemlich aufregend wären, bzw. sind. In der Zeit machte ich mich auf die Suche nach einer Pleskavica, denn einen Stuhl unter dem Zelt bekam ich mühelos, dem Regen zum Trotz. Aber die Pleskavica war roh, das ekelhafte Stück Brot dagegen total ausgetrocknet. Bäh. Hier servieren sie den Gästen ja Spülwasser oder Müll! Aber ich war ausgehungert wie ein Hund, und außerdem tat das Bier das Seine, das an diesem Abend in Strömen floss. Schade, dass ich damals nicht in der Rolle der Aufsicht war!

MARY ROSE: 2.00 – 3.00
Mary Rose noch einmal, in ihrem Solo-Auftritt! Anders als John Lawton, der im Hotel schon fröhlich „sägte“ und im Traum irgendwo weit jenseits des Ärmelkanals war, waren die Jungs von Mary Rose noch verdammt lebendig. Diesmal legten sie voll los, und zwar in Komplettbesetzung. Auf der Bühne stand Sänger Žak, und Mary Rose holten das nach, worum sie mit Lawton „gebracht“ wurden. Kurz, jetzt konnten sie sich noch einmal ordentlich aufwärmen und all ihre restliche Hard-Rock-Energie rauslassen, die in der guten Stunde mit Lawton eben nicht rauskonnte. Sie spielten ihr eigenes Material Strah, Izgubljen, Krivda, Najdražja, und vergaßen auch nicht den brandneuen Song Sam, dessen MP3 ihr euch auch auf der offiziellen Website der Band anhören könnt, und ihr Konzert beendeten sie mit dem Stück Kralj. Dazwischen streuten sie ein paar heiße Sachen ein, die die inzwischen schon ordentlich schwankenden Zweibeiner weiter aufheizten, die aber nicht vergaßen durchzudrehen. Durchzudrehen, wie es den harten Wetterbedingungen würdig war. Eine Überraschung mit Vertigo von U2, die vor allem das Publikum anheizen sollte, denn das ist heute noch (zu) besessen vom ganzen Ruhm von U2. Mary Rose schafften es hier, dem Volk mehr Krawall zu entlocken, den puren Triumph ernteten sie aber mit einer einmaligen Version von Don’t Break My Heart Again (Whitesnake), wo sie bestätigten, was echte Chemie in der Band und kostbare Erfahrung im Musikbusiness bedeuten. Weiter heizten sie den Leuten auch mit Deep Purple ein, die sie dank Davors majestätischer Hammond haargenau getroffen spielten. Das ging über in Black Night, und die Leute „bangten“ fröhlich weiter. Außerdem schoben sie auch Easy Livin‘ in die Setlist, das sie diesmal wiederholten, aber mit Žak am Gesang und nicht mit Lawton. Interessant wäre gewesen, wenn Mary Rose für diesen Anlass einen Special Guest auf die Bühne gerufen hätten, zum Beispiel John Lawton. Offenbar war aber noch genug Zeit übrig, und die Band nahm auch den Song Motori (Divlje Jagode) auf, der in ihren Händen maximal teuflisch und giftig war. Mary Rose haben die richtige Chemie! Virtuosität und Gespür für Melodie sind ihnen vertraut, vor allem aber treten sie kompakt und selbstbewusst auf, ohne Nachlässigkeit in der Ausführung, deren Qualität auf hohem Niveau liegt. Mit Žaks explosivem Gesang. Kräftig und ultramelodisch, und das gilt auch für die höchsten Lagen! Natürlich wäre es schön gewesen, die Band jetzt zum schnellen Vergleich bei einem Konzert mitten in einer klaren Nacht zu sehen, ohne einen Tropfen Regen, was übrigens für die ganze Liste der Auftretenden gilt, und doch… Mary Rose haben sich noch einmal mehr ins Zeug gelegt und ihr Repertoire richtig ordentlich durchgezogen. Offenbar geht es mit dem „Hard Rock“ in Slowenien bergauf,… Die Wiedervereinigung von Buldožer, eine ganze Menge junger Bands aus der Gegend um Postojna…. Wäre doch gelacht, wenn sich die Waage nicht auch in Slowenien zugunsten eines gesunden Mainstream-Geschmacks neigt…

Mary Rose-Setlist:
1.) Strah
2.) Izgubljen
3.) Hard To Handle
4.) Vertigo
5.) Krivda
6.) Najdražja
7.) Don’t Break My Heart Again
8.) Smoke On The Water
9.) Black Night
10.) Easy Livin‘
11.) Motori
12.) Sam
13.) Kralj

ROCK SHOCK: 3.20 – 4.05
Die undankbarste Rolle fiel den jungen Rock Shock aus dem Land des Cviček zu. Vor Kurzem haben sie die Besetzung gewechselt, was in Zukunft auch einen stilistischen Schwenk bedeuten kann. Wir werden sehen. In der Band gibt es jetzt einen Keyboarder, einer der beiden Gitarristen ist dagegen weggefallen. Und in dieser Besetzung stellte sich die Band praktisch zum ersten Mal ausgerechnet auf der Bühne in Hruševje vor. Sie haben mich überrascht! Für den melodischen Hard-Rock-Ansatz, den sie pflegen, war es vielleicht unglücklich, das Konzert mit Enter Sandman zu beginnen. Versteht mich nicht falsch, ich will nicht sagen, dass sie ihn nicht spielen können. Für Motorhead sind sie auch nicht geboren, wenn ihr versteht, was ich meine. Sie spielen zu schön, um Metallica zu spielen. Zu wenig Gift in der Stimme! Trotzdem schafften sie es, die Leute auf dem Festival darauf aufmerksam zu machen, dass Rock Shock die Bühne eingenommen hatten. Und wenn nicht schon mit Enter Sandman, dann definitiv mit dem nächsten Stück, nämlich It’s My Life (Bon Jovi), das den Jungs viel glatter durch die Finger lief! Der Gitarrist machte sofort deutlich, dass er ein außerordentlich talentiertes junges Nachwuchstalent ist, das gern mit Gitarrenvirtuosen vom Typ Gary Moore liebäugelt. Der Junge hat ein schönes Gespür für R & B-Solo-Finten, vor allem aber ist er technisch hervorragend aufgestellt! Aus Kleinem wird Großes! Die Grundlagen sind äußerst vielversprechend! Die Jungs haben es geschafft. Dank eines Repertoires, das ausschließlich aus Coverversionen bestand (von ihrem eigenen Material stand nur Ne poznam te auf der Songliste), gab es hier lauter kultige Hit-Knaller wie I Love Rock N‘ Roll (Joan Jett), Speed (Billy Idol), Proud Mary (CCR), Walking By Myself (Gary More), Tush (ZZ Top) und zum Abschluss Knocking On Heavens Door (Bob Dylan). Rock Shock gelang das, woran ich gezweifelt hatte. Sie hielten die Leute unter der Bühne, die zuvor Mary Rose verfolgt hatten. Dank des heißen Repertoires, des hervorragenden Spiels und der wunderbaren Tatsache, dass es für ein paar Stunden aufgehört hatte zu regnen, war das Konzert von ORck Shock richtig gelungen. Bei so inspirierten jungen Bands wie Rock Shock muss man sich um die Zukunft des hervorragenden „Hard Rock“ in Slowenien offenbar keine Sorgen machen.

Rock Shock-Setlist:
1. Enter Sandman
2. It’s My Life
3. I Love Rock N‘ Roll
4. Ne poznam te
5. Long Train Runnin
6. Speed
7. Proud Mary
8. Walking By Myself
9. Tush
10. Knocking On Heaven’s Door

Die Uhr schlug vier! Konzertmäßig war das Festival vorbei. Fix und fertig wie „Makkaroni“ schleppte ich mich zum Auto und ließ mich in den Sitz fallen und überlegte, ob ich einschlafen oder nach Ljubljana fahren sollte. Außer ehrlichem Lob für den Einsatz, die hervorragende Organisation und den Empfang durch die Veranstalter gab es nichts, und davon reichlich! Das ist das Mindeste, was ich sagen kann. Trotz des unglückseligen Regens, der uns gnadenlos wusch, konnte wirklich jeder auf dem Festival nach Herzenslust feiern. Er bekam eine hervorragende Portion „Rock and Roll“ ins Hirn. Ein wunderschöner Abend, an dem es von Coverversionen edler Hits und „Evergreens“ wimmelte, die größtenteils hervorragend gespielt wurden. Probleme mit dem Sound gab es während des Festivals am zweiten Tag keine, und die Bands gaben angesichts der äußeren Umstände ihr bühnentechnisches Maximum. Eben, es gibt Faktoren, die man berücksichtigen muss. Der erste ist das schlechte Wetter, das zum Beispiel Delirium nach Hause vertrieb, während alle anderen Bands die Zähne zusammenbissen, und es tat wohl keinem leid, in dieser Nacht auf dem „10. Biker’s Festival“ in Hruševje bei Postojna gewesen zu sein, wo es so gekracht hat, wie es sich für ein solches Festival gehört. Wir sehen uns nächstes Jahr wieder!

Setlist

JOHN LAWTON & MARY ROSE MARY ROSE ROCK SHOCK OUTSIDER VOODOO

Bildergalerie

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