Mit – eine neue slowenische Musikentdeckung (2008)!

0 6

Ort: Roxly Bar / Ljubljana / Slowenien
Datum des Konzerts: 11.11.2008
Besucherzahl: 70
Eintritt: 0,00€

Mit sind eine frische Band, die im slowenischen Musikraum aufgetaucht ist! Heimisch in Dol pri Ljubljani. Die Gründer der Band und ihre ideellen Triebkräfte sowie die Hauptschöpfer der Musik sind Uroš Petrovski (Gesang) und Matevž Pavčnik (Gitarre). Alles, was sie für einen effektiven Start und die Umsetzung ihrer Ideen brauchten, waren Erfahrung und Abgebrühtheit — die sie durch die Rekrutierung von gleich zwei Dritteln der Gruppe Lady’s First fanden. Die Mitglieder von Lady’s First, die offensichtlich eher auf „Party time“ ausgerichtet sind, bekommen durch ihr Engagement bei dem gänzlich anderen Mit einen zusätzlichen Ventil zur Entspannung. Die Besetzung von Mit komplettieren also noch die Lady’s First-Jungs Miha Oman (Gitarre), Aaron Cernatič (Bass) und Miha Plesničar (Schlagzeug) — Männer, die sich untereinander bestens kennen, was ein großer Vorteil beim schnellen Vorankommen von Mit war: Es beschleunigte die Umsetzung der Musikideen in Songs und ermöglichte ein schnelleres Einspielen (bei den Proben). Der Teil der Gruppe, der aus Lady’s First kommt, brachte dank seiner guten Szenevernetzung auch die Möglichkeit mit, Auftritte schnell zu organisieren — also den nötigen Management-Part, den Mit brauchte. Die Jungs fanden also sehr rasch eine wirksame Formel, die Mit einen Sinn gab, und waren bereit, ihre Musik auf den Bühnen zu präsentieren!

So führte sie der Weg im Rahmen ihrer Promotiongigs auch in den Ljubljanaer Roxly Bar, wo sie ihren Auftritt in zwei Teile zu je 45 Minuten mit einer Pause dazwischen aufteilten. Vor Konzertbeginn nahmen sich die Jungs noch etwas Zeit, um ihr erstes Musikvideo zum Song Neskončen dan vorzustellen — die echte Neugier aber befriedigten Stone Orange-Gitarrist Tom und ich erst gegen elf Uhr, als die Jungs ihre Maschine endlich in Galopp versetzten. In ihre sieben Songs mixten sie Coverversionen fremder Künstler, so wie es (interessanterweise) auch Lady’s First tun. Auch das Format 2×45 Minuten mit einer 15-minütigen Pause dazwischen ist eine bewährte und sehr gute Idee, die wohl aus den Köpfen der Lady’s First-Mitglieder stammt.

Beim ersten Takt war klar, dass Mit ihre Erscheinung rund um den klar profilierten, überzeugenden, charismatischen und ungemein interessanten Gesang von Uroš Petrovski aufbauen. Dieser brachte der Band einen tiefer intonieren Gesang, der in seiner Ausgefeiltheit außerordentliche Kraft und Explosivität besitzt — ebenso wie eine farbige Artikulation und damit eine erfolgreiche Aneinanderreihung verschiedener Stimmungen während der Darbietung. Der Mann greift bewusst oft zu Dissonanztönen, die er in seinen Gesang einflicht — was aus der alten „Bowie“-Schule stammt, auch wenn Uroš nichts mit dem genannten Pionier gemein hat. So verleiht er den Songs Attribute der Melancholie, des verborgenen Sehnens, der Hoffnungslosigkeit und der rebellischen Wut, denn er schafft es, dem Gesang eine echte „schwarze“ Farbtiefe zu entlocken.

Beide Gitarren entlassen einen lärmenden, metallisierten Riffing-Teppich, der eine massive Klangwand im Hintergrund aufbaut — mit einem absichtlich verwischten, leicht kratzenden Endklangeffekt, in den sich der tiefer intonierte Gesang hervorragend einfügt. Dazu kommt das eingespielten und bewährte Aaron-Fleša-Rhythmusgespann, und das ganze Ding muss funktionieren. Die Riffs sind vereinfacht, die Soli größtenteils schlicht, minimiert und wirklich nur in kleinen Dosen eingesetzt — was angesichts des Wunsches, die klangliche Riff-Masse sowie natürlich Uroš‘ Gesang in den Vordergrund zu stellen, sehr willkommen ist. Kein Solo ist allemal besser als zufällig komplexer angelegte. Das heißt, man kann durchaus sagen, dass die Jungs hier eine Art alternativen Metal-Zweig erschaffen, der schon beim Start erkennbar, eigenständig und anziehend wirkt — und in dem man, wie einen leichten Schleier, der alles überzieht, diese typisch slowenische melancholische Vibration herauslesen kann. Dieses einzigartige slowenische Vorzeichen erkennst du zum Beispiel mühelos bei einer Band wie Siddharta. Mit, die eine Geschichte aus einem völlig anderen Teig sind, erreichen diese Vibration eben nach ihrem eigenen Rezept. Die Formel „slowenisches HIM“ würde als erste Orientierung vielleicht genügen — wirklich ausreichend ist sie aber keineswegs.

Das Konzert eröffneten sie mit ihrem Song Pošasti — einfach, direkt und auf dem Groove. Ausgesprochen gut tat der selbstsichere Auftritt von Uroš, der sofort zeigte, dass es sich um einen talentierten Sänger handelt, der mit seiner charismatischen Präsenz das absolute Primat in der Band übernimmt. Wir haben die Coverversionen erwähnt — die Jungs gingen diese aber völlig auf ihre eigene Art an, was die einzig richtige Entscheidung ist. Kontraste sind bekanntlich ungemein anziehend, und die Jungs wissen das: So kleideten sie Chris Isaaks Pop-Stückchen Wicked Game nach ihrer Façon in eine metallene, geschwärzte Gestalt um. Nun ja — hätten HIM sie dabei nicht schon überholt, könnte man den Jungs dazu nur gratulieren. Außerordentlich gelungen war in den Händen von Mit die Depeche Mode-Klassiker Enjoy The Silence, die vor allem den weiblichen Teil des Roxly-Publikums in Bewegung brachte. Den ersten Teil schlossen die Jungs mit dem Song Neskončen dan ab, den sie in naher Zukunft als Single herausbringen wollen.

Ihre Liebe zu HIM versteckten sie auch nach der Pause nicht, als sie den zweiten Teil ihres Auftritts mit einem Cover von Right Here In My Arms eröffneten — dabei brannte Uroš‘ Gesang einmal mehr, ebenso gelungen griffen die Jungs Rebel Yell von Billy Idol an, auch wenn die Gitarrensolopassage darin dieses Mal völlig überflüssig wirkte — so anders ist das musikalische Ausdrucksbild von Mit im Vergleich zu Idols Original. Etwas weniger interessant wirkte U2s Where The Streets Have No Name, während die Jungs mit Pat Cemetery (Ramones) wieder den Nagel auf den Kopf trafen. Das Eigenmaterial wirkt originell und für den slowenischen Raum besonders. Die alternative Ausrichtung ist unkompliziert und schnell zugänglich, und die Charisma und der Charme des Gesangs können den Jungs mit etwas Glück und der richtigen Unterstützung künftig auch die Türen zu Radiowellen und Musikcharts öffnen.

Die Jungs spielten am Ende noch einmal Enjoy The Silence (Depeche Mode) und schlossen das Konzert mit dem Song Neskončen dan ab, dem sie besondere mediale Aufmerksamkeit widmen (Musikvideo, Single-Veröffentlichung). Der Sound beim Mit-Konzert war für den kleinen Clubraum ausgesprochen gelungen.

Der Abend war damit noch lange nicht zu Ende — wir griffen jeden zu unserem Bierkrug und feierten weiter, solange es eben zu feiern gab. Mit sind erfolgreich vom Stapel gelaufen und haben mit ihrem Erscheinen die slowenische Musikszene mehr als bereichert. Hoffen wir, dass der Mut, der kreative Schwung und die übrigen Anstrengungen der Band Früchte tragen und ihnen den konkreten Mediendurchbruch ermöglichen. Nach dem Erlebten im Roxly kann man Mit für die Zukunft durchaus ernsthaft auf der Rechnung haben.

Setliste

1. Pošasti
2. Enjoy The Silence
3. Maršal
4. Wicked Game
5. Črni dež
6. Word Up
7. Neskončen dan
—Pause 15 Min.—
8. Right Here In My Arms
9. Mit
10. Rebel Yell
11. Where The Streets Have No Name
12. Odisej
13. Pat Cemetery
14. Imolo Vesperi
—Zugabe—
15. Enjoy The Silence
16. Neskončen dan

Bildergalerie

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies