Laibach noch mit einer Aufführung des Albums Volk (2008)

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Ort: OŠ Koper / Koper / Slowenien
Konzertdatum: 17.10.2008
Besucherzahl: 600
Kartenpreis: 20,00€

Obwohl das Konzert von Laibach nur in der Primorska-Region bekannt war, versammelte sich am Abend des 18. 10. in der Sporthalle der OŠ Koper eine stattliche Schar von Fans dieses erfolgreichsten und weltweit bekanntesten slowenischen Musikexports. Schon beim Betreten der recht geräumigen Halle ließ sich dank der besonderen Beleuchtung und der großen Leinwände über der Bühne erahnen, dass sich – wie bei Laibach inzwischen Tradition – ein besonderes audiovisuelles Spektakel ankündigte. Manche von uns hofften sogar, es handle sich um eine der ersten Präsentationen ihres neuesten Werks Die Kunst der Fuge, doch als vor Konzertbeginn die slowenische Nationalhymne feierlich aus den Lautsprechern strömte, war klar: uns erwartet noch eine Aufführung des Albums Volk. Bekanntlich enthält diese Platte, die 2006 in Zusammenarbeit mit der Band Silence entstand, eigenwillige und höchst spezifische Interpretationen der Nationalhymnen verschiedener Länder, in die geschickt zahlreiche sozialpolitische Kritiken eingewoben sind.

Dem Album folgend begann auch der Auftritt mit der Laibach-Version der deutschen Hymne, während auf der Leinwand etwas lief, das am stärksten an vorkriegszeitliche nationalsozialistisch-propagandistische Filme erinnerte; bei der amerikanischen Hymne schmückten symbolisch Ölpumpen den Bühnenhintergrund – jene, die seit Jahrzehnten die Politik jenseits des Atlantiks bestimmen. Bei dem Stück mit dem Titel America bemerkten wir auch zum ersten Mal Jadranka Juras, die die bekannten Verse über das Land der Freien und Heimat der Tapferen mit Gefühl sang, bevor Fras den Song mit den bedeutsamen Worten vom Album abschloss: „America, the end of history, the end of time, the end of family, the end of crime“. Nach der bitter-bissigen Interpretation der englischen Hymne folgte Rossiya, der erste musikalische Höhepunkt der Platte, deren Kinderchor stark an das Rammstein-Stück Moskau erinnert – eine Band, die Laibach bereits bei mehreren Gelegenheiten als Inspirationsquelle genannt hat. Die russisch-orthodoxen Kuppeln auf der Leinwand wurden daraufhin von Floyd-esken Animationen französischer Guillotinen abgelöst, die zu arrangierten Klängen der Marseillaise von den Mühen der Revolution zeugten. Die stärkste visuelle Punktlandung gelang den Machern des Bühnenbilds jedoch bei Italia: Während der Hymne liefen auf den Leinwänden Vor- und Abspann zweier kultiger italienischer Filme – La dolce vita von Federico Fellini und Salò von Pier Paolo Pasolini. Ersterer gilt bis heute als Klassiker, Letzterer, entstanden nach der Vorlage des Buches Die 120 Tage von Sodom des Marquis de Sade, zählt wegen seines allzu expliziten Inhalts und der Tatsache, dass Pasolini kurz vor dem Kinostart ermordet wurde, bis heute zu den umstrittensten italienischen Filmen. Eine überaus einfallsreiche Wahl also. Den zweiten Höhepunkt des Auftritts konnte man in der japanischen Hymne ausmachen, die von einem bewegenden, fast schon opernhaften Solo von Juras geprägt wurde – einem Solo, das uns fragen ließ, warum uns Jadranka mit solchen stimmlichen Glanzleistungen nicht öfter beglückt. Die Frau singt nämlich verdammt gut, und wenn es ihr gelingt, auch mit ihrer eigenen Musik entsprechend auf sich aufmerksam zu machen, gehört ihr die Zukunft. Kurz vor Schluss erklangen noch Hej Slovane sowie die NSK-Hymne (Vaticanae, die auf dem Album die vorletzte ist, war nicht zu hören; Laibach spielten sie unverändert), die die Volk-Präsentation mit einer Art Kopie – besonders dem metallisch orientierten Teil des Publikums – gut bekannter Churchill-Rede abschloss.

Nach der Präsentation des Albums Volk übernahmen für den abschließenden Teil des Konzerts die beiden Mitglieder der Gruppe Make up die Bühne – dieser Zusatz ist zweifellos der beste Bühnen-Schachzug von Laibach in den letzten zehn Jahren – und kündigten mit ihren Schlagzeug-Akrobatiken ältere Hits der Band an, darunter Tanz mit Laibach, Alle gegen Alle und ähnliche. Nach einem rund zwanzigminütigen Medley alter Erfolge versammelten sich alle Beteiligten noch einmal auf der Bühne und verabschiedeten sich wortlos, während auf den Leinwänden ihre Namen sowie weitere Erläuterungen zum Konzertprojekt eingeblendet wurden.

Das Spektakel, das Laibach bei ihren Konzerten bieten, ist zumindest in unseren Breitengraden stets ein einzigartiges Erlebnis, denn es verbindet das Musikalische mit dem Visuellen auf beste Weise. Dieses äußerst wirkungsvolle Gemisch ist in Kombination mit der monumentalen Statik der Protagonisten auf der Bühne – die am ehesten noch an Kraftwerk erinnert – gewiss das beste Mittel zur Vermittlung der NSK-Ideologie. Und Laibach ist tatsächlich vor allem Ideologie, die ihre Inspiration aus den Widersprüchen der heutigen Welt schöpft und deren Gesamtbild nicht zuletzt auch eine Komponente enthält, die manchmal dominiert, sich manchmal aber völlig hinter der mächtigen visuellen Symbolik verbirgt – und die wir Musik nennen.

Text: Tomo Jurca
Fotos: Aleš Podbrežnik

Setliste

1. Zdravljica (taped intro)
2. Germania
3. America
4. Anglia
5. Rossiya
6. Francia
7. Italia
8. Espana
9. Yisra’el
10. Turkiye
11. Zhonghua
12. Nippon
13. Slovania
14. NSK
—Zugabe—
15. Tanz mit Laibach
16. Alle gegen Alle
17. Du bist unser
18. Hell : Symmetry
19. Achtung!
20. Das Spiel ist Aus
21. Laibach medley (taped outro)

Bildergalerie

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