Bratko Bibič mit seinem Quartett in der Menza
Ort: Menza pri Koritu/Ljubljana/Slowenien
Konzertdatum: 10.09.2008
Besucherzahl: 50
Kartenpreis: 8 €
Nachdem ich von Bratko Bibič und seinen pradolenjski švicarji wirklich beeindruckt war, interessierte mich brennend, was der legendäre Akkordeonist mit seinem Quartett zeigen würde, in dem auch der renommierte Saxofonist Vasko Atanasovski mitwirkt. Ich dachte, es würde sich um ein ziemlich freies Jazz-Spiel handeln, aber das liegt offenbar nicht in der perfektionistischen Natur von Bratko Bibič, den jemand sogar den slowenischen Robert Fripp nannte (nur dass Bibič Akkordeon spielt). So erlebten wir erneut durchkomponierte Stücke aus der Feder von Bibič, in denen wenig Raum für Improvisation blieb (die Jungs hatten sogar Notenblätter vor sich), aber genug Platz für Spaß und Experimente, sodass die Kompositionen nicht allzu starr wirkten.
Musikalisch hat sich Bratko Bibič ein Stück weit von der Musik der Gruppe Begnagrad entfernt, die wesentlich unterhaltsamer und experimenteller war. Ähnlich wie im Cankarjev dom, wo ich ihn zuletzt gesehen hatte, enthielt auch diesmal das Programm hauptsächlich ernste Kompositionen (manchmal mit schelmischen Titeln – was soll man sagen, Bratko kann eben nicht aus seiner Haut), die ihre Einflüsse aus Klassik, Jazz und Avantgarde schöpfen, wobei hier und da auch balkanische und alpine Melodieeinflüsse durchscheinen. Ungewöhnliche Kombinationen, die aber sehr souverän und interessant wirken. Bratko kaufte sich seinen Mangel an Humor am Ende frei, als er – ähnlich wie im Cankarjev dom – das humorvolle Lied Petelinje sang. Das Konzert hätte problemlos noch eine halbe Stunde länger dauern können, ich glaube, niemand hätte etwas dagegen gehabt, aber angesichts des späten Konzertbeginns (fast zwei Stunden Verspätung) war es nur logisch, dass das Programm etwas gestrafft werden musste und sie nicht mehr für eine Zugabe zurückkamen.
In der Besetzung war diesmal neben Bibič an der Harmonika noch der Bläserspezialist und bekannte Musiker Vasko Atanasovski, der zwischen allen erdenklichen Saxofonarten wechselte, gelegentlich zur Flöte griff und ein paarmal ins Mikrofon hauchte. Dann war da noch Matjaž Sekne an Violine und Viola. Streicher sind bei mir immer willkommen, und Sekne sorgte für Qualität und einen klassischen Einschlag. Als eine Art provisorische Rhythmuslinie fungierte Uroš Polanc an der Posaune, da die Besetzung weder Schlagzeug noch Bass oder Cello hat. Die zentrale Figur war natürlich Bratko Bibič, der neben Atanasovski die meisten Gelegenheiten bekam, sich zu beweisen. Und er hat uns nicht enttäuscht. Herr Bibič ist ein Perfektionist im Stil von Robert Fripp und als Einziger in der Besetzung brauchte er auch kein Notenblatt, was nur zeigt, wie gut er seine eigenen Werke kennt.
Leider fehlten am Ende die Zeit und die Kraft für den Ungarn Meszei Szilard mit seinem Trio, sodass uns nur der gute Eindruck von Bratko Bibič mit dem Quartett blieb. Die Ungarn traten erst nach ein Uhr morgens auf, und die Verpflichtungen ließen es leider nicht zu, ihnen noch zuzuhören. Bibič überzeugte erneut mit einem Repertoire, das Liebhaber experimenteller Musik begeistern kann. Ich hoffe, dass er mit seiner Mischung aus Avantgarde, Jazz, Klassik und Ethno-Einflüssen noch lange weitermacht, denn solche Musik ist im slowenischen Raum immer Mangelware.
Text: Rok Podgrajšek
Fotos: Aleš Podbrežnik
Setlist
1. Zvonovi
2. Gallusovina
3. Encore 2.
4. Enocre 1.
5. Labis
6. Nerodnjak
7. Hymera
8. Ableitung
a- Das Gute Gheist aus Grunwald
b- odvod
9. Petelinje
Fotogalerie








