Prljavo kazalište und Big foot mama in Simonov zaliv (2008)

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Ort: Simonov zaliv, Izola, Noči na plaži
Konzertdatum: 01.08.2008
Besucherzahl: 1500
Ticketpreis: 10 €

Van Halen haben 1984 den legendären Jump aufgenommen, und das ehemalige Jugoslawien hat genau zu der Zeit mindestens zwei Songs hervorgebracht, die das optimistische Lebensgefühl jener Jahre auf ähnliche Weise eingefangen haben – diese unbeschwerte, positive Herangehensweise an die Musik, die man in den Achtzigern auf dem Balkan genauso spüren konnte wie überall sonst auf der Welt. Der erste war Padaju zvijezde, den Bregovič für seine Bijelo dugme geschrieben hat, der zweite Ne zovi mama doktora vom Album Zlatne godine, das Prljavci 1985 veröffentlicht haben.

Diese Hymne haben die Kroaten natürlich gegen Ende ihres Auftritts gespielt, als das überwiegend minderjährige Publikum schon ziemlich angeheitert war. Davon sind in Simonov zaliv ungefähr tausend, tausendfünfhundert eingetrudelt, was für unsere Verhältnisse eine mehr als solide Zahl ist, vor allem weil man für die Werbung für die Partyreihe Noči na plaži, besonders jenseits der Küstenregion, wohl noch mehr hätte tun können. Aber im Vergleich zum mageren Besuch im Avditorij, der diesen Sommer bei zahlreichen Gelegenheiten leer blieb, war die Veranstaltung an diesem Abend ein voller Erfolg.

Vor der Bühne in der malerischen Bucht von Izola hatten sich schon früh am Abend ziemlich viele Jugendliche versammelt, und Prljavo kazalište, die kurz vor elf auf die Bühne kamen, haben die ohnehin schon lebhafte und wegen der Sommerferien ausgelassene Stimmung bestmöglich angeheizt. Sie starteten mit weniger bekannten Nummern und der Ballade Ma kog me boga za tebe pitaju, machten weiter mit Heroj ulice, den Gitarrist Jasenko Houra sang und sich dabei auf der Bühne mit einem der weiblichen Fans im Kreis drehte. Dann folgte das obligatorische, etwas pathetische Mojoj majci (Ružo hrvatska), und nach einer interessanten dramatischen Pause, in der Prljavci dem Publikum gut eine Minute lang in Dunkelheit und Stille den Rücken zukehrten, auch noch das erwähnte Ne zovi mama doktora. Ziemlich ungewöhnlich, aber höchst wirkungsvoll.

Auch der Kulthit Mi plešemo bekam eine besondere Ouvertüre. Gitarrist und Mastermind Houra forderte nach einer kurzen Ansprache und einer ziemlich gelungenen Interaktion mit dem Publikum den männlichen Teil der Menge auf, die T-Shirts auszuziehen, was natürlich nichts Ungewöhnliches ist – überraschender war, dass auch die Bandmitglieder blank zogen. Das war wohl der einzige Patzer eines ansonsten hervorragenden Konzerts. Nach bescheidener Meinung des unten Unterzeichneten sollten sich nämlich ältere Herren mit einem gehörigen Maß an Fettgewebe um Hüfte und Bauch und einer Brust, die längst nicht mehr heldenhaft ist, sondern eher einen BH bräuchte, auf der Bühne nicht ausziehen. Die aufgeheizte Jugend störte das natürlich kein bisschen, und Prljavo kazalište verabschiedeten sich triumphal mit den Versen „Bože spasi me, a ja ne mogu bez nje“, mit denen die melancholische Marina endet.

Die Veteranen haben ihren Job also mit Auszeichnung erledigt und bewiesen, dass Achtziger-Rock mit einem Schuss Jugo-Nostalgie nach wie vor das beste Rezept für eine gute Party ist. Die undankbare Aufgabe, nach den kroatischen Legenden zu spielen, hatten Big foot mama, die den Feierabend aber erfolgreich fortsetzten und das Treiben gegen zwei Uhr morgens mit Klassikern wie Črni tulipan, Oklep, Mala nimfomanka und einer Coverversion von Videosex, Moja mama, routiniert beschlossen.

Die Veranstaltung in Izola ist auf jeden Fall eine willkommene Bereicherung für das heimische Unterhaltungs- und Festivalgeschehen, das an der Küste in den letzten Jahren langsam wieder aufwacht. Ein Lob geht also an die Organisatoren, die ordentlich für Musik, Essen und Trinken gesorgt haben, aber auch für die Sicherheit, die bei solchen Massenveranstaltungen enorm wichtig ist, wie uns vor gut zehn Jahren die unangenehme Erfahrung der Portorož-Nächte gelehrt hat.

Text: Tomo Jurca
Fotos: Tomo Jurca, Ana Porok

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