Eric Sardinas – Trotz Problemen bewies er, dass er immer noch der König der Bluesiana ist (2008)
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Bluesiana Rock Cafe / Velden am Wörthersee / Österreich
Konzertdatum: 20.07.2008
Besucherzahl: 200
Ticketpreis: 32,00€
Die Rockline-Leser kennen Sardinas schon gut, und man könnte sagen, dass er in der Bluesiana am Wörthersee längst ein alter Bekannter ist, wohin er auf Einladung der Besitzerin Gudrun mitten in einem heftigen Unwetter schon einen Tag vor dem Konzert angereist war. Auch am Montag, als wir mit der heimischen Crew in Begleitung von Herrn Dragan Bulič am Schauplatz eintrafen, wurde das Wetter nicht wirklich besser, doch die Bluesiana war trotzdem (oder gerade deshalb) fast komplett voll. Unter den Besuchern trieb sich auch Ritchie Kotzen herum, der am nächsten Tag auftrat, samt seinen Helfern, unter denen der auffälligste ein sichtlich angesoffener Bassist war. Der sorgte schon im ersten Teil des Auftritts für einen kleinen Exzess, als er sich vor dem Tresen mit einem Einheimischen prügelte und dabei den Kürzeren zog. Die Stimmung erinnerte also an irgendeinen abgelegenen Saloon im Wilden Westen, was Sardinas natürlich nicht im Geringsten störte. Nach der üblichen einstündigen Verspätung enterte er mit seiner Rhythmusgruppe die Bühne dieses bescheidenen, aber gemütlichen Interieurs, heizte dem Publikum auf seine Art ordentlich ein und bewies noch einmal, dass eines der wichtigsten Attribute eines reisenden Musikers schlicht Charisma ist.
Sardinas redet im Gegensatz zu Vai, auf dessen Label (Favoured Nations) er seine letzten beiden Alben veröffentlicht hat, während des Auftritts nicht viel. Ich erinnere mich noch gut an Vais Auftritt in der Cvetličarna im September 2005, den ausgerechnet Sardinas eröffnet hat, und an seine Monologe, die leider keine inneren waren wie bei Joyce und mit denen er versuchte, Kontakt zum Publikum aufzubauen. Sardinas kommuniziert schon mit seiner Erscheinung und Energie, und dabei helfen ihm natürlich seine unersetzliche Dobro und der Slide am linken kleinen Finger. Wie es sich für einen Bluesman gehört, sind seine Technik und seine Art, Songs zu schreiben, ziemlich begrenzt, doch das macht er mit einem wilden Instinkt locker wett, der seine Inspiration im Boogie von Hooker, im Southern Soul, im Delta Blues, bei Hendrix und bei Vaughan sucht.
Diesmal gab es zwar keine brennende Gitarre zu sehen, denn nach der Tragödie, die vor ein paar Jahren der Band Great White auf Rhode Island widerfahren ist, hat Eric solche Exhibitionen in kleineren geschlossenen Räumen wohl aufgegeben. Vergeblich haben wir auch auf das akrobatische Spiel mit dem Flaschenhals gewartet, für das Eric schon lange berühmt ist, waren aber trotzdem begeistert von der Umsetzung einiger Klassiker der ersten beiden Alben. Erwähnenswert sind hier die Songs I Can’t Be Satisfied und Piece of Me, aber auch einige Nummern vom letzten Werk mit dem Titel „Eric Sardinas And Big Motor“, von denen der Cover von Tony Joe White, As the Crow Flies, den größten Applaus einheimste.
Die Stimmung dämpften im zweiten Teil des Auftritts ein etwas zu ausgewalztes Basssolo und dazu Sardinas‘ Rivera-Topteil, das wohl wegen einer durchgebrannten Röhre gegen elf Uhr den Geist aufgab und bis zum Ende nicht mehr repariert werden konnte. Aber Eric ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Zuerst schlossen sie ihn an die zentrale Beschallung an, dann „klinkte“ er sich komplett aus, senkte nach alter Gewohnheit das Mikrofon auf Gitarrenhöhe und sang im halb knienden Stand ein paar seiner Songs in einer akustischen Version. Der Effekt war perfekt und der Auftritt gerettet. Wäre das irgendjemand anderem passiert, wäre er wohl mit gesenktem Kopf von der Bühne getrottet und hätte am Rand gewartet, bis die Techniker die Probleme beheben. Nach der obligatorischen Zugabe verschwand der Meister im Backstage und tauchte nach gut einer halben Stunde sichtlich erschöpft, aber bestens gelaunt wieder unter den Fans auf, für eine kurze Fotosession, die auch unser Team nach Kräften nutzte.
Sardinas kann in der Bluesiana also gar nicht danebenhauen. Das ist eben ein ganz besonderes Ambiente, das sich durch seine Kleinheit und Gemütlichkeit für den Blues besonders gut eignet. Wie eine etwas größere Wohnstube, in die es der findigen Besitzerin in den letzten paar Jahren gelungen ist, zahlreiche Legenden von der anderen Seite des Atlantiks zu locken. Richtig traurig, dass es in Ljubljana und überhaupt in Slowenien an ähnlichen Läden gewaltig mangelt und dass wir Liebhaber dieser Musik an den Wörthersee fahren müssen, um unsere spirituellen Bedürfnisse zu stillen.
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