Technisch-brutales Feiern mit Origin, Impaled und Hour of Penance

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Ort: Orto bar, Ljubljana
Konzertdatum: 08.06.2008
Besucherzahl: 100
Ticketpreis: 18€

Zum Abschluss der Club-Konzertsaison und für eine ordentliche Dosis Piepen in den Ohren vor dem Start der Sommerfestivals haben uns unsere lieben Dihurčki also noch mal ein Leckerli serviert. Ein technisches Leckerli: die Giganten Origin, die technischen Spaßvögel Impaled und die Schönlinge Hour Of Penance. Wie es sich für einen internationalen Blumenstrauß an Bands gehört (1x Italiener, 2x Amerikaner), kam eine schöne Schar Leute aus unserer weißen Hauptstadt zusammen, dazu aus diversen exotischen Ländern (Steiermark, Oberkrain, …), es gab auch Ausländer (Kroatien, Bosnien) und natürlich waren auch die schönsten unter den Metallern am Start – „gli pozzeri italiani“. Der Anblick dieser Kreaturen zaubert mir jedes Mal ein Grinsen ins Gesicht: Sie sind immer nach der letzten Metal-Mode gekleidet, duften stärker als die Schminkkammer im Puff und sind kurz gesagt mehr als passend angezogen für die Gala-Premiere von Sex and the City oder so was. Aber lassen wir das jetzt, wir sind schließlich wegen eines Konzerts gekommen.

Und das ging pünktlich zur angekündigten Uhrzeit los. Die Jungs von Hour Of Penance aus Rom fielen über unsere Ohren her, ungefähr so, wie die Niederländer genau zu der Zeit ihre Fußballer in Österreich zerlegten. Für einen Old-School-Primus-Fan gibt’s nichts Schöneres, als eine Death-Metal-Band zu sehen, bei der dem Bassisten die Finger über den Sechssaiter-Bass rauf und runter fliegen, dass es nur so qualmt. Der Sound war nicht ideal (leider zu wenig Bass), aber für die Orto völlig okay. Die Jungs haben allerdings, wie die meisten italienischen Bands, ein Manko – den Gesang. Ehrlich, ich verstehe nicht, wie unsere Nachbarn es nicht schaffen, einen einzigen Sänger hervorzubringen, der seine Growls aus den Eiern zieht und nicht aus den Hämorrhoiden?!! Der Junge gibt sich ja Mühe, kennt alle richtigen Posen eines guten Frontmanns, aber der Gesang ist einfach nicht tierisch genug. Trotzdem haben uns die Jungs durch einen schönen Querschnitt ihrer Diskografie geführt, das Publikum (zumindest in den ersten Reihen) zum Haareschütteln und Hüpfen gebracht und zwischen den Songs eine ziemlich laute Reaktion bekommen, vor allem von ihren italienischen Landsleuten im Publikum. Für den Comedy-Einschub des Abends sorgten sie auch, als der Sänger auf die Frage „Howa do youa say hello in Zlovenia?“ aus dem Publikum die Antwort „Jebem ti boga!“ bekam und das dann in den Pausen zwischen den Songs fröhlich wiederholte. Die größte Party lösten die Jungs mit dem gespielten Suffocation-Klassiker Catatonia aus. 50 Minuten waren schnell vorbei, wir haben einen soliden Gig gesehen, der aber keine Highlights zu bieten hatte, und schon sind wir los zum Bier und an die frische Luft … scheiß auf das Nichtraucherschutzgesetz.

Tja, knapp eine halbe Stunde später hat sich das Blatt gewendet – zum Besseren!
Immoral Medical Practitioners And Licentious Evil-Doers aus Oakland, Kalifornien, sehen in ihren Uniformen, mit denen sie die (natürlich amerikanische) Röntgen-Kennzeichnung parodieren, zum Schreien komisch aus (was wohl auch ihr Zweck ist); ihr Zeichen liest sich (zumindest hat der Gitarrist es so erklärt (beim dritten Bier)) R-XXX, während die korrekte Kennzeichnung R-X ist (na, verstehe einer den Metal-Humor). Dazu kommt ein kleiner Sänger/Bassist (meiner Schätzung nach ca. 170 cm), der auf der Bühne Fratzen schneidet und Grimassen zieht, als würde ihn eine Horde Ärzte jagen, die ihm eine rektale Untersuchung verpassen wollen. Sobald sie aber zu den Instrumenten greifen, vergeht jedem die Lust, über sie zu lachen. Impaled zocken einen sehr gefälligen brutal-melodischen Death/Grind mit gelegentlichen Thrash-Einlagen und haben das Publikum zum Haareschütteln, Hüpfen, Schreien, Brüllen, Grunzen … gebracht. Die Setlist erwähne ich nicht, weil ich ihre Songs nicht mit Titeln kenne, aber sie haben auf jeden Fall die beste Party des Abends hingelegt, mindestens einen neuen Fan gewonnen (mich), wahrscheinlich aber noch den einen oder anderen mehr, und hatten super Kontakt zum Publikum, das an diesem Abend richtig in Partylaune war. Sie haben uns alle weggeblasen mit einer mörderischen Kombination aus mehrstimmigem Gesang, echten Screams und Growls, die aus den Tiefen echter Männer-Eier (wahrscheinlich auch behaarter) kommen. Die Gitarristen (Sean McGrath und Jason Kocol) haben uns den ganzen Auftritt über mit einer Killer-Kombi aus Riffs und schnellen Soli bombardiert. Ein Drumming, für das sich nicht mal ein Drumcomputer schämen müsste, servierte uns mit Überlichtgeschwindigkeit der Techniker Raul Varela. Die ungeteilte Sympathie des Publikums heimste aber der Kobold-Bassist/Schreihals (Ross Sewage) ein, mit seinem Bass, der mit einer Axtklinge ausgestattet ist, mit Grimassen, Geschrei, Gebrüll, Gehüpfe. Stellt euch eine tollwütige Spinne vor, die über die Bühne tobt (soweit eben Platz ist), und ihr werdet verstehen, warum der ganze Laden gehüpft, geschrien und getobt hat. Die knappe Stunde war im Nu vorbei, und nach dem Konzert entpuppten sich die Jungs als ganz normale Typen, die mit ihren Fans ein Bier getrunken haben, bis zu vier, den Lungenkrebs gefüttert haben und überhaupt unterhaltsam waren. Ach ja, und entschuldigt haben sie sich auch noch für George Bush und seinen Besuch. Sieht so aus, als wären sie gut informiert … auf jeden Fall waren sie aufrichtig überrascht von der positiven Reaktion des Publikums (in Slowenien haben sie zum ersten Mal gespielt) und haben auch versprochen, dass sie sich noch mal in unsere Gefilde verirren. Wir nehmen euch beim Wort, Jungs!

Wieder war gut eine halbe Stunde vergangen, die Mägen hatten sich mit Bier gefüllt, der Krebs hatte sich mit Nikotin, Teer und sonstigen Stoffen vollgefuttert, die Orto war wieder voll, die Uhr schlug elf am Abend, die Lichter gingen aus, die Scheinwerfer gingen an, das Volk brüllte, und es war Zeit für…. surprise, surprise: Origin. Ja, es sieht ganz so aus, als schwöre die Musik aus Kansas und den anderen Redneck-Staaten auf Kettensägen, Messer, Gedärme in der Luft, Hirn an der Wand (ahh, wo ist unser lieber Leatherface?). Brutalisierung ist der einzige Ausdruck, mit dem sich das Gesehene und Gehörte beschreiben lässt. Der Drummer ist ein Maniac. Bassist und Gitarrist beherrschen ihre Instrumente bis zur Bewusstlosigkeit, und der Sänger lässt Laute los, vor denen sogar die Engelchen in die Hölle fliehen würden. Als wären sie dort sicher vor den tollwütigen Bestien aus Kansas, ha!! Origin haben uns auf einen Weg aus brutalem Verderben, Geschwindigkeit, mörderischer Präzision, Finsternis und Unbehagen mitgenommen. Und uns hat’s gefallen. Das Publikum tobte, schrie, die Orto (und die umliegenden Gebäude) bebte, die Tore der Hölle gingen (wieder) auf. Wir hatten Stage-Diving, wir hatten Moshpit, wir sahen ein paar harte Landungen auf dem Boden, Blut floss, aus Nasen, aber hey, es sind ja Origin! Die Band hat keins ihrer vier Alben vernachlässigt, der Schwerpunkt lag aber verständlicherweise auf dem diesjährigen Antithesis und auf dem für die Band bahnbrechenden Album von 2002 – Informis Infinitas Inhumanitas. Über den Auftritt von Origin lohnt es sich praktisch nicht, groß ins Detail zu gehen. Jahrelang haben wir auf sie gewartet, endlich sind sie gekommen, haben ihrem Ruf alle Ehre gemacht, uns die Köpfe aufgerissen und mindestens 5% unseres Gehörs dauerhaft zerstört. Wenn ihr nicht da wart, kann es euch leidtun. Richtig leidtun. Kurz und gut: SPEEEEEEED KILLSSSSSSSS!!!!!!!!!!

Als wir nach dem Konzert mit schmerzendem Nacken, durchgeschwitzt, blutig, zerfetzt, kurz: rundum zufrieden Richtung Heimat humpelten, konnten wir nur eins denken: Dihurčki, danke, danke, danke. Macht bloß weiter so, und das noch viele Jahre! Wir sehen uns im August in Komen und im Herbst in der neuen Saison mörderischer Konzerte.

Text und Fotos: Rok Erjavec

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