Prospect stellten im Orto Chronicles of Men vor
Autor: Rok Klemše
Ort: Orto Bar / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 27.04.2008
Besucherzahl: 70
Ticketpreis: 5,00€
Das diesjährige Ortofest hatte diesmal auch etwas mehr Geballer für metallische Ohren im Programm. Einen schönen Auftakt in den Metal-Teil des Fests haben schon Dirty Skunks mit dem ausverkauften Konzert der drei slowenischen Legenden Thrash ‚Till Grob – Železobeton, Sarcasm und Interceptor hingelegt. Nachdem die Metal-Seelen zwei Wochen lang einen Bogen um den Konzertsaal gemacht hatten wie der Teufel ums Weihwasser, war es wieder Zeit, dass sich das Obergeschoss des Orto in die überwiegend schwarzen Farbtöne der diesjährigen Modesaison färbt… oder so ähnlich. Jedenfalls haben kurz vor dem Maifeiertags-Schlemmen mit Čevapčiči auf dem Rožnik die heimischen Progger Prospect den Orto übernommen.
Prospect haben vor Kurzem ihr drittes Studioalbum Chronicles of Men veröffentlicht, das mit seiner ausgewogenen Mischung aus Thrash, Heavy und progressivem Metal ein riesiger Schritt nach vorn gegenüber dem Vorgänger Moments ist. Chronicles of Men haben Prospect schon erfolgreich im Mediapark vorgestellt, seitdem touren sie fleißig herum und sammeln Kilometer, also war es an der Zeit, auch in der Ljubljanaer Mekka des Metal, Rock und allem, was nicht nach Quetschkommode stinkt und nach zur Schau gestellter üppiger Oberweite als Ersatz für dünne „Musik“, haltzumachen. Die Band aus Ljubljana stieg um zehn Uhr abends auf die Bühne, und die ersten Minuten des Konzerts sahen ziemlich armselig aus, denn im Saal hatten sich gerade mal knapp zehn Leute eingefunden, doch zum Ende hin hat sich die Lage zum Glück zumindest halbwegs gebessert. Der Saal im Orto war so ungefähr halb voll, und selbst die fünfzig Leute wirkten ziemlich platt und statisch. Tja, die nahenden Feiertage machen eben ihr Ding. Trotzdem haben Prospect auf der Bühne alles gegeben, nicht anders, als hätten sie vor einer mehrhundertköpfigen Menge gespielt. Auch das Publikum ist nach ein paar abgefeuerten Stücken aufgetaut. Kein Wunder, denn Chronicles of Men klingt live noch um einiges besser als auf dem Album. Roman hat es geschafft, eine richtig motivierte, junge Truppe hervorragender Instrumentalisten um sich zu scharen, die Prospect erfolgreich verjüngt, aufgefrischt und belebt haben. Den Kern der Truppe bildet nach wie vor der Mastermind der Band, Gitarrist und Backvokalist Roman Fileš, dem sich an der zweiten Gitarre noch ein alter Metal-Kater angeschlossen hat, Igor Nardin von Noctiferia. Mit zwei Gitarren klingen Prospect so noch voller und überzeugender.
Das ist vor allem der großartigen Rhythmusgruppe zu verdanken, die Bassist Urban Medič (ex-Ophidian) mit fantastischem Groove ergänzt, während Dejan Pakiž für schöne Keyboardlinien sorgte. Und nicht zuletzt ist da noch die Stimme der Band, Robi Grdič, der die Abrissbirnen vom neuen Album phänomenal gesungen hat, die Prospect eine nach der anderen aneinandergereiht haben – Mystic&Illusion, My Numbers, My Personal Demons und andere klingen live wirklich in neuem Licht. Chronicles of Men haben Prospect im Orto mehr als ausgezeichnet präsentiert, zum Schluss legten sie noch einen außerordentlich gut gespielten Judas-Priest-Klassiker nach, The Ripper, bei dem vor allem Robi am Mikro glänzte, sowie ein Instrumental vom vorherigen Album, Orient Express.
Prospect haben im Orto die nahenden Feiertage schön gewürzt, der einzige Minus punkt ist das zu kurze Konzert, denn es gab keine Vorband, und die Jungs haben ihr Ding in einer guten Stunde durchgezogen. Ein, zwei Songs vom Debüt #1 hätten sie ruhig noch dazupacken können, dann wäre das Maß mehr als voll gewesen. Aber auch die haben sich ihre Ruhe verdient, und obendrein killt Chronicles of Men live einfach.
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