Metal-Donnerstag im Channel Zero mit Batina, Thraw, Obduction und To Hate

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Autor: Rok Klemše

Ort: Channel Zero (Metelkova) / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 27.02.2008
Besucherzahl: 100
Ticketpreis: 5,00€

 Der Channel Zero hat letzten Donnerstag wieder zum inzwischen schon traditionellen Metal-Abend am Donnerstag geladen. Auch diesmal enterten vier slowenische Metal-Bands die Bühne, und wieder komme ich nicht drum herum, den beiden Veranstaltern zu danken, dass sie den Mut, die Lust und die Leidenschaft haben, solche Konzerte auf die Beine zu stellen. Erst recht in Ljubljana, wo „kleinere“ heimische Metal-Bands leider kaum die Ehre haben zu spielen. Ein richtig guter Grund, die Metal-Donnerstage zu besuchen, und es ist manchmal fast traurig, den Saal des Channel Zero so leer zu sehen. Vielleicht diesmal auch wegen des leicht höheren Eintritts als sonst, aber trotz 7€ Eintritt muss man einrechnen, dass man beim Bier massig spart, das im Channel schlappe 1,5€ kostet. Leute, nächstes Mal soll der Channel Zero voll sein!

Mit wackelnden Wänden legte die Hardcore/Metal-Truppe Batina aus Prekmurje los. Die Jungs spielen in der heutigen Besetzung erst seit gut einem Jahr, vor Kurzem haben sie ihre erste offizielle Aufnahme mit vier Songs veröffentlicht. Obwohl Hardcore beim Metal-Publikum eher belächelt wird, sind Batina der Beweis, dass das nicht immer so ist. Trotz des etwas schwächeren Sounds, unter dem vor allem die Gitarren litten und einen leicht versifften Klang bekamen, zockten die Jungs ihren guten halbstündigen Auftritt ohne Pause durch. Bei Batina gibt es keinen Platz für Mid-Tempo-Märchen oder langsame Schlaflieder, die Jungs aus Prekmurje feuern eine mit Adrenalin geimpfte Mischung aus Hardcore und Metal ab, die mich streckenweise an den Death/Thrash Metal von Bands wie Dew-Scented erinnert. Obwohl ich vor dem Konzert gegenüber den Fünfen leicht skeptisch war, zu Unrecht auch wegen ihres Aussehens, denn unter den fünf Mitgliedern findet sich kein einziger Langhaariger, haben Batina überzeugt. Sänger Matej Cvetko hat genau den richtig aggressiven Gesang, der klingt wie ein etwas zarterer Growl für einen romantischen Abend bei Kerzenschein, dabei aber klar und verständlich ist. Die Riffs des Gitarrenduos Kreslin/Kustec gingen wegen des schlechteren Sounds zwar eher unter, dafür hörte man den Bass von Andrej Matај (ex-Vulvathrone) und die Drums von Dominik Klekl umso besser. Wenn Batina das nächste Mal zuschlagen, seid dabei!

Schwer zu glauben, dass die Thrasher von Thraw aus Koroška ihren Einstand erst vor knapp vier Monaten gegeben haben, so beharrlich, wie die Jungs Bühnen einreißen und die slowenische Thrash-Metal-Szene anheizen. Ich würde sagen, dass es bei uns derzeit kaum eine Band gibt, die so fleißig live spielt, die Konzertkilometer summieren sich und summieren sich. Und diese Kilometer hört man der Band richtig an, denn mit jedem Auftritt wird sie besser. Die Band wird immer souveräner, was sich in der instrumentalen Präzision und im Kontakt zum Publikum zeigt, bei dem vor allem Aleksander „Mrtva reka“ Smode vorangeht. Die Riffs des Duos Ožbej/Domen haben sich schon längst in den Ohren festgesetzt, das Headbangen wird immer wilder, und Thraw sammeln eine richtige Legion von Fans, die bei jedem Konzert begeistert bangt und moshed. Die gespielten Songs waren diesmal Standard, aber deshalb nicht weniger druckvoll. Von der eröffnenden Condemnation bis zur letzten Eigenkomposition-Hymne Thraw! Thraw würzen ihr ohnehin schon gutes eigenes Material außerdem mit hervorragend gespielten Coverversionen, diesmal Over the Wall (Testament), Raining Blood (Slayer) und dem „Fan-Favourite“ Indians (Anthrax), die größte Überraschung war aber ein ganz frischer Zerstörer namens Induced Adrenaline, der zumindest für mich persönlich schon jetzt einer meiner liebsten Thraw-Songs ist. Und noch diesen Monat bekommen wir endlich das Thraw-Demo! Šuuuuuuuuus!!!

THRAW:
1. Condemnation
2. Over the Wall
3. Shelter of Lies
4. Induced Adrenaline
5. Raining Blood
6. Thraw
7. Indians

Die dritte Band in Folge war stilistisch vielleicht der größte Ausreißer aus dem Metal-Abend, aber egal: Obduction aus Kranj haben überrascht und die Anwesenden im Saal des Channel Zero für sich gewonnen. Obduction sind in der slowenischen Alternative-Szene auf jeden Fall kein unbekannter Name, die Band existiert schon seit 1993, hat aber einen bunten stilistischen Weg hinter sich, von melodischem Death Metal über Progressive und Heavy Metal, und hat sich heute im Alternative Rock/Metal eingependelt, wenn man schon unbedingt eine Schublade braucht. Mit der Sängerin Mojca (Spleen) in den eigenen Reihen hat sich die Besetzung von Obduction gefestigt, und vor Kurzem erschien die EP Peephole Into Emotions, die es sehr wohl wert ist, gehört zu werden, denn produktionstechnisch ist sie eines der ausgereiftesten Werke hierzulande. Richtig glänzend präsentierten sich Obduction auch auf der Bühne des Channel Zero und hatten vielleicht sogar den besten Sound des Abends. Bei Obduction wirkt die Musik auf den ersten Blick ziemlich simpel, doch die Wahrheit ist weit davon entfernt, denn live sind sie ein echter Leckerbissen für Gourmet-Ohren. Das Gitarrenduo Dado (ex-Dusk Delight)/Mirko bietet eine bunte Auswahl an spannenden Riffs und Rhythmusmustern und serviert obendrein das eine oder andere großartige Solo, hört euch nur mal den irren Sweep im Song One Moment an. Nicht weniger stark ist die extrem dynamische Rhythmusgruppe aus Gašper (Srečna mladina) am Bass und Goran (ex-God Scard) hinter den Drums. Über dem außergewöhnlichen instrumentalen Quartett schwebt dann noch Mojcas kraftvoller Frauengesang, der stellenweise an den von Sandra Nasic von den aufgelösten Guano Apes erinnert, mit dem Unterschied, dass Mojca stimmlich vielleicht sogar noch stärker ist. Peephole Into Emotions bietet auf jeden Fall keine Musik, die man auf Anhieb versteht, und war für manch einen vielleicht ein zu großer Brocken, aber ich bin überzeugt, dass von Obduction noch viel zu hören sein wird.

OBDUCTION:
1. Metaphor
2. Box
3. Sara
4. One Moment
5. White
6. Tool
7. Dilemma
8. Gravity

Den musikalisch wirklich bunten Abend mit dem tollen Line-up beschlossen die neue Hoffnung des slowenischen Melodic Death Metal, To Hate. Ihr Heimatort Čeršak wird offenbar zu einem richtigen kleinen slowenischen Göteborg, denn To Hate ballern genau den echten Göteborg-Death-Metal raus, den die meisten Bands von dort längst aufgegeben haben, allen voran In Flames, die in immer kommerziellere, MTV-freundlichere Gewässer des modernen Metal steuern. Als Fan der alten In Flames ist es deshalb umso schöner, To Hate zu hören, die Metal spielen, wie er die Anfänge der erwähnten schwedischen Riesen oder sogar ihrer Vorgänger Ceremonial Oath oder Passenger prägte. To Hate zockten ein leider viel zu schnell vorbeigegangenes Set aus druckvollem eigenem Material und legten noch hervorragend gespielte Coverversionen nach: My Kingdom Will Come der norwegischen Legenden Old Man’s Child sowie zum Abschluss das mörderische In-Flames-Doppel Episode 666 und Swim. Das eigene Material klingt live glänzend, und den Zauber des Ganzen steigert noch der charismatische Frontmann Jure Vandur (Sabaium), der die Ansagen geschickt meistert und sich auch mit einem kräftigen und klaren Growl auszeichnet, der ein bisschen an die Anfänge von Anders Friden (In Flames) oder Mikael Stanne (Dark Tranquillity) erinnert.

TO HATE
1. We Fuck’em Young
2. Colour of My Death
3. Burn Down With My Existence
4. My Kingdom Will Come
5. Room of Eternity
6. Key to the Suicide Area
7. Episode 666
8. Step of Truth
9. Swim

Damit ging ein weiterer Metal-Abend im Channel Zero zu Ende, der für den Fotografen und den Autor dieses Artikels mit einer stattlichen Zahl an Niederlagen im Tischfußball gegen das Heimteam des Channel Zero endete. Aber Übung macht den Meister… Und ihr verpasst bloß nicht den Metal-Abend am 27. März mit Inmate, Hiram, Almost Rage und Crossbreed!

Fotos: Aleš Podbrežnik
Text: Rok Klemše

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