Ein Spaziergang durch die Straßen von Gamma Ray und Helloween (2007)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: All Kart Halle / Kaufbeuren / Deutschland
Konzertdatum: 22.12.2007
Besucherzahl: 3500
Ticketpreis: 32,00€

Wenn du dir dasselbe Konzert wirklich noch einmal ansehen willst, muss es in jeder Hinsicht ein Highlight sein. Eines davon war ohne Zweifel das diesjährige Konzert von Helloween und Gamma Ray in Belgrad, das im Rahmen der historischen Hellish Rock-Tour stattfand. Auf ihr standen erstmals zwei miteinander verbundene und verflochtene Bands gemeinsam auf der Bühne. Gamma Ray sind die Band des legendären kleinen Schreihalses Kai Hansen, einem der beiden Gründer von Helloween (der andere ist Michael „ich qualme wie ein Türke“ Weikath). Mit Helloween nahm Kai das Kultalbum Walls of Jericho auf, das er auch eingekreischt hat, sowie beide Teile der noch kultigeren Schlüssel-Saga The Keeper of the Seven Keys Part I & II, auf denen er den Gesang an Michael Kiske abgab. Nach der Tour zum zweiten Teil verließ er Helloween wegen unterschiedlicher Ansichten über die musikalische Ausrichtung. Zu den legendären Kürbissen nur ein Satz: eine Band mit über zwanzigjähriger Karriere, die sie auf den Thron des europäischen Power Metal gehievt hat, auf dem sie bis heute sitzen… und zwar bombenfest und sorglos, denn eingeholt hat sie noch keiner. In Belgrad haben die Jungs ein derart spektakuläres Konzert hingelegt, dass man sie einfach noch einmal sehen musste. Am nächsten kamen sie uns diesmal im deutschen Städtchen Kaufbeuren. Die Fahrt verging in bester Gesellschaft der Metaller von der Küste und aus Innerkrain (ich weiß immer noch nicht, was ihr Leute aus Postojna eigentlich seid, hehe) wie im Flug, und schon standen wir in der All Kart Halle, wo es sonst nach verbranntem Gummi stinkt, weil die Halle fürs Gokart-Rennen gedacht ist.

Auf dem deutschen Teil der Tour wurden Helloween und Gamma Ray noch von Axxis begleitet, einer deutschen Hard-Rock-/Heavy-Metal-Band mit langer Karriere, die schon seit 1988 läuft. Gerade erst haben sie ihr zwölftes Studioalbum Doom of Destiny veröffentlicht, und mit dem Titeltrack des Albums eröffneten sie auch ihre 40 Minuten. Die schön gefüllte Halle wurde von Axxis ordentlich aufgeheizt, die Deutschen kannten auch die Texte gut und sangen die Refrains gemeinsam mit Bernhard Weiss. Bei ein paar Songs gesellte sich die Sängerin der rumänischen Band Magica, Ana Mladinovici, zu den Jungs auf die Bühne. Ich persönlich finde ja, dass Axxis ohne weibliche Vocals deutlich besser funktionieren, weil sie mit ihnen wie ein ziemlich generischer Pop/Power Metal à la Nightwish klingen. Viel besser klangen deshalb Klassiker wie Little War und vor allem der Hit Living in a World sowie Kingdom of the Night. Den Sound haben die deutschen Perfektionisten aufs Optimum gebracht, Marcs Soli und die gute Rhythmusgruppe waren glasklar zu hören, nur Bernhards Gesang hätte man zwischendurch etwas lauter drehen können, der war nämlich mehr als hervorragend… gesanglich, denn sonst legt er auf der Bühne die idiotischsten Bewegungen hin, die ich je auf einer Bühne gesehen habe. Er wirkte, als würde ihn gerade ein heftiger epileptischer Anfall packen (Höhenepilepsie, hehe), gemischt mit modernem „Tanz“. Ich nehme an, er hat sie nicht vor dem Spiegel einstudiert, und falls doch… für solche Leute gibt es spezielle Einrichtungen. Axxis haben solide abgeliefert, aber leider ohne Highlights, in die Setlist hätten mehr ältere Songs gehört, und Bernhard, um Gottes willen, steh nächstes Mal lieber still!

AXXIS:
1. Doom Of Destiny
2. Tales Of Glory Islands
3. Little War
4. Take My Hand
5. Bloodangel
6. Angel Of Death
7. Living In A World
8. Little Look Back
9. Kingdom Of The Night

Deutsche Pünktlichkeit hat sich wieder einmal bewahrheitet, denn auf die Minute genau zur angekündigten Zeit hießen uns Gamma Ray mit Welcome willkommen, und bei den ersten Takten des Klassikers Heaven Can Wait hob die Halle ab. Die Band war vor heimischem Publikum bis zum Anschlag aufgedreht, Kai legte auf der Bühne echte Turnakrobatik hin, Gitarrist Henjo Richter brachte mich mit seinem ewig präsenten „Dave Murray“-Grinsen und dem John-Lennon-Brillchen wieder zum Lachen, verblüffte aber zugleich mit stets sauberen und präzisen Soli, die er und Kai sich zuspielen, als wäre es ein Kinderspiel. In der Rhythmusgruppe regierte wieder Joey DeMaio… ähm… Dirk „Liebesteppich“ Schlächter mit seinem ultrageilen Lederleibchen, dazu Drummer Dan Zimmerman, der dich mit dem Mikrofon, das er während des ganzen Konzerts nur für ein paar zufällige „Dankeschön“ benutzt, zu Lachkrämpfen bringt. Aber Gamma Ray sind nicht nur lustig, nebenbei verblüffen sie mit der unglaublichen Eingespieltheit der ganzen Truppe und einer Energie, die größtenteils im großen Frontmann Kai steckt. In gut einer Stunde und einer Viertelstunde reihten sie Hits wie New World Order, Valley of the Kings, Rebellion in a Dreamland aneinander, dazu das schon wieder in die Länge gezogene Heavy Metal Universe mit Publikumsbeteiligung und den schon wieder brutal abgehackten, nur teilweise gespielten ewigen Helloween-Klassiker Ride the Sky. Das großartige The Silence, das sie in Belgrad gespielt haben, wurde hier leider durch das ziemlich durchschnittliche Empress vom neuen Album Land of the Free II ersetzt, und den Beginn der Geschichte mit Land of the Free ersetzte zum Glück das hervorragende Somewhere Out in Space. Natürlich fehlte auch der obligatorische Killer-Opener des neuen Albums Into the Storm nicht, der ein echtes Konzertgewitter ist, und Gamma Ray verabschiedeten sich für zwei Stunden Pause mit dem wunderschönen Send Me a Sign. Noch einmal: Gamma Ray nach Slowenien!

GAMMA RAY:
1. Welcome (Intro)
2. Heaven Can Wait
3. New World Order
4. Valley Of The Kings
5. Fight
6. Empress
7. Rebellion In A Dreamland
8. Into The Storm
9. Heavy Metal Universe
10. Ride The Sky
11. Somewhere Out In Space
—Zugabe—
12. Send Me A Sign

Wieder konnten wir nur staunen, in welchem Tempo die Roadies alles wegräumen und für Helloween vorbereiten, wieder die sprichwörtliche deutsche „pünktlichkeit“, und aus den Lautsprechern dröhnte schon das Stimmchen von Biff Byford (Saxon) im Intro Crack the Riddle. Schon auf den ersten, schnellen Blick war die Bühne im Vergleich zur Belgrader deutlich luxuriöser. In Belgrad waren die Figur vom Cover des neuen Albums und das Glücksrad nur auf dem Banner, hier aber leisteten sich Helloween gleich eine zwei Meter hohe Figur und ein echtes Glücksrad, das Dani Löble drehte, und die Show begann, wieder mit einem schockierend guten Opener, dem epischen dreizehnminütigen Leckerbissen Halloween, mit dem uns die legendären deutschen Kürbisse durch die Straßen von Halloween führten, aus denen es keinen Ausweg gibt. „AAAAAAAA, it’s Halloweeen!!!“. Andi Deris hat sich gleich zu Beginn des Konzerts wieder als hervorragender Sänger bewiesen, mehr noch, ich finde, Andi wird mit jeder neuen Veröffentlichung besser und besser, was er auch auf der Bühne mehr als zufriedenstellend zeigt. Aber Helloween definieren nicht nur instrumentale und gesangliche Perfektion, ich wage zu behaupten, dass das die Band ist, die sich auf der Bühne das meiste Funkeln, Rumalbern und pure „Trademark-Helloween“-Blödelei erlaubt, was sich besonders Andi und Markus in ihrer Interaktion gönnen. Weiki ist sowieso immer noch todcool, aber zum Wegschmeißen komisch mit seinen traditionellen Handbewegungen und der ewig präsenten Kippe im Mund. Helloween ließen uns natürlich keine Luft zum Atmen, es folgte ein weiterer zerstörerischer Klassiker, mein geliebtes Soul Survivor vom hervorragenden Album Master of the Rings. Mit einem weiteren Killer, March of Time, bewiesen Helloween, dass sie verdammt gut eine Setlist zusammenstellen und den Fans in die Herzen pusten können, was ich von einer anderen Band kaum behaupten könnte (ja, ich ziele auf Iron Maiden). Das Publikum drehte bei den Klassikern verständlicherweise durch, zwar nicht so wie die leidenschaftlichen Serben, aber die Reaktion war völlig zufriedenstellend, und beim phänomenalen Refrain von March of Time liefen einem die Schauer von selbst über den Körper. Die Zeit marschierte unaufhaltsam weiter, und die Jungs beruhigten das wilde Treiben mit der Ballade As Long As I Fall vom neuen Album Gambling With the Devil. Den vermutlich schönsten Moment des Konzerts erlebten wir mit der wundervollen Ballade A Tale That Wasn’t Right, die bei angeschalteten Handys und Feuerzeugen noch magischer wirkte. Und dann endlich der Moment, auf den ich seit Belgrad gewartet habe, wo wir ihn wegen der kleinen Bühne nicht bekamen – die neue Helloween-Blödelei. Diesmal begann Dani mit einem Drumsolo, das vom Hochfahren der Bühnenkulisse an seiner Seite unterbrochen wurde, wo in Shorts verkleidet Andi, Markus und Sacha (ZZ Top, hehe) auftauchten und Smoke on the Water abfeuerten, das Andi mit Heliumstimme sang. Zwei Strophen schafften sie, dann marschierte Terminator Weiki auf die Bühne und knallte sie kaltblütig ab, nach dem Motto, so einen Scheiß höre er sich garantiert nicht an. Ja, die Halle krepierte vor Lachen. Dani gönnte sich dann verständlicherweise ein spektakuläres Drumsolo auf seinem neuen Spielzeug, danach ballerten sie gemeinsam noch das unverwechselbare Epos King for a Thousand Years raus, das die Schlüssel-Saga abschließt. Dass Eagle Fly Free ein Live-Knaller mit Publikumsbeteiligung ist, muss man nicht extra betonen, sehr gut kommt auch der neue Song The Bells of the Seven Hells an. We Burn aus Belgrad wurde diesmal komplett durch das himmlische If I Could Fly ersetzt, und den regulären Teil beendeten sie typisch rumalbernd mit dem verrückten Wissenschaftler, Dr. Stein. Nach einer kurzen Pause kehrte der geschniegelte Andi im Smoking, mit Hut und Spazierstock auf die Bühne zurück, und was da folgen musste, war natürlich nichts anderes als Perfect Gentleman, den Andi in die Länge zog und für die Bandvorstellung nutzte, dabei nahm er sich Weiki vor und erinnerte ihn daran, dass er bald in Deutschland nicht mehr auf der Bühne rauchen darf. Die Mischung im Medley war richtig gut, denn Helloween reihten noch I Can, Where the Rain Grows, Power und Keeper of the Seven Keys aneinander. Dann noch die zweite Zugabe und natürlich der Moment, auf den alle gewartet haben und der eigentlich der Grund für die gemeinsame Tour ist – Gamma Ray und Helloween komplett (mit Ausnahme von Zimmerman) mit allen Mitgliedern auf der Bühne. Die Klassiker Future World und I Want Out in dieser Besetzung gespielt sind wirklich etwas Unwiederholbares, und vier Gitarristen, zwei Bassisten und zwei Sänger auf der Bühne zu sehen, brennt sich dir für immer ins Gedächtnis ein. Dass du zehn volle Minuten mit offenem Mund dastehst und dir alle Haare zu Berge stehen, ist klar, oder? Vor dem Konzert war ich skeptisch, ob es an die Großartigkeit des Belgrader Konzerts herankommen kann, aber es hat es sogar übertroffen, in Kaufbeuren lag in Gesellschaft von Helloween und Gamma Ray „magic in the air“. Der unvergessliche Konzerthöhepunkt des Jahres, den man auch nächstes Jahr kaum übertreffen wird. „Super affen geil!“

HELLOWEEN:
1. Crack The Riddle (intro)
2. Halloween
3. Sole Survivor
4. March Of Time
5. As Long As I Fall
6. A Tale That Wasn’t Right
7. Drum solo
8. King For A 1000 Years
9. Eagle Fly Free
10. The Bells Of The 7 Hells
11. If I Could Fly
12. Dr. Stein
—Zugabe 1—
13 . Medley:
-Perfect Gentleman Pt.1
-I Can
-Where The Rain Grows
-Perfect Gentleman Pt.2
-Power
-Keeper Of The Seven Keys
—Zugabe 2—
14. Future World (mit Gamma Ray)
15. I Want Out (mit Gamma Ray)

Fotos: Aleš Podbrežnik
Text: Rok Klemše

Setlist

AXXIS:
1. Doom Of Destiny
2. Tales Of Glory Islands
3. Little War
4. Take My Hand
5. Bloodangel
6. Angel Of Death
7. Living In A World
8. Little Look Back
9. Kingdom Of The Night

GAMMA RAY:
1. Welcome (Intro)
2. Heaven Can Wait
3. New World Order
4. Valley Of The Kings
5. Fight
6. Empress
7. Rebellion In A Dreamland
8. Into The Storm
9. Heavy Metal Universe
10. Ride The Sky
11. Somewhere Out In Space
—Zugabe—
12. Send Me A Sign

HELLOWEEN:
1. Crack The Riddle (intro)
2. Halloween
3. Sole Survivor
4. March Of Time
5. As Long As I Fall
6. A Tale That Wasn’t Right
7. Drum solo
8. King For A 1000 Years
9. Eagle Fly Free
10. The Bells Of The 7 Hells
11. If I Could Fly
12. Dr. Stein
—Zugabe 1—
13 . Medley:
-Perfect Gentleman Pt.1
-I Can
-Where The Rain Grows
-Perfect Gentleman Pt.2
-Power
-Keeper Of The Seven Keys
—Zugabe 2—
14. Future World (mit Gamma Ray)
15. I Want Out (mit Gamma Ray)

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