W.A.S.P. haben auch beim vierten Anlauf mörderisch zugeschlagen! (2007)

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Ort: New Age Club / Roncade (Treviso) / Italien
Konzertdatum: 11.12.2007
Besucherzahl: 500
Ticketpreis: 29,00€

Es ist nun mal so, dass es im Rock’n’Roll eine unfassbare Menge an Bands gibt, die ich mir nicht live anschauen würde, selbst wenn sie mir auf der heimischen Terrasse spielen würden; manche davon sind sogar von der Sorte, vor denen ich von eben dieser Terrasse aus ins nächste freundliche Loch mit einem Laško flüchten würde. Auf der anderen Seite stehen die Bands, die ich mir auch dann ansehe, wenn mir irgendein lebenswichtiges Teil meiner runden Form fehlt, und die kalifornischen Scheißer WASP mit dem alten Furzer Blackie und seinen „Fuck-me“-Piratenstiefeln stehen ganz oben auf dieser Liste. Also haben wir uns am Mittwoch in mein Fortbewegungsmittel deutscher Herkunft gepackt (German Quality, jaaaaaa) und sind Richtung neues zweites Zuhause losgebrettert, den New Age Club in Treviso, denn dort wartete ein Konzert für die Götter – „The Crimson Idol“, eines der besten Alben der Metal-Geschichte, komplett durchgezogen!

Wenn wir die Nebenschauplätze mit den Lachsalven auf der Fahrt mal weglassen: Zwei Männlein und drei Weiblein sind wir gegen 21.00 vor dem Club aufgeschlagen, haben die Karten abgeholt und uns den Freuden des Wartens hingegeben, bis um 23.00 in dem ordentlich gefüllten Club die Lichter ausgingen, die Ventilatoren surrten und der geniale DJ mit seinem Enter Sandman verstummte. Verdunkelung, Intro und dann eine Welle der Begeisterung – WASP stehen auf der Bühne! Zack, waren wir zu dritt, im Vergleich zu den kleinen Italienern die „Riesen“ aus Slowenien in der ersten Reihe, und haben voller Inbrunst mit Blackie mitgesungen: „I look at my face in the Mirror…..!“ Ja, WASP sind einen würdigen Weg gegangen und haben, anders als Queensryche, die in meinem Beisein ihr erstes Mind Crime nur zur Hälfte abgefackelt haben, ohne Intros und Zwischenteile, ihre Karrierekrone komplett gespielt, samt allen Zwischenteilen. SCHUUUUUSS!!!! Ohne Ansagen ans Publikum, ohne Unterbrechung, ohne die kleinste Pause und ohne Lückenfüller, das war „The Crimson Idol“ wie auf der Platte, aber offensichtlich live, ohne (mit Ausnahme der Keyboards und der Sprechparts von Nebenfiguren à la Manager Alex Rodman) „Playbacks“. Und die Leute konnten alles, vom ersten großen Anfangsbuchstaben bis zum letzten Punkt. So ein Anblick ist nicht alltäglich! Überall Ausdrücke völliger Ekstase auf den Gesichtern des Publikums (größtenteils Slowenen und Kroaten!), alles aufgeknöpft und rausgebrüllt. Die Band bis zum Anschlag aufgeheizt – Blackie mit seiner klassischen Kühle und Präzision wie der Große Diktator, und neben ihm hüpfen Mike Duda am Bass und der nicht ganz normale Doug Blair an der Gitarre herum, lachen und posen, was das Zeug hält. Dem Letzteren könnte man einen eigenen Absatz widmen – der Typ ist nicht normal! Mit phänomenalen Gitarren (LPs mit ausgehöhlten („scalloped“) Bünden und spitzen Hälsen, Doppelhälse mit Akustik-Simulatoren, Washburns mit Beleuchtung im Korpus zwischen den Tonabnehmern…) hat er die Soli so rausgehauen, dass mir die Zunge bis zum Boden hing, und dabei hat er sich auch noch ins Fäustchen gelacht. Titanic Overture, The Invisible Boy und Arena of Pleasure sind einfach an uns vorbeigerauscht, und es war Zeit für den ersten totalen Ausraster – die ewige Kettensäge und Chainsaw Charlie! Das Volk ging überall ab, das Donnern von „Murders, Murders In The New Morgue“ hat wohl weit um die Halle herum widergehallt. Aber keine Pause! Gypsy Meets The Boy und gleich danach Doctor Rockter, noch eine verlorene Perle der goldenen Ära des Heavy Metal.

Die Hitze war trotz der Ventilatoren auf 11 unerträglich, und der Schweiß floss bei Herrn Lawless wieder in Strömen. Aber zum Nachdenken darüber blieb keine Zeit, in irrem Tempo servierten uns die Herren I Am One, und dann nahmen sie die Sache doch etwas raus. Es folgten nämlich zwei Balladen, The Idol und Hold On To My Heart. Bei Letzterer wäre ich fast durchgedreht, denn es ist meine liebste Ballade aller Zeiten, und sie live nur einen Meter von Blackie entfernt zu hören, mit der Freundin im Arm, war ein wirklich besonderes Gefühl. Die Balladen waren aber nur die Ruhe vor dem Sturm – das Album und der erste Teil des Konzerts enden nämlich mit dem grandiosen The Great Misconceptions Of Me, dessen Atmosphäre sich nicht beschreiben lässt, das muss man einfach erleben. Nach dieser guten Stunde Wahnsinn, die sonst die übliche „Leistung“ eines WASP-Konzerts ausmacht, verzogen sich die Jungs für ein paar Minuten, und wir hatten nicht mal Zeit, unsere Gedanken zu sammeln, als es schon donnerte „I don’t need no doctor, all I need is my LOVE machine!“ und das Volk gleich noch mal ausklinkte. War’s das? Nö, nö…! „I’m a Wildchild. Come And Love Me!“ Der Klassiker vom Album „The Last Command“ löste wie immer eine irre Reaktion aus, in der ersten Reihe hätte es mich fast zerrissen, aber die Mühe hat sich gelohnt – der Große Diktator hat mich bemerkt, hat mich angegrinst und mir einfach so ein Plektrum zugeschnippt – yes!

Das Konzertende rückte näher, wir hatten eine Top-Version von Take Me Up vom neuen Album „Dominator“ „abgeslamt“, und am Horizont wartete der Abschluss des Abends mit Blind in Texas. Blackie bewies sich zuerst mit einem unmenschlich langen und hohen Schrei und zeigte dann, dass er trotz Minimalismus auf der Bühne nach wie vor zum Club der besten „Frontmänner“ gehört, denen das Publikum immer blind folgt, denn mitten im größten Wahnsinn des Songs hob er den Kopf, schaute und brachte mit einem kurzen „Schhhht“ in einer Hundertstelsekunde die ganze Halle zum Schweigen und verzauberte sie. Unglaublich! Als er sich zufrieden von der „Untertänigkeit“ der Leute überzeugt hatte, konnte der Song weitergehen und schließlich doch noch einen außergewöhnlichen Konzertabend beenden. Was soll man zum Schluss sagen? Wir waren Zeugen eines Top-Konzerts, das den Preis für Ticket und Sprit mehr als gerechtfertigt hat, und dafür spricht auch der leergeräumte Stand (offizielles „Merchandise“ der Band), der nach dem Konzert trotz guter Bestückung nur noch die Rippen zeigte. Steven Duren aka Blackie Lawless – noch auf viele, viele Jahre!

Fotos: Martin Prezelj

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