Dado Topić hat mit Time die Uhr um gute dreißig Jahre zurückgedreht! (2007)

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Ort: Cvetličarna Mediapark, Ljubljana
Konzertdatum: 12.12.2007
Besucherzahl: 500
Ticketpreis: 18€

 Was ist eigentlich der Kern des ungezähmten Rock & Roll aus dem Gebiet des ehemaligen gemeinsamen Staates Jugoslawien?! Wer von euch als Erstes an Bijelo Dugme, Smak, September und ähnliche Bands denkt, wird sich beim Namen Time ganz schnell auf die Zunge beißen – der Band des legendären Dado Topić, einer der größten Ikonen der Balkan-Rockszene. Zwar ohne die üblichen Evergreen-Singalong-Hits, gehören Time vor allem dank ihres unglaublichen Bassisten und Sängers definitiv in die Liga der größten und einflussreichsten Rockformationen des einstigen Landes.

Die legendären Time in der Besetzung Dado Topić, Vedran Božić und Ratko Divjak haben sich nach ihrem kurzen Besuch in Šiška im letzten Jahr einmal mehr als blendend geölte Maschine bewiesen, die sich beim nostalgischen Spaziergang durch ihr beneidenswertes musikalisches Erbe um keinen Preis aus der Ruhe bringen lässt. Dazu passt die Tatsache, dass seit der Feuertaufe Anfang der Siebziger, mit der die Band Time – damals noch als Quintett – in die gnadenlose und entsprechend knallhart umkämpfte Musikszene geworfen wurde, dieses Jahr schon sechsunddreißig Jahre vergangen sind! Und auch wenn die Jahre offensichtlich ebenfalls an Topićs heute schon leicht angeschlagener Stimme genagt haben, würde man dem Herrn seine achtundfünfzig Jahre nicht mal im Traum abnehmen. Dado sieht einfach bestens aus, und sein Spiel ist allen Jahren zum Trotz immer noch beseelt feurig und vor allem eine mit dem Herzen dirigierte musikalische Agitation, wie sie eines großen Meisters würdig ist.

Der gute alte Dado legte während des gut zweistündigen Auftritts mit herzlicher Performance durchgehend unverstellte Liebenswürdigkeit und Verständnis an den Tag, und zwar sowohl für die eigenen Songs als auch für das begeisterte Publikum. Das bestand, wie wir es bei solchen Auftritten von Rocklegenden schon gewohnt sind, aus Alt und Jung, diesmal größtenteils männlich, nach Geburtsjahr vorbildlich aufgereiht: von den jüngsten „blutdürstigen“ Kriegern direkt an der Bühne bis zum Generalstab der alten Rockergarde, mehr oder weniger direkt hinter den ersten Kampflinien einquartiert. Das Programm, das das Trio Time für die unverbesserlichen Rockerseelen vorbereitet hatte, war in extrem lockerer Stimmung geliefert im Grunde ein Komplettpaket der größten Triumphe der Band, fachmännisch gepflegt mit den obligatorischen instrumentalen Spielereien, in denen Elemente des alten Rock ebenso aufeinandertrafen wie oft auch Funk, Jazz und schließlich natürlich auch die obligatorischen orientalisch angehauchten Motive im Stil des unverzichtbaren Mazedonien.

Dass Mazedonien einer der Höhepunkte des Konzerts sein würde, war praktisch jedem schon zu Beginn des Abends klar. Ähnlich brauchte man auch keine besonderen prophetischen Veranlagungen für die nicht gerade gewagte Vorhersage, wie bombastisch die Wirkung von Život u Čizmama s Visokom Petom, Elizabet, Igraj, Narode Moj, dem verspielt aufgelegten Dok Ja I Moj Miš Sviramo Jazz und natürlich auch des erwarteten Duetts mit Topićs großem Freund Janez Bončina – Benč sein würde. Mehr herzlich als übertrieben hochwertig brachte die Version von „ihrem“ Majko Zemljo die Cvetličarna für einen Moment zurück in die Zeit der Parolen von Brüderlichkeit und Einheit, in die Epoche, in der – nach Topićs eigenen Worten – „alles so ehrlich und einfach schien“. Schön, was sonst! Und gebt zu: In so einer heimeligen, von nostalgischem Aroma durchtränkten Atmosphäre lassen sich aus der gnadenlosen Konkurrenz scharf geschliffener Sägen die Höhepunkte des Abends wirklich schwer herausfiltern. Vielleicht gerade die unfehlbare Istnina Mašina oder Živjeti Slobodno, die nach dem Vorbild der schon erwähnten Perlen die Herzschläge pro Minute immer bis zur oberen erlaubten Grenze hochjagen. Im wilden Strudel aus Rock & Roll wirkten die langsameren Songs wie echte „Partybreaker“, natürlich im übertragenen Sinne, auf jeden Fall aber wie Momente, die Topićs unverwechselbarem Gesang neben einer willkommenen Verschnaufpause auch die Gelegenheit boten, sich der verführerischen Tiefe seiner Stimme hinzugeben. Dali Znaš Da Te Volim, Kralj Alkohol und Za Koji Život Treba Da Se Rodim waren allesamt mehr als hervorragend, eigentlich schon die letzten Finessen eines Abends, der insgesamt ein Triumph im wahrsten Sinne des Wortes war. Eine unwiederholbare Vorstellung eines monumentalen musikalischen Kollektivs!

Text: Daniel Pavlica
Fotos: Mojca Perdih

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