Električni orgazam v Cvetličarni!
Ort: Cvetličarna MediaPark, Ljubljana
Konzertdatum: 14.11.2007
Besucherzahl: 0
Ticketpreis: 15,00€ / 18,00€
Vor langer, langer Zeit, noch unter jugoslawischer Herrschaft, als der politisch-ökonomische Siedepunkt noch ein paar Grad über dem lag, was wir heute auf demselben Gebiet kennen, brodelte in der damaligen Hauptstadt Belgrad eine völlig neue kreative Energie, die mit ihrer Intensität und der entsprechend kurzen Lebensdauer das gesamte vereinte Territorium überraschte. Dieser kreative Wendepunkt erblickte 1981 unter dem gemeinsamen Namen Paket Aranžma das Licht der Welt. Es ging um ein Trio junger, noch unbekannter Bands, die für das Album jeweils drei bis vier innovative Songs beisteuerten, aus einer bis dahin eher ungewöhnlichen Perspektive, und die den Anbruch einer neuen Ära ankündigten. Der Sound der Tage, die erst kommen sollten, die sich gerade erst auf dem Brandplatz der Schlachten, Höhenflüge und Abstürze von gestern zusammenbrauten, trug zugleich die Botschaft in sich, dass diese Neugeburt auch ihr endgültiges Ende bringt, das zweifellos knapp ein Jahrzehnt später kam.
So wie die Zeit das Ende des gemeinsamen, einheitlichen Staates brachte, brachte sie auch das Ende der Hauptakteure von Paket Aranžma, der Bands Šarlo Akrobata und (VIS) Idoli, übrig blieben nur Električni Orgazam. Sie sind bis heute in einer halbwegs originalen Besetzung übrig geblieben und haben nach langer Zeit endlich auch wieder nach Ljubljana diesen einst rebellischen, heute nostalgischen Geist einer anderen Zeit, eines anderen Lebens mitgebracht. Aber die Songs sind dieselben geblieben. Fast. Irgendwo auf dem langen Weg, der von allerlei Ab- und Zugängen in der Band und anderen Schwierigkeiten (und Erfolgen) gepflastert war, hat man zeitweise das Gefühl, dass Električni Orgazam deutlich mehr gefallen wollen, als sie es früher wollten. Die Schärfe ist stumpfer geworden, die Direktheit dafür verträglicher und zugänglicher. Andererseits werden auch die Rolling Stones von niemandem mehr mit denselben Lobeshymnen bedacht wie vor dreißig und mehr Jahren. Und auch Pink Floyd oder Led Zeppelin und andere Legenden bedeuten heute längst nicht mehr das, was sie einmal bedeutet haben.
Auf jeden Fall weiß die Band genau, was das Publikum am liebsten hören will, also überrascht es nicht, dass sie sich vor allem auf Songs von den Kultalben Električni Orgazam (1981), Distorzija (1986) und Letim, Sanjam, Dišem (1988) konzentriert haben. Klanglich bewegten sie sich irgendwo zwischen Elektropop im Stil von Kraftwerk, weshalb sie in einen eigenen Song auch gleich die Hauptmelodie von The Model der eben genannten Band einflochten, dem Postpunk, wie er für Bands an der Schwelle von den Siebzigern zu den Achtzigern typisch war, und Boogie Rock mit Schwerpunkt auf längeren instrumentalen Ausflügen. Einer der interessanteren Schachzüge war auch der Einbau von David Bowies The Man Who Sold The World, die sie 1983 für das Coveralbum Les Chansones Populaires aufgenommen hatten. Zu denen, die das Publikum am meisten aufgeheizt haben, gehörten außerdem Kapetan Esid aus dem regulären Teil des Auftritts und Igra Rock & Roll Cela Jugoslavija aus der einzigen Zugabe. Ansonsten spielten sie in ihrem fast zweistündigen Auftritt eine ganz ordentliche Zahl größerer und kleinerer Hits aus der gesamten Bandgeschichte, von den eben erwähnten Alben bis hin zu ihrem bislang letzten Studioprojekt aus dem Jahr 2002 mit dem Titel Harmonajzer.
Eigentlich sollte dieses Konzert als eine Art Best-of der Band angekündigt werden, was es in weiten Teilen auch war, und angesichts dessen, dass in der ansonsten ziemlich vollen Halle eine ganz schöne Menge etwas jüngeres Publikum stand, das zu der Zeit, als Električni Orgazam entstanden, höchstwahrscheinlich noch Märchen gelauscht hat, überrascht es nicht, dass die Musik in eine noch poppigere Manier umgearbeitet wurde und dadurch vielleicht etwas weniger reizvoll für die echten Fans war, die mit der Band groß geworden sind. Aber die Zeiten sind heute eben anders als vor zwanzig und mehr Jahren, und die damalige Neue Welle ist heute nicht mehr das, was sie damals war. Nostalgie ist immer in romantischere Farben getaucht, als es in Wirklichkeit der Fall war, trotzdem waren Električni Orgazam, wie es der Name schon sagt, bis zum Schluss elektrisch, bis zum Orgasmus hat aber doch noch einiges gefehlt.