Queensryche : Condition Human

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Label: Century Media Records
Produktion: Chris „Zeuss“ Harris
Erscheinungsdatum: 02.10.2015
Albumlänge: 64.23 min
Genre: Art Metal


Queensryche melden sich mit ihrem zweiten Studioalbum zurück, nach dem Schiffbruch der Band während der quälenden Trennung vom Originalsänger Geoff Tate. Mit dem Vorgänger »Queensryche«, dem ersten Album ohne Tate am Mikro, haben Queensryche nach fast zwanzig Jahren endlich wieder aufgeatmet. Aufgeatmet im Sinne echter Einigkeit. Endlich waren sie den Diktator los, der ihnen vorschrieb, welche musikalischen Richtungen sie einzuschlagen hätten. Das Album »Queensryche« war daher eine vollkommene Rückkehr in die Achtziger. Kompatibel mit allen Alben der Achtziger. Also eine Rückkehr zum alten Stil. Fans der Band, die nach »Promised Land« (1994) partout kein Album bekamen, das sie sich erhofft und vorgestellt hatten, kamen endlich auf ihre Kosten.

Was beim Album »Queensryche« vielleicht etwas störte, war die Erkenntnis, dass das Album extrem kurz ausgefallen ist – rund 35 Minuten Spielzeit. Es war vor allem ein vorsichtiges Album. Ein Album, das nach den Umbrüchen entstand, die die Band durchgemacht hatte. Die Band griff daher auf bewährte Motive und Phrasen zurück, von denen sie wusste, dass sie bei den Fans zünden würden, die den Sound und Stil verlangten, den Queensryche in den Achtzigern gepflegt hatte. Das bekamen sie auch. Ein sehr starkes Album.

»Condition Human« setzt den Weg des Vorgängers fort und ist von der Laufzeit her fast doppelt so lang. Die Band, die durch Todd La Torres Ankunft als Sänger vollständig wiedergeboren wurde, hat sogar von dem Gedanken abgelassen, alte Ideen zu verwenden, die bis dahin in Michael Wiltons verstaubten Archivschubladen schlummerten. Die Band fand in den vergangenen zwei Jahren plötzlich so viel kreativen Antrieb, dass sie im Grunde völlig frisches Eigenmaterial zusammengestellt hat. Das neue Queensryche-Album bringt eine noch aufregendere Fortsetzung der Geschichte, die auf dem Vorgänger angelegt wurde. Es ist nämlich spürbar progressiver und ideenreicher und damit im musikalischen Artismus eindeutig anspruchsvoller.

Die Songs entstanden im Team. In einer Kombination aus mehreren Autoren, die das Material feilten. Das Album trägt die unverkennbare, ja sogar einzigartige Charisma, an der jedes klassische Queensryche-Album zu erkennen ist. Vergleicht man es mit anderen, hätte es eigentlich direkt nach »Operation: Mindcrime« entstehen müssen. Die Atmosphäre ist größtenteils ausgesprochen düster (Guardian, Toxic Remedy), und das I-Tüpfelchen auf dem »Drama-Theater« setzt natürlich die moderne Produktion. Es gibt nicht wenige Momente, die stark an die Zeiten des Albums »Operation: Mindcrime« erinnern; wo aber die Songs nach klassischer Old-School-Manier des amerikanischen Speed Metal angelegt sind, ziehen die neuen Ideen sogar in die allerfrüheste Periode, zum Album »Warning«. »Condition Human« ist ein ideenreiches, äußerst vielschichtiges Album. Die Songs tragen ein Chorus-Crescendo, das üblicherweise durch Backing Vocals zusätzlich harmonisiert wird. Die Band fügt dem neuen Album in größerem Maße auch Samples hinzu, sogar programmierte Loops, um die Atmosphäre zu vertiefen – und die Songs gewinnen an diesen Stellen an progressiven Elementen (hier ziehen die Dinge hin zu »Operation: Mindcrime«; das außergewöhnliche Hellfire erinnert strukturell in vielerlei Hinsicht an Sister Mary Suite, ist aber deutlich rauer). Die mittleren Instrumentalparts werden erneut mehr als meisterhaft für atmosphärische Wendungen genutzt.

Die Band schrieb die Songs unter der Lupe und feilte an den Details. In kurzer Zeit haben Queensryche ein wirklich hervorragendes Album geschaffen, auf dem man keinen schwachen Punkt findet. La Torre ist am Mikro außergewöhnlich. Die Stimmhöhe und Kraft, die er entfaltet, sind extrem – vergleichbar mit John Cyriis (Agent Steel) oder Midnight (Crimson Glory). Queensryche sind mit diesem Album nicht in die Windeln zurückgekehrt, um vorsichtig aus bewährten, schon abgegriffenen Ideen der Vergangenheit abzuschreiben. Sie haben ein Album abgeliefert, das nach »Operation: Mindcrime« hätte entstehen müssen. Also ein Album, das nicht eine Spur von Pop-Elementen hat, wie man sie auf »Empire« noch schnuppern konnte. »Condition Human« ist also ein frisch inspiriertes Album, das von Kopf bis Fuß zu 100% dem Heavy Metal der klassischen amerikanischen Schule verschrieben ist. Angesichts der unverkennbaren und ureigenen künstlerischen Note, die die Gruppe durch ihre Evolution entwickelt hat, enthält es aber auch eine progressive Note, was es anders und besonders macht – dabei jedoch in jeder Hinsicht vollkommen Queensryche-esk.

Autor: Aleš Podbrežnik
Wertung: 8.5 / 10


Queensryche – Guardian (offizielles Video)

Tracklist:
01. Arrow Of Time
02. Guardian
03. Hellfire
04. Toxic Remedy
05. Selfish Lives
06. Eye9
07. Bulletproof
08. Hourglass
09. Just Us
10. All There Was
11. The Aftermath
12. Condition Hüman

Besetzung:
Todd La Torre – Gesang
Michael Wilton – Gitarre
Parker Lundgren – Gitarre
Eddie Jackson – Bassgitarre, Backing Vocals
Scott Rockenfield – Schlagzeug

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