Ein magischer Abend mit ursprünglichem englischen Folk Rock im Zdraviliški park in Bled

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Autor: Peter Podbrežnik

Ort: Zdraviliški park / Bled / Slowenien
Konzertdatum: 15.08.2008
Besucherzahl: 200
Kartenpreis: 0

Der Samstagabend im Rahmen des bereits nahezu traditionellen internationalen Okarina Etno Festivals in Bled war besonders reizvoll, denn es trat ein sehr interessantes englisches Folk-Rock-Ensemble auf: Rainbow Chasers – ein echter Genuss für Ohren und Augen aller Liebhaber traditioneller keltischer und angelsächsischer akustisch geprägter Melodien. Ihr zentrales Mitglied Ashley Hutchings ist eine lebende Musiklegende und wohl der angesehenste Bassist der britischen Folk-Rock-Szene, vor allem bekannt als Gründer einiger der bedeutendsten britischen Folk-Rock-Bands wie Fairport Convention, Steeleye Span und Albion Band. Kurzum: so etwas wie John Mayall für den Blues Rock. Herr Hutchings wird nicht nur als Urvater der britischen Folk-Rock-Szene verehrt, sondern auch als Verfasser zahlreicher Lieder, als Dichter und als musikalischer Direktor des englischen Nationaltheaters.

Rainbow Chasers ist die jüngste seiner Bands, mit der er das Zusammenführen traditioneller britischer Folk-Musik mit einigen moderneren musikalischen Elementen erprobt. Darin hat er drei junge und hochtalentierte Musiker versammelt, die sich noch auf der Musikszene etablieren. Das weibliche Duo bilden Jo Hamilton an Viola, Akustikgitarre und Gesang sowie Ruth Angell an Geige und Gesang. Beide kommen noch aus Ashleys vorheriger Band Albion Band, während der Akustikgitarrist und Sänger Joe Topping ein frisches Mitglied ist, der kürzlich das Gründungsmitglied Mark Hutchings ersetzte. Joe bewies beim Auftritt, dass er auch E-Mandoline und Bouzouki beherrscht. Alle vier Bandmitglieder sind nicht nur erstklassige Instrumentalisten, sondern auch ausgezeichnete Sänger und boten während des Auftritts immer wieder mehrstimmige Harmonien.

Trotz des zunächst wenig verheißungsvollen Blicks vor die Bühne hatte sich vor Konzertbeginn – der Eintritt war übrigens kostenlos – am Ende im Zdraviliški park in Bled eine beachtliche Menge Besucher eingefunden, darunter viele englische Touristen sowie ein nicht zu vernachlässigender Anteil junger Leute. Rainbow Chasers spielten während ihres Auftritts zahlreiche akustisch ausgerichtete und ruhige Folk-Rock-Stücke mit sanften und einprägsamen keltischen Melodien, einige Instrumentalstücke, zeigten eine A-cappella-Einlage und brachten auch einige schwungvollere Nummern, die all jene wieder aufwärmten, die sich dem angenehmen Entrücktsein hingegeben hatten. Den Auftritt eröffneten sie mit einem beschwingt-fröhlichen Stück, das sie nach eigenen Worten stets an ihre bergige Heimat im Norden Englands erinnert – die sich natürlich nicht mit unseren Bergen messen kann.

Herr Hutchings ist nicht nur ein ausgezeichneter Folk-Rock-Bassist und Sänger, sondern überschreitet in seinem musikalischen Ausdruck die Grenzen des üblichen englischen Folk Rock und erprobt auch musikalische Elemente aus anderen Teilen der Welt. So spielte sein Ensemble auch das Stück „The First Europeans“, ein auf Geige und Viola ausgerichtetes Stück, das sich aus der Tradition der Roma- beziehungsweise in diesem Fall besser gesagt – Zigeunermusik (dieses Wort ist hier natürlich in keiner Weise negativ gemeint) speist, die nach Ashleys Worten mit ihren ständigen Wanderungen von einem Ort zum anderen gewissermaßen die ersten modernen Europäer seien, für die heute häufige Ortswechsel oder Reisen charakteristisch sind. Unter den ausgezeichneten Darbietungen begeisterte vor allem die außerordentliche Harmonie zwischen den Bandmitgliedern, mit der sie Gesangsparts untereinander tauschten und vielfältige akustisch gewürzte Melodien formten – sowohl romantische als auch tänzerisch-schwungvolle.

Ashley wacht während des gesamten Auftritts wie ein fürsorglicher Vater über die beiden jungen Frauen und den jungen Mann und spornt sie manchmal mit einer lebhaften Geste zu noch mehr Einsatz an. In einem schwungvolleren Teil des Auftritts forderte Herr Hutchings das Publikum sogar zum Tanzen vor der Bühne auf. Seiner Einladung wagten sich jedoch nur der ausgelassen hüpfende Festivalorganisator und Moderator Leo Ličof sowie zwei sichtlich angeheiterte Teenager anzunehmen, die ein paar „Kunststücke“ zeigten, die ihnen noch vom Abiball geblieben waren. Zwischendurch gönnte man sich wegen des Kirchenglockengeläuts – das nach eigenen Angaben die überwiegend sanfte Musik, die sie spielen, stört – eine kurze Pause, in der Herr Hutchings persönlich beide bisher erschienenen Alben der Band verkaufte und signierte. Der einzige negative Kritikpunkt betrifft die Tatsache, dass sie zum Abschluss – vielleicht auch für Nachzügler – noch einmal jenes ausgelassene Stück spielten, mit dem sie den Auftritt eröffnet hatten, da es ihnen so sehr gefällt, weil es sie stets an die „bergige“ Heimat erinnert, während ich überzeugt bin, dass sie noch jede Menge anderer Stücke parat hätten.

Natürlich kamen sie noch für die obligatorische Zugabe heraus, die das Publikum bis in die letzten Reihen noch einmal aufheizte – vermutlich hätten sie auch noch das eine oder andere Stück mehr gespielt, wenn nicht die kühle Abendluft bereits ordentlich zugesetzt hätte. Herr Hutchings ließ noch verlauten, dass er hofft, möglichst bald wieder in unsere Gegend kommen zu können, wo es ihnen sehr gut gefällt – besonders Bled mit seinem idyllischen See und den Bergen, die stets seinen dichterischen und kompositorischen Schaffensdrang wecken. Der magische Abend authentischen englischen Folk Rock, dargeboten von seinem Urvater und seiner jungen Begleitung, der mit seinen nostalgischen und melancholischen Melodien besonders alle romantischen Seelen begeisterte, verging trotz der immer beißenderen Abendkälte irgendwie viel zu schnell. Der ambitionierte Festivalorganisator Leo Ličof, dem alle Hochachtung für die hervorragende Organisation und die souveräne Moderation des Auftritts gebührt, verspricht bereits, nächstes Jahr (nach 12 Jahren seit ihrem letzten Auftritt bei uns) niemand anderen als die legendären Fairport Convention zurückzubringen.

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