Moonlight Sky und Štirje svetovi im Ljubljaner KUD (2007)

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Ort: KUD France Prešeren / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 15.04.2007
Besucherzahl: 70
Eintrittspreis: 3.50€

Moonlight Sky haben ihr  erstes Musikvideo gedreht, und zwar zu Štirje svetovi! Die vier Welten sind eigentlich vier Ichs innerhalb dieses jungen Quartetts, das einfach nicht aufhört zu beeindrucken! Übrigens: Den Song Štirje svetovi findest du auf dem Debüt der Band „Moonlight Sky“ (2006). Zu Ehren des fertigen Videoclips haben die Jungs jedenfalls eine ganz besondere Party im KUD France Prešeren geschmissen. Die ging um 21.20 Uhr los, als im kleinen Saal das erwähnte Video lief. Ein richtig feines Ding, weit weg von den Standards und Klischees, die die TV-Bildschirme quälen, ohne gepuderte, posierende Opferlämmer und Schäfchen, lauernde Wölfe und den ganzen restlichen Glitzerkram. Nur ein nackter Puppenclip! Ein Typ steckt sich mit größtem Genuss einen „Spliff“ an, im Kopf fangen die Funken an zu springen, und die Gehirnzellen beginnen, unvergesslich miteinander zu synapsen. Kurzum ein Sonderling unter den slowenischen Videoclips, hervorragend dosiert mit einer erstklassigen Portion Verschmitztheit. Außerdem trifft er die Essenz des Songs selbst. Mut gehört dazu, denn es geht um ein Instrumental, das dem progressiven Experimentieren verschrieben ist, und für so was findest du heute in Slowenien nur schwer einen Mutigen, der sich traut, das Risiko einzugehen. Und genau das ist die Herausforderung! Die Herausforderung, anders zu sein!

Mehr als die Premiere des neuen Videos der Band bedeutete mir persönlich das Konzert, das darauf folgte. Die Leinwand ging hoch, als der Clip durchgelaufen war, und auf der Bühne warteten schon die Jungs von Moonlight Sky, um uns „so richtig einen mitzugeben“.

Sie eröffneten das Set gleich mit dem eindrucksvollsten Stück des Debüts, dem Song Ocean. Der Sound, großteils auf einem massiven Teppich aus Keyboards aufgebaut, die an die Beliebtheit des Mellotrons aus der ersten Hälfte der Siebziger erinnern, erzeugte tatsächlich den Effekt, auf den Wellen des Ozeans zu treiben. Ein hervorragendes Warm-up, ein transzendentales Wiegenlied aus zarten, weich ineinanderfließenden Klangcollagen, das eine mehr als gelungene Ouvertüre lieferte.

Dann folgt ein jäher Gangwechsel nach oben. Angel, mit Andraž am Gesang, und zwar mit einem deutlich rauheren Ansatz, als man ihn auf dem Studio-Original des Debüts hören kann. Die Bühne im KUD war für eine Band wie Moonlight Sky viel willkommener als die kleine im Orto Bar, wo ich sie im Januar 2007 gesehen habe, denn sie ist breiter, höher und länger. Drummer Aleš Kajtna stand mit seinem Schlagzeug erhöht im Hintergrund, und schon das zauberte dieses Tiefengefühl. Die Jungs werden ständig besser. Diesmal gab’s den härtesten Sound, seit ich sie verfolge, der beweist, dass sie unverschämt „geladen“ und aufeinander eingespielt sind, auf einem noch höheren Niveau als vor drei Monaten; besonders die Integration von Drummer Aleš in die Band ist in dieser Zeit offensichtlich auf ganzer Linie gelungen, und man spürt, dass die Jungs „mit Eiern in der Hose“ spielen können, im vollen Sturmlauf und mit noch größerer Bühnenautorität und Karisma, die den Zuhörer im Nu packen und überzeugen!

Wie fast schon üblich haben die Jungs die Setlist um einen komplett neuen Song aufgepeppt, When I Look In Your Eyes, der mit einem satten, knackiger gebauten „Down to earth“-Beat überraschte, der verkündete, dass die Jungs wirklich über außergewöhnliches musikalisches Know-how verfügen und es verstehen, in ihren neuen Kompositionen aufs Angenehmste zu überraschen. Übrigens arbeiten sie angeblich schon fleißig an ihrem neuen Album und schmieden clever das Eisen, solange es heiß ist.

Der Song Devet osem ist wieder da. Ein Stück, das eine direkte Parallele zum Flirt der Band mit dem Erbe von Leb i sol zieht, denen zu Ehren wir erneut die meisterhaft gespielten Songs Devetka und als Zugabe Jovano, Jovanke hörten. Persönlich würde ich zu gern erleben, wie das auf westeuropäische Ohren wirkt, z. B. auf irgendeinem Festival im Ausland, wo man Bands vom Kaliber Moonlight Sky bestens zu belohnen weiß.

Na also. Auch wir Slowenen blieben an diesem Abend im KUD nicht gleichgültig! Im Januar kamen nur schlappe 30 Leute, um die Band im Orto Bar anzufeuern. Diesmal hat sich die Zahl der neugierigen Besucher im KUD mehr als verdoppelt. Die Jungs haben in ihre Show ein paar leichte Tanzbewegungen und Albernheiten eingebaut, mit denen sie zugleich so manchen tiefen Seufzer (und Ausatmer) aus den Reihen des zarteren Chors im Publikum lockten (Michael Jacksons Dirty Diana). Neben der „ungezogenen Diana“ wieder ein starkes Red House vom Altmeister Hendrix! Vor allem aber habe ich mit größtem Vergnügen die Darbietung des Eigenmaterials verfolgt, das einen komplexen Charme bietet, den sie bei ihren Live-Auftritten immer überzeugend zu Geld machen. Das ist nämlich eine Band, die live immer noch besser klingt als im Studio. Eine Band, die enorm viel Platz braucht, um sich auszudrücken und sich frei durch die Sphären verschiedener Dimensionen zu bewegen, die die Musikgenres bieten, und durch sie zu treiben, besonders an den Stellen, wo sie ineinander übergehen – und genau das macht Moonlight Sky in ihrer Fusion so anziehend! Eine Stunde und 25 Minuten vergingen im Nu.

Die Jungs hatten die Bühne schon verlassen, sich verabschiedet! Die Leute hatten das Eigenmaterial der Band in der Zwischenzeit aber schon so gut kennengelernt, dass sie wussten, was Moonlight Sky nicht gespielt hatten. Den apokalyptischen Höhepunkt ihres Repertoires, The Groove. Die Jungs kommen zurück und schlagen noch einmal mit voller Wucht zu, wie es sich für ein großes Finale gehört. Giftig, giftig… voller Hingabe! Sie ernteten den lautesten Applaus aus dem Publikum, und offensichtlich hat The Groove das Potenzial, Teil des eisernen Repertoires zu werden, das seinen festen Platz zum Abschluss der Auftritte findet.

Die Jungs sind schon zu Beginn ihrer Karriere eine hochprofilierte Einheit, sowohl in der Abgestimmtheit der Darbietung als auch im kraftvollen Ansatz, der von einer hervorragenden Bühnenchemie zeugt, und sie überraschen zudem mit einer hochwertigen Aussage in den eigenen Songs. Tolle Zusammenarbeit des Duos Kržič/Petric; über Petric haben wir schon viel Großes gesagt und werden es sicher noch. Der Junge hat das, was ihn klar in eine auffällige Position bringt, und er muss keine Angst haben, womöglich im grauen Mittelmaß eines bloß guten und unoriginellen Imitators zu versinken. Ein Sonderling ist aber nicht nur Miha, sondern Moonlight Sky als Ganzes! An witzigen Ideen und kühner Kreativität mangelt es ihnen jedenfalls nicht. Ein hervorragendes Konzert, das bestätigt hat, dass die Band weiter voranschreitet und wächst. Zum Schluss haben wir unser Gedächtnis ans Video Štirje svetovi aufgefrischt, das noch einmal lief, und während des Konzerts kündigte Andraž an, dass die Band in Kürze das nächste Musikvideo drehen will, und zwar zum Song Moonlight Sky (Lunin svit). Moonlight Sky ist also eine Formation mit großem Potenzial. Wenn du ihr auf der Bühne begegnest, lässt sie dich garantiert nicht kalt!

Setlist

1. Ocean
2. Angel
3. Devetka
4. Pluton
5. Red House
6. Moonlight Sky (Lunin svit)
7. When I Look In Your Eyes
8. Devet osem
9. Dirty Diana
10. How Much?
—Zugabe 1.—
11. So Hard To Leave Someone You Love
12. Jovano, Jovanke
—Zugabe 2.—
13. The Groove

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