Ian Paice unter dem wachsamen Blick von Demon’s Eye!

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Ort: Graz, Österreich
Konzertdatum: 25.02.2007
Besucherzahl: 600
Ticketpreis: 25 Euro

Ian Paice dabei zuzuschauen, wie er vor etwa zwei Wochen in Treviso völlig entspannt und genüsslich all die Zauber alter Deep Purple-Klassiker wiederentdeckte, war wirklich unvergesslich. Aber alles, was ich da gesehen habe, kommt nicht mal ansatzweise an das ran, was uns die Rock-Legende am Sonntagabend in Graz mit seinen Demon’s Eye-Kollegen aufgetischt hat. Wir alle waren Zeugen eines magischen Abends, randvoll mit humorvollen und oft verspielten Momenten, die in der sicheren Geborgenheit einer völlig unbeschwerten Atmosphäre nostalgische Gefühle in uns wieder wachgerüttelt haben. Gefühle, bei denen man sich mit geschlossenen Augen quicklebendig in viel zu engen Schlaghosen sieht, deren Nähte kaum mit der eigenen Hüpferei mithalten können, irgendwo in den ersten Reihen beim California Jam ’74.

Damit wir aber nicht vergessen, dass wir eben doch im österreichischen Graz sind, hämmerten uns gegen 20 Uhr die lokalen Krieger von Fiction Play ihre Musik in den Schädel. Ein Trio interessanter Onkels, deren musikalische Wurzeln irgendwo an der Kreuzung von Radiohead, System Of A Down, Rage Agaist The Machine und zeitweise sogar Green Day liegen. Auf jeden Fall ein unerwarteter Einstieg in den Abend, aus dem die Jungs definitiv so viel wie möglich rausholen wollten, was man vor allem an der Ausgelassenheit des Sängers/Gitarristen ablesen konnte, denn der Herr war voll in seinem Element. Ähnliches gilt für sein Gitarrenspiel, mit dem er zeitweise wirklich schön alle überraschte, die wir so sehnsüchtig auf den Hauptact des Abends warteten. Positiv anzurechnen ist dem Trio auch die qualitativ gute Gesangsleistung, zu der wirklich alle Bandmitglieder ihren Teil beitrugen, neben dem Gitarristen auch der Bassist und der Schlagzeuger, die so für eine schön ausgewogene Stimmenverteilung sorgten. Der Auftritt von Fiction Play war genau richtig lang, sowohl für ihre Fans, die es, abgesehen von ein paar nassen Teenagerinnen direkt hinter meinem Rücken, nicht gerade im Überfluss gab, als auch für alle Purple-Verliebten, die sich jetzt umso mehr nach einer ordentlichen Dosis guten alten Rock & Roll sehnten.

Der kam um zehn vor neun, als die kirchliche Stille des Orpheum plötzlich vom lautstarken Gejohle zu Ehren der Leute zerrissen wurde, die gerade die Bühne betreten hatten. Als Letzter gesellte sich natürlich Ian dazu, der sich im Gegensatz zu Treviso diesmal sogar die Zeit nahm und alle Anwesenden freundlich begrüßte. Nach dem erwarteten Dank an die Jungs von Demon’s Eye entschuldigte er sich im Stil des üblichen Inselhumors schon mal im Voraus für alle möglichen Fehler, die er im Laufe des Abends machen würde: „Habt Spaß, wir sind hier unter Freunden und das ist kein ernster Gig!“ Schon gut, Ian… Und dann zündete Burn, die endgültig das Bild dessen enthüllt, was die Jungs selbst gern die deklariert einzige professionelle Deep Purple-Tributeband nennen. Und was für ein Bild das ist! Beim Blick auf die rechte Bühnenseite muss man nämlich ordentlich die Augen aufreißen, denn den eigenen Ohren zu trauen reicht diesmal nicht. Nein, der Gitarrist auf der Bühne ist nicht Ritchie Blackmore, sondern ein Herr namens Steve Curly, der in seiner detailgetreuen Darstellung bzw., wenn man so will, Imitation des berühmten Gitarristen wirklich jede Kleinigkeit mitnimmt. Sogar die Mimik seines Gesichts erinnert stark an Ritchies „besonders warmen Blick“, und was das Wichtigste ist: Curlys Gitarre klingt göttlich. Auf der anderen Seite unterhält uns eine Art abgespeckte Glenn Hughes-Version, die sich ständig im scharfen Rhythmus des genannten Songs bewegt, dem das selbstbewusste Hammond von Michael Bocher Gesellschaft leistet. Besondere Aufmerksamkeit verdient natürlich der Gesang von Robby Walsh, einem lustigen irischen Herrn, der dem Ganzen mit seiner stark von Gillan geliehenen Pose ein leicht komisches Aussehen verleiht. Als Burn von Ready ’n‘ Willing abgelöst wird, wirkt die ganze Sache viel authentischer, was vor allem für Walshs Gesang gilt, der den Coverdale-Linien hervorragend angepasst ist. Wenn schon die beiden Eröffnungssongs in jedem noch so „unberechenbaren“ Medley der Purpurfamilie unverzichtbar sind, was soll man dann erst zu Sail Away sagen! Ein Song, den sich keiner von uns auch nur in den schönsten Träumen vorzustellen wagte, ihn jemals live zu hören, bringt das Publikum endgültig in Fahrt. Es folgt einer der unterhaltsamsten Momente des Abends, Lazy, die den Musikern den üblichen Raum bietet, all ihre „Frustrationen“ abzuschütteln. Die Hammond füllt die Lücke, die Gillans fehlende Mundharmonika hinterlässt, mehr als hervorragend aus und rüstet den Song zusätzlich mit einer vollen Ladung Tanzenergie aus. Ausgezeichnet, und noch mal ausgezeichnet! Als uns die Lässigkeit mit dem üblichen Blackmore-Blues-Schluss langsam verlässt, lädt uns ein Mädel namens Emaretta zum Tanz. Es ist schwer, mit Worten das Gefühl zu beschreiben, das einen beim Hören dieser längst vergessenen Deep Purple-Songs überkommt. Am befriedigendsten ist aber der Blick auf den hinteren Teil der Bühne, wo sich Paice amüsiert wie ein kleines Kind, das nach langer Zeit sein Lieblingsspielzeug wiedergefunden hat. Ein Gefühl, das angesichts der Tatsache, dass von den heutigen Deep Purple nur Ian tatsächlich an den „berühmten“ Mk1-Tagen beteiligt war, zu einem neuen emotionalen Höhepunkt führt.

Der lang erwartete Moment, den die meisten Sänger heutzutage wahrscheinlich lieber weiträumig umgehen, kommt mit Child In Time. Das schön aufgebaute Hammond-Intro, mehr oder weniger eine Made In Japan-Kopie, überlässt die Initiative langsam Walshs sehr überzeugender Stimme, die sich am Ende allerdings nicht an Gillans höchste Lagen wagt. Auf jeden Fall ein Moment, auf den Curley offensichtlich sehnsüchtig gewartet hat. Sein feuriges Spiel erinnert nach all den Jahren immer noch an den unglaublich breiten Einfluss des Herrn in Schwarz. Und vielleicht wäre sogar Ritchie selbst mit diesem Verlauf der Dinge zufrieden, denn Paice ist es auf jeden Fall. Davon überzeugt er uns mit der kompromisslosen Entschlossenheit, mit der er seinem Gitarrenkollegen hinterherprescht. Ein schöner Auftakt zur Demonstration von Ians breitem Hokuspokus-Repertoire, für das sich Paice diesmal The Mule aussucht, an deren Ende uns Walsh daran erinnert, dass seit ihrer letzten Deep Purple-Aufführung nicht weniger als 30 Jahre vergangen sind! Irre, keine Frage. Als Paice für kurze Zeit die Bühne verlässt und sich Andree Schneider an seinen Platz setzt, der eigentlich der Originaldrummer von Demon’s Eye ist, servieren uns die Jungs etwas stark Mystisches, an dessen Ende Curley reizvoll mit Motiven aus Griegs Morgenstimmung spielt, mit der sich der Junge später mutig auch noch in die Halle des Bergkönigs wagt. Ein bisschen verloren, aber trotzdem unterhaltsam. Wie auch immer, Paices Rückkehr in Form von The Battle Rages On kündigt eine neue Überraschung an, deren Sound wegen Walshs hörbar müdem Gesang allerdings stark leidet. Aber für eine Pause bleibt keine Zeit, denn nach einem mystischen Gitarrenintro à la Rainbow biegt Curley wütend direkt in Mistreated ein. Robbys wütender Gesang, dessen Interpretation dieses Mk3-Klassikers die Atmosphäre mit starken Emotionen zusätzlich würzt, lässt seine vorherigen Probleme nicht erahnen, genauso wenig wie den unerwarteten Sprung in Ain’t No Love In The Heart Of The City. Ein originell eingefädelter Dreh, der aber leider durch die lauwarme Ausführung komplett verwässert.

Als Walsh in seinem typisch humorvollen Stil noch einen Moment für Karaoke ankündigt, schaukelt sich die Truppe, als wollte sie uns auch noch an die „unvergessliche“ Joe Lynn Turner-Ära erinnern, mit Hendrix‘ Hey Joe los. Der Junge hat diesmal keine Witze gemacht, denn diese lockere Version diente den Herren wohl eher als kürzere Verarsche im Stil von Keith Richards. Na ja, Paice selbst hat ja am Anfang gewarnt, dass das kein ernster Gig ist! „Na ja, ernst, nicht ernst“, sagt Walsh: „Dieser Song ist für euch, vielleicht kennt ihr ihn ja noch nicht.“ Natürlich ist die Rede von einer gewissen Smoke On The Water, deren abgedroschenes Riff die große Mehrheit der Anwesenden immer noch problemlos zum Ausrasten bringt. Ein wilder Abschluss, nach dem sich Ian noch einmal herzlich bei allen bedankt. Natürlich muss man nicht extra betonen, dass das laute Gejohle der durchgedrehten Jodler die Jungs noch lange nicht von der Bühne lässt, weshalb uns die Herren noch Soldier Of Fortune spendieren, mit einem wunderschönen Solo, dem zwar der übliche Ritchie-Slide fehlte, aber egal. Die Darbietung war ausgezeichnet, was besonders für Robbys emotionalen Gesang gilt. Der perfekte Abend endet mit einer kleinen „Jam“ über das Thema Sweet Home Chicago, die bald in Black Night übergeht, in der die Jungs wieder mit ihren Instrumenten herumspielen und so noch einmal ihre unglaublichen individuellen Fähigkeiten zeigen, effektiv verschmolzen zu einem kompakten, lebensprallen musikalischen Ganzen. Wie die einst berühmten Deep Purple. Atemberaubend!

Setlist

The Fiction Play: 1.Bring Back Baby 2.Some People 3.Boy In The Mirror 4.Why?! 5.Trip Of Nature 6.World Of Light 7.A Great Escape Demon’s Eye: 1.Burn 2.Ready ’n‘ Willing 3.Sail Away 4.Lazy 5.Emaretta 6.Child In Time 7.The Mule 8.Grieg Medley 9.The Battle Rages On 10.Mistreated 11.ain’t No Love In The Heart Of The City 12.Hey joe 13.Smoke On The Water 14.Soldier Of Fortune 15.Black Night 16.Perfect Strangers

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