Od Franclna Možgani haben uns die Gehirnwindungen komplett in eine andere Dimension verdreht

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Autor: Peter Podbrežnik

Ort: Lokal Patriot / Novo Mesto / Slowenien
Konzertdatum: 14.12.2006
Besucherzahl: 80
Eintrittspreis: 600,00 SIT / 1.000,00 SIT

 Unsere bunte Truppe, altersmäßig quer durch den Gemüsegarten, aber mit jeder Menge gemeinsamem Musikgeschmack und so manch anderen Schnittmengen, war sich einig: Den Auftritt der jungen Avantgarde-Rocker aus Novo Mesto, die auf den schwer ungewöhnlichen, aber ziemlich originellen Namen Od Franclna Možgani hören, dürfen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. Erst recht nicht an dem Tag, an dem sie ihr Debütalbum „Pofrancljevanje“ vorstellten und dafür den ohnehin kleinen Laden Lokal Patriot in Novo Mesto, in den allerhöchstens hundert Leute passen, bis zum Anschlag vollmachten. Trotzdem waren auch ein paar Leute da, die die Band nicht von Anfang an verfolgen, aber wissen wollten, was die Jungs Neues in die ziemlich fade und obskure Ecke des slowenischen Avantgarde-Rock mitbringen. Wie mir nach dem Konzert auffiel, war sogar ein Franzose im Publikum, der kein einziges Wort Englisch verstand und trotzdem hellauf begeistert war – ein deutliches Zeichen dafür, dass diese Band enormes Potenzial hat und auch für den ausländischen Markt richtig spannend wäre. Schon der Blick auf die Bühne haute uns um, denn auf der Leinwand prangte das Bild eines rosa Gehirns, und wer noch nichts von ihnen kannte, ahnte damit sofort, dass sich an diesem Abend etwas Besonderes zusammenbraut.

Nach etwas Geplauder in entspannter, fast schon familiärer Atmosphäre und der einen oder anderen Begegnung aus nächster Nähe mit Bandmitgliedern konnte der Auftritt losgehen. Noch vor dem Start fiel uns auf, dass diesmal (aus mir unbekannten Gründen) der Flötist und Saxofonist Tine – Tinčk fehlte. Od Franclna Možgani sind eine Band, die sich nicht nur durch die erstklassige Fähigkeit auszeichnet, Elemente aus Jazz, Funk, Ethno und Avantgarde zu einem einzigartigen und komplexen Mix aus meist ziemlich vielseitigen Stücken zu verschmelzen, sondern auch durch kurze Sketche zwischen einigen Nummern, in denen sie das Publikum mit humorvollen Sprüchen unterhalten, meistens auf Kosten eines der Bandmitglieder. Nach einer kurzen Eröffnungsansprache von Gitarrist Djuko, in der auch ein paar mathematische Begriffe nicht fehlten, überraschten sie uns gleich mit einigen Stücken, die (noch) nicht auf dem Album erschienen sind und die sie wohl für künftige Studioveröffentlichungen vorbereiten. Ich muss sagen, dass das, was wir von diesen Sachen gehört haben – meist längere Jazz-Funk-Instrumentals (da, wo sie meiner Meinung nach ohnehin am stärksten sind) –, ausgesprochen vielversprechend klingt. Offenbar zieht es die Band noch stärker Richtung Jazz Fusion.

Zum Warmwerden legten sie gleich mit zwei längeren, jazzig-funkig angehauchten Kompositionen los, die (noch) nicht auf dem Album erschienen sind: „Solid Fill“ und „Little Mouse Cum“. Spannend war dabei auch, die Bühnenaufstellung und das Zusammenspiel der einzelnen Bandmitglieder zu beobachten: Gitarrist Djuko glitt vorne am Mikrofon jazzig über die Saiten, während Schlagzeuger Brgs und Percussionist Pimps hinten jeweils hinter ihren Sets saßen (bei Pimps bestand das aus afrikanischen Tamtams, normalen Trommeln und noch ein paar ungewöhnlichen Klangwerkzeugen). Etwas seltsam war, dass der meist funkig orientierte Bassist Slejk fast den ganzen Abend ganz am Rand stand, sozusagen außerhalb der Bühne. Insgesamt wirkten sie während des Auftritts ziemlich „cool“, auch wenn ich mir ein bisschen mehr energische Ausbrüche gewünscht hätte, vor allem von Gitarrist und Bassist. Dann folgte ein kurzer Sketch, der dem Publikum einige Lacher entlockte und in eines der Stücke vom Album überleitete – das witzige „Extra Bird“, das der Großteil des Publikums, darunter auch ihre glühenden Anhänger, sofort erkannte. Percussionist Pimps gönnte sich zu Beginn des Songs ein mitreißendes und witziges Kazoo-Spiel. Und Djuko legte nach „Extra Bird“ noch einen kurzen Solo-Auftritt hin. Danach spielten sie „Šum“, noch so ein Stück, das mir bis dahin unbekannt war. Richtig in Fahrt kam das Publikum zum ersten Mal bei der Zappa-mäßig angehauchten „Are You a Horse?“, einem ihrer beliebtesten Stücke. Mich hat dagegen noch mehr eine ihrer besten Kompositionen überzeugt, das extrem komplexe Instrumental „Supersonic Speed“. Dann bedankten sie sich beim Publikum und gönnten sich eine kurze Getränkepause. Zurück auf der Bühne spielten sie „Juhanovski“, wieder ein ganz neues Stück. Danach wollten sie zwei Leute auf die Bühne holen, die sich angeblich große Verdienste um das Erscheinen ihres Debüts erworben haben, doch trotz mehrfachen Rufens tauchten die beiden nicht auf. Als Antwort auf die dumpfe Stille, die die Abwesenheit der beiden Eingeladenen hinterließ, legte Schlagzeuger Brgs ein kurzes Solo hin. Es folgte wohl ihr beliebtester, aber zugleich untypischster Song. Das inzwischen berüchtigte „Kolaček“ löste bei allen glühenden Fans der Band eine Welle der Begeisterung aus. Dazu gesellte sich auch Begleitsängerin Tina auf die Bühne, die dafür sorgte, dass die Umsetzung möglichst nah an der Studioversion blieb, und mit ihren Tanzbewegungen auch für etwas mehr Energie sorgte. Allerdings war ihre Stimme im Verhältnis zu Djukos etwas zu laut abgemischt, sodass das Ganze eher wie ein Gesangsduett rüberkam. Wer den Song nicht kennt, war bestimmt überrascht von der einzigen „Pop“-Nummer im gesamten Set. Danach begannen Djuko und Pimps eine kurze Improvisation, die als Intro zum spaßigen „Butterfly“ diente. Es folgte noch eines ihrer besten Stücke auf dem Debüt, das auf einem karibischen Rhythmus basierende „Beach Party“, bei dem vor allem Pimps‘ Percussion, die funkige Linie von Slejks Bassgitarre und Djukos jazzig gefärbte Gitarrenparts begeisterten. Nach dem bisher unbekannten, aber ziemlich witzigen „Neon Farting“ gönnten sich Djuko und Sleyk einen interessanten Sketch, in dem sie wie vor einem Ritterduell die Schwerter kreuzten. Ich hoffe, dass sie sich in Zukunft noch mehr solcher „Theater“-Einlagen gönnen. Du siehst schließlich nicht jeden Tag einen Jazzgitarristen und einen Funk-Bassisten, die mitten im Auftritt wie irgendwelche Epic-Metal-Bands die Schwerter schwingen. Im Rest des Sets packten sie einige ihrer witzigsten Nummern aus, zum Beispiel die countryeske Groteske „Kavboj Kavbojc“, „How To Be Happy On The Floor“ und wohl den Höhepunkt ihrer Satiren – „Lesbian Show Named Herald“. Letzteres kam live deutlich besser rüber als die Studioversion, und diesmal musste auch ich bei Djukos plumpem Gelaber über drei Lesben ordentlich lachen. „Whale In High Heels“ war ein weiterer Höhepunkt des Abends, während die Fans des beliebten Wookiees Chewbacca bei „Wormhole No. 9“ auf ihre Kosten kamen, wo Pimps sein Knurren und Grummeln nachahmte. Nach „GVARS“ folgte das extrem komplexe, zugleich witzig-groteske „Šarodoraš“, noch so ein Konzerthighlight, bei dem die vorderen Reihen zum Leben erwachten. Dann kam auf Einladung der Bandmitglieder der Macher des tollen Covers ihres Debüts auf die Bühne, mit dem sie sich dann ein Gläschen derben Weins einschenkten und gemeinsam anstießen. So wurde offiziell auf die Veröffentlichung des Albums angestoßen. Den regulären Teil beendeten sie mit „Kaj Ste Tak Čudni vsi“, einer weiteren witzigen Groteske, bei der sie gemeinsam auch ein paar Sauf-Sprüche abfeuerten. Echte Dolenjci eben. Das Publikum war sichtlich begeistert, und nach langem Applaus und einer kurzen Pause kamen sie zurück und spielten noch eine Zugabe namens „Sleyk’s On the Run“, ein weiteres längeres Instrumental voller Improvisationen, das ein erstklassiger Beweis für ihr ganzes Potenzial war. Dabei hat es mich ein paarmal ins Nirgendwo getragen (was mir während des Konzerts übrigens öfter passiert ist).

Nach dem Auftritt haben wir uns bei einigen Bandmitgliedern auch persönlich bedankt. Vor allem wollten wir uns im Namen von Rockline noch einmal bei Percussionist Primož-Pimps für seine Mitarbeit und Freundlichkeit bedanken. Od Franclna Možgani haben uns mit ihren instrumentalen Akrobatikeinlagen und ihrem witzigen Bühnenauftritt begeistert. Der Auftritt war für heimische Verhältnisse, vor allem musikalisch, auf einem beneidenswerten Niveau, und ich hoffe, dass wir sie bald wieder sehen dürfen. Andererseits merkte man, dass die Jungs unter enormem Druck standen (was sie selbst auch zugaben, denn es war ein überaus wichtiger Auftritt), dass sie mit ihren Bühnenperformances erst am Anfang stehen und dass der Blickkontakt zum Publikum noch etwas geschliffen werden muss (vor allem bei beiden Gitarristen). Ansonsten habe ich aber nichts zu meckern. Das Konzert war für heimische Verhältnisse und für eine Band, die noch ganz am Anfang steht, richtig stark, und ich habe es wirklich genossen. Wie ich schon öfter betont habe: Die Jungs spielen für unsere bescheidenen logistischen Verhältnisse fantastische Musik, haben schon jetzt einen wiedererkennbaren Sound und Bühnenauftritt und die nötige Bühnenchemie zwischen den einzelnen Mitgliedern. Deshalb wünsche ich ihnen für die Zukunft noch viel Glück beim Ausbau ihres Sounds und ihres Bühnenbilds. Mögen die in vollem Glanz erblühen.

Setlist

Setlist:

1. Solid Fill
2. Little Mouse Cum
3. Handsonic Flash Of Extra
4. Extra Bird
5. Kitara
6. Šum
7. Are You a Horse?
8. Supersonic Speed
9. Juhanovski
10. Brgs Time
11. Kolaček
12. Đuxo + Pimps intro for Butterfly
13. Butterfly
14. Beach Party
15. Neon Farting
16. Sleyk & Đuxo medival contest
17. Kavboj Kavbojc
18. How To Be Happy On the Floor
19. Lesbian Show Named Herald
20. Whale In High Heels
21. Worm Hole No. 9
22. GVARS
23. Šarodoraš
24. Kaj Ste Tak Čudni Vsi?
—Zugabe—
25. Sleyk’s On The Rum

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