Damir Shimic – Shime in Postojna – wenn Gitarrenträume wahr werden (2006)

0 11

Ort: Riziko Bar / Postojna / Slowenien
Konzertdatum: 10.11.2006
Besucherzahl: 70
Eintrittspreis: 0,00 SIT

Auf dieses Event habe ich sehnsüchtig gewartet. Vor fast einem Jahr sind Thomas und ich nach Zagreb gestürmt, um S.Vai zu sehen. Diesmal mussten wir für etwas Ähnliches nicht so weit fahren. Riziko Bar in Postojna. Gegen 21.30 sind wir aufmarschiert. Der Laden war schon richtig schön voll. Schnell ein Bier holen!

Im Laufe seiner langjährigen Karriere hat Shime einen unverkennbaren und einzigartigen Gitarrenstil entwickelt, der eine Überschall-Demonstration des Fingerrasens über das Griffbrett liefert, mit der sich nur die größten Großmeister dieses Fachs brüsten können, z. B. S Lukather (Toto), J. Satriani oder S. Vai! Seine Stücke sind neben halsbrecherischen, atemberaubenden Soli stets auch mit vielen wunderschönen Melodien gewürzt und sorgfältig mit dem Witz der Gitarrenübergänge ausgeschmückt.

Shime hat in seiner langen Karriere unter anderem mit so großen Namen wie Eddie Van Halen, Tony MacAlpine, Mike Terrana, Rudy Sarzo, Richard Black und Steve Stevens zusammengearbeitet. Letzterer hat auf Damirs neuem Album im Stück Little’s Boy Dream auch einen Gastauftritt.

Wie geschätzt und respektiert Shime als Musiker ist, hat auch die jüngste Preisverleihung Fender / Mega Muzika gezeigt, die am 09.11.2006 in Zagreb stattfand, wo Shime aus den Händen des Direktors von Fender Europa die ehrwürdige Auszeichnung als bester Gitarrist des Jahres entgegennahm.

Auch diesmal hat der Gitarrenvirtuose eine erstklassige Besetzung nach Postojna mitgebracht: Neben Damir standen Ricky Riccardo – Bassgitarre (Mitglied der Tony MacAlpine Band) und Schlagzeuger Jeff Bowders (Mitglied der Paul Gilbert Band) auf der Bühne. So eine unschlagbar zusammengestellte Truppe war Garant für eine unvergessliche, virtuose Bühnenattraktion!

Die Uhr schlägt 22.15 und Shime begrüßt die Anwesenden: „Guten Abend, Postojna!“. Die Band zögerte keine Sekunde und das halsbrecherische Formel-1-Rennen der Musik ging los. Der Laden füllte sich eifrig und wogte im Schnitt mit 60 – 70 bestens gelaunten Musikfans, die gekommen waren, um sich das Hirn durchlüften zu lassen. Schon beim dritten Stück Hit And Run war die Band unglaublich heißgelaufen und hatte einen Gang höher geschaltet. Shime wirkte unfehlbar. Im Tempo der Malmsteen-Liga und im Zusammenspiel mit den zwei außergewöhnlichen Musikern gaben sie als (nur) „Power-Trio“ eine „Jam“ zum Besten, zu deren Takten man besser nicht versuchte, zufällig zu tanzen. Die Solo-Ausbrüche raubten einem den Atem.

Dabei hatten alle Nummern durchweg einen kompakten Zusammenhalt, sodass wir Anwesenden die Ausdruckskraft des Gitarrenriffs genießen konnten, das Shime überaus fest und entschlossen hinzustellen weiß. Eine echte Attraktion war das Schlagzeugsolo von Jeff Bowders, in dem der Junge zeigte, was für ein erstklassig geschulter Musiker er ist. Er entwickelte ein Tempo von unglaublicher Wucht. Vergessen wir nicht, dass letztes Jahr noch Glenn Sobel an Shimes Seite auf diesem Hocker saß und dass die Drums auf Shimes „Demostratus“-Platte von Mike „The Troll“ Terrana eingespielt wurden. Und warum spielt Bowders noch mal bei einem weiteren irren Gitarristen, Paul Gilbert? Kurz: makellose Technik, tödliche Geschwindigkeit, außergewöhnliche Kraft in der perfekten Ausnutzung jedes einzelnen Schlags. Kanonenhaft einäschernd bis zum Schluss!!! Nach dem Solo gab es für Jeff donnernden Applaus, Shime machte mit Never Say Never weiter, dessen Whitesnake-mäßig erotischer Anfangs-„Riff & Beat“ die elektrisch aufgeladene Stimmung lockerte. Aber auch Ricky blieb Bowders mit seinem Solo auf der fünfsaitigen Bassgitarre nicht viel schuldig. Little Boy’s Dream war besonders attraktiv. Dieser Song trägt genau diesen balkanischen Kniff in seinem Hauptmotiv, gehüllt in eine Metal-Schablone. Mit der Attitüde eines progressiv gebrochenen Geknatters lüfteten die Jungs die Atmosphäre in eine völlig neue Dimension und kehrten dann zum kompakten Grundmotiv des Stücks zurück. Als Songschreiber kommt Shime noch am ehesten an Satriani heran, der trotz technischer Komplexität äußerst hörbare Stücke komponiert. Shime ist die progressive Weiterentwicklung davon, bewahrt dabei aber die melodische Kompaktheit, und so fällt es einem tatsächlich nicht schwer, sich durch das Material zu beißen, das der Typ anbietet. Zugänglich. Der Reiz solcher Musiker liegt darin, dass sie immer erst auf der Bühne voll aufleuchten. Shime als Vertreter der amerikanischen Schule ist ein echter „Entertainer“, „Showman“, wobei er darin natürlich nicht so naiv-kindisch ist wie der Gitarrist Steve Vai mit seinen Plastik-Requisiten, Mascara und dem Wind in den Haaren. Shime hält sich strikt nur an die Gitarre. Als „Showman“ braucht er darüber hinaus nichts. Also: Satrianis Kompaktheit, Malmsteens klassische Melodik, aufgespannt auf progressive Wucht, ein „Power-Trio“ freibeuterischer Improvisation, aber innerhalb der Grenzen gewahrter melodischer Kompaktheit.

Das Konzert lief wie geschmiert. Die Band fühlte sich im Ambiente offensichtlich sehr wohl. Sie hatten die Unterstützung des Publikums und Kontakt zum Publikum, auch wenn weniger als 100 Leute da waren. Hauptsache, sie hatten Rückhalt. Die teuflischen Solo-Akrobatiken der Musiker, die eine außergewöhnliche Bühnenchemie der gegenseitigen Kommunikation entwickelten, komplex und zugleich von makelloser Treffsicherheit und Präzision im Spiel, belohnten die Leute mit Applaus.

Malmsteen war wirklich nicht zu vermissen! Shime hat mit seinen beiden Kompagnons einfach alles abgeliefert. Die erste Zugabe spielte die Band, ohne überhaupt von der Bühne abzutreten. Shime zog nur symbolisch für einen Moment das „Jack“ raus, dann machte sich die Band wieder an die Arbeit. Nach einer längeren Pause, in der die Band hinter der Bühne den Kopf kühlte, sah es schon so aus, als wäre das Konzert tatsächlich zu Ende. Und doch… Jeff kam zurück auf die Bühne und bot etwas, das auf Konzerten nur selten passiert. Schlagzeugsolo Nummer 2. Eine ganz hübsche Weile polterte er und unterhielt die Menge völlig allein, dann gesellte sich Ricky Riccardo zur gemeinsamen „Jam“ dazu und die Nummer wuchs komplett an! Als schließlich auch Chef Shime seinen Platz auf der Bühne einnahm, wurde die Melodie neu geboren. Die Jungs flogen hoch (Fly High) und spielten zum Abschluss noch ein Stück mit äußerst vielsagendem Titel: Loud Not Allowed!!!

Ein Konzert von einer Stunde und drei Vierteln! Wir Liebhaber technischer Makellosigkeit, fein verbunden und aufgewertet mit dem Witz der improvisatorischen Jam-Estrade, genossen es in vollen Zügen. Obendrein in der herzlichen Atmosphäre der Riziko Bar, wo ihnen Dünkel (gell, Ljubljana???) völlig fremd ist, und obendrein für 0,00 SIT, wo wir definitiv wieder hinkommen werden, und sei es nur auf ein Bier. Shime ist eine Attraktion erster Klasse. Eine Attraktion für jeden reifen Liebhaber von „Jazz“-Rock-Kapriolen in der Umarmung klassischer Melodien mit elektrischer Wucht, wie auch für den Musikpuristen, der gekommen ist, die technische und klangliche Makellosigkeit dieses faszinierenden Gitarrenhelden zu bewundern. Danke auch an Chef Milan für den wunderschönen Abend.

Setlist

1. 80’s Song
2. Camel Toe Boogie
3. Hit And Run
4. Welcome To My Noise
5. Too Much Coffee
6. Joker
7. Going Home
8. Solo Drums
9. Never Say Never
10. Blues RV
11. Solo Bas Guitar
12. Freedom
13. Little Boy’s Dream
14. Doodly Doodley Wrongway
15. Treason Without Reason
—Zugabe 1.
16. She’s Gone
—Zugabe 2.
17. Solo Drums
18. Fly High
19. Loud Not Allowed!!!

Bildergalerie

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies