Fischkampf auf der Karstwiese im slowenischen Grenzland (2006)
Ort: Briščiki (Opčine – Triest), Italien
Konzertdatum: 20.10.2006
Besucherzahl: 2000
Ticketpreis: 1.700,00 SIT
Opčine und Riblja Čorba. Italien und Riblja Čorba? B? Klingt ziemlich weit weg, vor allem wenn man sich daran erinnert, dass wir Slowenen und Riblja Čorba einst im selben Staat gelebt haben. Oder war da wieder mal die Sabotage des rechten Hakens der aktuellen Schädlinge der slowenischen Regierungsposition im Spiel, die dazu gezwungen hat, den Fischeintopf im slowenischen Grenzland statt in der slowenischen Hauptstadt zu kochen? Naja, lassen wir den Tratsch… Tratsch, der Lichtjahre entfernt ist von gesunder Musik und gesundem Volksvergnügen, das uns Slowenen oft blutig fehlt.
Opčine sind jedenfalls ein wunderschöner heimeliger Heuwiesen-Ort und für die zweite Oktoberhälfte vor allem ein willkommener Platz, wenn ein warmes Küsten-Karst-Lüftchen herüberweht, das den Besuch der Legenden des Yu-Rock beschert hat. Es war eher eine Art Festivälchen unter einer großen Zeltplane, wo sich so um die 2000 Leute zusammen aufwärmten und abfeierten. Wir waren sehr spät dran. Wir waren abgeschaltet, hungrig nach Grill, Party, Gaudi (ma kaki bre, budalo!!!), Bier (pa može burazeru !) und doch zu abgeschaltet, um Outsider und Šank Rock zu verfolgen. Die hatten längst ihre jeweilige Messe gelesen. Und trotzdem verhedderte sich die Akkreditierung ein bisschen. Wenn man alles erst in letzter Minute erfährt, geht es meistens um Haaresbreite. Und irgendwie sind wir dann doch durchs Nadelöhr des „Backstage“ geschlüpft, wofür ich mich bei der großen Unterstützung von Miškot – Chef von Outsider, sowie natürlich bei der Großzügigkeit des Veranstalters bedanken muss. Unser großer Yoda schmolz vor Glück dahin, dass er endlich vor Bora Đorđević durchdrehen darf. Einige Bekannte, die ich eine Billion Jahre nicht gesehen hatte, überraschten mich mit ihrem Besuch. Italiener natürlich nirgends. Sogar in slowenischen Tolar konnte man zahlen und sich ein Union bestellen. Herrlich.
Riblja Čorba spielte zwei Stunden. Volle zwei Stunden und volle 20 Songs Repertoire, das natürlich ein sicherer Garant für allgemeine Gaudi war. Die Leute hüpften vor der Bühne, das Zelt wurde regelrecht hin- und hergeschaukelt, jedes Mal wenn sich die breitere Masse Boras Gesang anschloss.
Standard! Saftige Witze, die Bora schon gut ein Jahrzehnt bei Konzerten einsetzt, sorgten für gute Energie. Ein Ansatz von optimalem Zynismus, wie man ihn nicht jeden Tag trifft, wenn man bei uns in der Gegend Konzerte besucht, und das Schutz- und Erkennungszeichen von Riblja Čorba wurde wieder zum Leben erweckt. Die Alten eingespielt, routiniert, gut gelaunt und in der Mitte Bora im Stil eines echten Mafia-Paten. Graue Mähne, darüber eine „Baseball“-Kappe, eingefallene, müde Augen, die schon manches gesehen und manches erlebt haben, manch eine Zigarette „scuzana“ sorgfältig bis zur Filterspitze, ein paar dicke, glitzernde Ketten und Kreuzritter-Obelisken um den Hals, die fast bis zum Hosenknopf hingen, und was ist das Wesentliche an allem? Magisches Charisma. Das übermütige Charisma des großen Anführers lockte aus dem Publikum immer wieder schmeichelhafte Reaktionen hervor: „Bora majstore, Bora majstore,…!!!“ Der Kerl blieb wirklich niemandem etwas schuldig. Mit seinen Ansagen zwischen den Songs landete er jedes Mal einen Volltreffer!
Die Gaudi war extrem schnell vorbei. Durch die Luft, getränkt vom Rauch verschiedenster Gebräue, vom massenhaften Zigarettenqualm über singende Grasrollen, angesengte Pljeskavicas bis hin zu Frittieröl, blitzten Scharen verschiedenfarbiger Scheinwerferstrahlen, die das hervorragende Bühnenspiel der legendären Band am Laufen hielten. Bora blieb natürlich auch gegenüber den montenegrinischen Brüdern und dem zarteren Geschlecht nicht gleichgültig. Letzteren zu Ehren erklärte er erneut die Bedeutung des Wortes P.I.Ć.K.A. (Partija Iskrenih Ćastitelja Kulture Alkohola). Also absolut nichts Schlimmes, liebe Damen! Obendrein sah sich mit den Klängen von Ostani đubre do kraja und Lutka sa naslovne strane die kernige Riblja Čorba schließlich doch gezwungen, sich vom aufgeheizten Publikum zu verabschieden, das lautstark noch einen weiteren legendären Klassiker der Band forderte.
Bora und die Band standen den Anwesenden auch nach dem Konzert zur Verfügung, als sich vor Bora eine ganze Prozession von Fans zusammendrängte, die sich mit ihm fotografieren lassen wollte. Wie es weiterging, weiß ich nicht, wir waren fertig und sehnten uns nach Ruhe, also machten wir uns auf den Rückweg Richtung Ljubljana, aber bestimmt war es noch irre heiß, es ist immer heiß, wenn echte Balkan-Energie in unsere Gefilde kommt, die Frage ist nur, wie hoch ihre Ausbeute ist. Definitiv würde es in extrem höheren Frequenzen knallen, wenn man Riblja Čorba im Süden erleben würde. Also ziemlich routiniert, mit Energiesparen von Bora & Co., aber für eine Gaudi findest du kaum eine bessere Location, wenn Riblja Čorba darauf landet. Kurz: zufrieden. Alle am Feiern. Hočemo još!
Setlist
1. Zvezda potkrovlja i suterena
2. Nojeva barka
3. Srbin je lud
4. Sponzori
5. Jedino moje
6. Poslednja pesma
7. Zelena trava
8. Dva dinara druže
9. Nemoj srećo, nemoj danas
10. Dobro jutro
11. Gdje si u ovom glupom hotelu
12. Odlazak u grad
13. Ja ću da pevam
14. Amsterdam
15. Avione slomiću ti krila
16. Kad padne noć (upomoć)
17. Anđele
—Zugabe—
18. Kad sam bio mlad
19. Ostani đubre do kraja
20. Lutka sa naslovne strane