Lady’s First haben in der slowenischen Hauptstadt ihre Unschuld verloren (2006)
Ort: Ljubljana (KUD France Prešeren), Slowenien
Konzertdatum: 19.10.2006
Besucherzahl: 80
Ticketpreis: 1000,00 SIT
Ich bin richtig spät am Veranstaltungsort aufgeschlagen, hinter mir lag nämlich ein anstrengendes Arbeitsmeeting. Ich glaube, das letzte Mal war ich hier bei den slowenischen „Bay Area Thrashern“ Negligence, irgendwann im April 2005, oh, wie unbarmherzig die Zeit verrinnt. Und schade, dass ich nicht noch später dran war. Es war nämlich schon 22.00 Uhr, und vom Konzert keine Spur. Ich habe mit einer Handvoll alter, guter und treuer Liebhaber der schwer tönenden Musikzutaten geplaudert und bin flott rein, ein Bier holen. Nach dieser anstrengenden Tat ertönt Gepolter. Elektrische Musik? Aha. Auf der Bühne legte zuerst eine junge Band los, deren Namen ich euch schnellstmöglich nachreiche. Es war ein Quartett, nämlich Drums, Bass, Gitarre und am Gesang eine Sängerin. Sie boten eine Mischung aus eigenem Material sowie Covern von U2, Green Day,… Interessant, wie solche Bands heutzutage wie Pilze aus dem Boden schießen. Vor nicht allzu langer Zeit haben Sheeva, die in eine ähnliche Richtung gehen, das Konzert von Deep Purple in Ljubljana eröffnet. Eine nach diesem Strickmuster gebaute Band – der Boom nach Morningwood und ähnlichen MTV-Bands ist auch in Slowenien angekommen. Die sexy, charismatische Sängerin ist definitiv das Ass im Ärmel der Band – ein Pokerblatt voller Asse! Sie hat eine kräftige Stimme mit einem Hauch von Frechheit und Verführung, was das Bewusstsein (oder Unterbewusstsein) des durchschnittlichen Rockers anspricht, vor allem aber tritt sie mit entschlossener, selbstbewusster Bühnenpräsenz auf, die sie noch mit einem tollen Outfit aufgewertet hat – daran könnten sich auch die anderen drei milchbärtigen Zottelköpfe auf der Bühne ein Beispiel nehmen, die vorerst weniger als ein blasser Schatten des Charismas der Sängerin sind. Daumen drücken für die Jungs!
Lady’s First sind an diesem Abend, soweit ich auf ihrer Website nachschauen und die Liste der „abgespulten“ Konzerte ihrer Karriere durchgehen konnte, überhaupt zum ersten Mal in ihrer Karriere in Ljubljana aufgetreten. Das Konzert starteten sie mit dem schlagkräftigen High Machine, und das spärliche Publikum, das im KUD bis nach Mitternacht ausharrte, kam mit seinen Bewegungen schnell mit der Band auf der Bühne in Einklang. Die Jungs stellten ihr kürzlich erschienenes Debüt „911“ vor, und entsprechend war auch die Setlist aufgebaut, die praktisch alle Songs des aktuellen Debüts enthielt.
Am meisten ging das Publikum bei den Coverversionen von Highway Star (Deep Purple), Sweet Child Of Mine (Guns N‘ Roses) und Hallowed Be Thy Name (Iron Maiden) ab. Letzteren hatte ich vor vier Tagen in glühend beschleunigter Form von Lycanthrope gehört, die Umsetzung des Klassikers von Iron Maiden in den Händen von Lady’s First war aber ebenso brillant, nur dass sie in Tempo und Ausführung dem Original so nah wie möglich blieb (auch die Soli, vor allem das zweite – bravourös „nachgetaped“ – nachgetappt). Die Jungs spielten insgesamt eine Stunde und lieferten darin ein Bild, das außergewöhnliche Abgestimmtheit und Eingespieltheit der Band zeigte, sowohl spielerisch als auch in der Bühnenperformance. Natürlich fehlen ihnen noch ein paar Kilometer auf dem Tacho, und das merkt man auch im Kontakt mit dem Publikum, den meist nur der Sänger pflegte, während die übrigen vier strikt auf die Umsetzung des Materials fokussiert waren. Der ganze Auftritt wurde mit einer hervorragend gewählten Lightshow gewürzt, soweit der Saal im KUD das eben zulässt.. Dass der Sänger nicht gerade seinen besten Tag hatte, zeigte am deutlichsten die Umsetzung der erwähnten Hymne von Iron Maiden, weil er die Melodien einiger der höchsten Register kappen musste. Okay, das ist Haarspalterei, an der vermutlich die trockene, mit Zigarettenrauch gefüllte Luft im Saal schuld war. Wie ich es auch drehe und wende: Wir haben einen stimmigen, soliden Auftritt erlebt, der spielerisch überzeugte und bei dem nichts verhindern konnte, dass sich die Köpfe der Anwesenden in den vorderen Reihen des Publikums um die eigene Achse drehten.
Der Abend mit Lady’s First wurde durch das Auftauchen von Amtspersonen in Blau getrübt, die dem Veranstalter öffentlich eine Verwarnung erteilten, er müsse umgehend jede Aktivität einstellen, die den festen, erquickenden Schlaf der Muttis der umliegenden Wohnhäuser verhindert, denen für die Abendunterhaltung offenbar zu schnell die mexikanischen Telenovelas im TV ausgegangen sind. Lady’s First wollten sich gerade den Song 911 vornehmen, da kam schon die Polizei angerauscht – man musste also nicht mal die Nummer 911 wählen, damit die „Bullen“ vor der Tür stehen. Offenbar hat uns das wirklich dieser kosmische Strahl vor drei Tagen eingebrockt. Gleich nach Way Of The Old brach die Band das Konzert ab, das weiße Licht ging an, und uns blieben die Songs 911, Killing In The Name Of (Rage Against The Machine) und Nisi ti vorenthalten. Natürlich war das Publikum sichtlich enttäuscht, was aber letztlich ein gutes Zeichen war. Es bedeutete nämlich, dass Lady’s First in der slowenischen Hauptstadt einen beneidenswerten Eindruck hinterlassen und laut und deutlich darauf hingewiesen haben, dass man mit den Jungspunden aus Bled in Zukunft ganz ernsthaft rechnen muss. Jungs, nur weiter so forsch voran!
Setlist
1. Intro
2. High Machine
3. Lady
4. Highway Star
5. Criminal
6. Lf
7. Sweet Child Of Mine
8. The Game
9. Hallowed Be Thy Name
10. Prazna cesta
11. Way Of The Old