Spektakuläres Comeback von Riverside in Slowenien (2019)

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Ort: Ljubljana / CUK Kino Šiška / Slowenien
Datum: Donnerstag, 14.03.2019


Die polnische Progressive-Rock-Band Riverside hat in den letzten Jahren einige schwere Schicksalsschläge durchgemacht. 2016 verstarb Langzeit-Gitarrist Piotr Grudziński, der mit seinem Stil zweifellos eine Besonderheit der Gruppe war. Es kamen Gedanken auf, die Band könnte deshalb ganz aufhören. Irgendwie fanden die verbleibenden drei jedoch wieder den Willen und kehrten auf die Bühne zurück. Letztes Jahr erschien dann sogar das Album Wasteland, mit dem Riverside bewiesen, dass sie noch immer ihren Wert haben. Nach dem ersten Besuch in Slowenien 2013 (Konzertrezension HIER) entschied sich die Band für ein Comeback, verbunden mit der Hoffnung, dass ihre Bekanntheit in Slowenien gewachsen ist. Das Konzert wurde nämlich in einer größeren Halle als beim ersten Mal angekündigt.

Das Gelände des Kino Šiška sah auf den ersten Blick, was den Besucherandrang angeht, nicht besonders vielversprechend aus. Letztendlich handelt es sich um eher progressiv ausgerichtete Musik, die in Slowenien nicht gerade Massen anzieht, außer es geht um eine Band, die schon seit Jahrzehnten auf der Szene ist. Trotzdem sah es besser aus als 2013 in der Metelkova, wo der Zuspruch wirklich bescheiden war. Einige Besucher kamen sogar aus Kroatien.

Riverside wurden auf dieser Tour von den niederländischen Lesoir begleitet. Die fünfköpfige Gruppe, die Art Rock spielt, versuchte mit melancholischerem Sound und weiblichem Gesang zu begeistern. Durchaus eine angenehme Sache, aber nicht jedermanns Geschmack. Man hörte verschiedene Einflüsse heraus. Aufgrund des weiblichen Gesangs kamen Assoziationen zu The Gathering bzw. Sängerin Anneke van Giersbergen auf. Für Abwechslung griff die Sängerin auch zur Flöte, und atmosphärische Einlagen von den Keyboards gab es reichlich. Lesoir haben schon einige Alben hinter sich, die Erfahrung merkt man ihnen auch an, doch für mehr Bekanntheit werden sie regelmäßiger auf Tournee gehen müssen.

20 Minuten nach neun war es Zeit für Riverside. Irgendwelche Zweifel an ihrem Auftritt sind überflüssig. Die Band ist seit jeher für ihr brillantes Zusammenspiel bekannt. Vor allem verbringen sie auch sehr viel Zeit im Proberaum, wo sie üben und auch kreieren. Einzig der neue Gitarrist Maciej Meller könnte Anlass zu Zweifeln geben — er ist zwar kein offizielles Mitglied, hilft der Band aber sowohl beim Aufnehmen als auch auf Tourneen. Bei Meller stellte sich schnell heraus, dass er ein exzellenter Gitarrist ist, was auch in der Abstimmung mit den anderen Mitgliedern deutlich zu sehen war.

Logischerweise legten Riverside den Schwerpunkt auf das aktuelle Album Wasteland (Rezension HIER). Aber angesichts der vielseitigen Diskografie servierten das Quartett auch den einen oder anderen älteren Song. In ihrem Repertoire, das etwas mehr als zwei Stunden dauerte, spielte die Band Songs von fast allen Alben. Nach zwei Stücken vom aktuellen Album kam Reality Dream I vom Debüt Out of Myself (2003). Mariusz Duda, Bassist und Sänger der Band, ergriff auch mehrmals das Wort. Er motivierte das Publikum mit dem Hinweis, dass sie zwar als Progressive-Rock-Band eingestuft werden, beim Konzert aber nicht todernst sein müssen. Duda bewies zweifellos, dass er ein hervorragender Bassist ist, der sowohl mit dem Plektrum als auch mit den Fingern umzugehen weiß. Im Schlussabschnitt griff er dann auch zur Akustikgitarre. Dass er als Sänger überzeugt, muss man kaum extra betonen. Sein Gesang ist klar, und man hört Einflüsse von Steven Wilson, Opeth und Katatonia heraus.

Riverside haben in ihrer Karriere einige längere Songs angehäuft, die sich als Ganzes nur schwer ins Konzertrepertoire einbauen lassen. So wurde beispielsweise etwa die halbe Komposition Second Life Syndrome gespielt, die zu den progressivsten Stücken der Band zählt. Doch der Übergang zum Song Left Out, der ebenfalls zu den längeren Stücken gehört, war clever gemacht — vor allem aber merkte man, wie durchdacht die Band ihr Konzertrepertoire einstudiert, bevor sie es live präsentiert.

In ihrem Repertoire ließen Riverside das Album Shrine of New Generation Songs aus. Nicht ausgespart wurde hingegen Love, Fear and Time Machine, von dem sie den Song Lost und den Einstieg von Saturate Me spielten. Als Überraschung ließ sich Egoist Hedonist nennen, der zwar regelmäßig im Repertoire steht, dessen Natur aber an Space Rock heranreicht — mit einem herausstechenden Elektronik-Einschub, für den der exzellente Keyboarder Michał Łapaj zuständig war, der im Laufe des Konzerts gelegentlich auch beim Gesang die eine oder andere Zeile beisteuerte. Sein Spiel überzeugt zweifellos, denn Lapaj greift neben den Keyboards auch zu Hammond, Moog und Theremin. Lapaj lächelte durchgehend und war außergewöhnlich synchron mit den anderen Mitgliedern. Man sah, dass der Mann seinen Beruf genießt.

Riverside gestalteten ihr Repertoire mit abwechslungsreichen Songs. Es waren lange und komplexere Schöpfungen dabei, versetzt mit Einschüben in die „floydsche“ Verträumtheit. Zwischendurch fiel auch der ein oder andere knallige, metallische Song. Natürlich zeigten sie auch ihre ruhige bzw. emotionale Seite. Dabei fehlte der eine oder andere Favorit — gespielt wurde nämlich die Neuigkeit Guardian Angel sowie Loose Heart vom ersten Album, was keine Selbstverständlichkeit im Repertoire ist. Den regulären Teil schloss die Band mit dem progressiv gefärbten Wasteland ab, bei dem die Band mit ihrem Spiel natürlich begeistert. Bei den rhythmisch intensiveren Stücken rückte auch Schlagzeuger Piotr Kozieradzki in den Vordergrund, der die Band durchs gesamte Konzert hervorragend im richtigen Rhythmus und Tempo hielt.

Als Zugabe servierte die Band noch das ruhige The Night Before sowie den Dauerbrenner 02 Panic Room vom Album Rapid Eye Movement. Den Kreis schloss River Down Below vom aktuellen Album, bei dem der Roadie der Band die Bassgitarre übernahm, während Duda zur Akustikgitarre griff. Das Klangbild war dadurch noch voller, der Abschluss umso überzeugender. Trotz des geringen Zuspruchs ernteten Riverside einen kräftigen Applaus — und das zweifellos auch als Folge der Unroutiniertheit und der positiven Stimmung.

Eine halb leere Halle des Kino Šiška erlebte ein Konzert, das sich tief ins Gedächtnis einbrennen wird. Mit brillantem Zusammenspiel, einem durchdachten Repertoire, Bühnenlichtern und Sound haben Riverside klargemacht, dass sie nicht ohne Grund zu den angesehensten Progressive-Rock-Bands der Gegenwart zählen. Beim nächsten Besuch hofft man, dass Riverside auch in Slowenien an Popularität gewinnen — und natürlich, dass das Comeback in ein paar Jahren stattfinden wird, wie es auch versprochen wurde.

Autor: Primož Novak
Fotos: Aleš Podbrežnik


LESOIR:
1. Feet On The Ground
2. Single Eyed
3. Gone And Forgotten
4. In The Game
5. Luctor Et Emergo
6. Going Home
7. Eden’s Garden
8. Faith Is
9. Modern Goddess
10. Flawless Chemistry
11. Dominion
12. Latitude

RIVERSIDE:
1. intro
2. Acid Rain
3. Vale of Tears
4. Reality Dream I
5. Lament
6. Saturate Me
7. Out of Myself
8. Second Life Syndrome
9. Left Out
10. Guardian Angel
11. Lost (Why Should I Be Frightened By a Hat?)
12. The Struggle for Survival
13. Egoist Hedonist
14. Loose Heart
15. Wasteland
—Zugabe—
16. The Night Before
17. 02 Panic Room
18. River Down Below

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