Billy Joel – zmagoviti povratek v Evropo
Autor: Jernej Vene
Ort: Stadthalle / Wien / Österreich
Konzertdatum: 25.06.2006
Besucherzahl: 0
Ticketpreis: 30 – 228 Euro
Billy Joel ist ein Künstler von Weltruf. Die ausverkaufte Wiener Stadthalle empfing ihn herzlich: Schon nach dem zweiten Song gab es tosenden Applaus im Stehen, der minutenlang nicht abreißen wollte. Der Grund liegt auch darin, dass er zuletzt 1994 in Europa aufgetreten war und vier Jahre später die Tour mit Elton John wegen Halsproblemen abgesagt hatte. Die Musikwelt wurde 1973 mit dem Erscheinen seines zweiten Albums Piano man auf Billy Joel aufmerksam, und seitdem ging es mit ein paar Dellen größtenteils bergauf bis an die Spitze der Unterhaltungsmusik. Ich kann sagen: Der Wiener Auftritt war voller großartiger Vibes. Bei Joels reichem Œuvre ist es schwer, Songs zu finden, die allen im Publikum gefallen, und trotzdem spielte und sang er auch einige, die keine großen Hits waren, was den Zauber des Abends noch zusätzlich verstärkte. In seiner Musik hören wir Pop, Rock, Jazz, Soul, einen Hauch Las Vegas, Melodien im Beatles-Stil, und der Meister Billy verpackt das alles in seine ganz eigene Musikschachtel, aus der er einen Song nach dem anderen zieht.
Unterstützt wurde er von einer hervorragenden Begleitband, die zwar zwei Mitglieder weniger hat als auf der amerikanischen Frühjahrstour, aber egal. Sie begleitet Joel wie eine gut geölte Maschine, und es wäre nicht fair, jemanden hervorzuheben, denn sie haben mich sowohl in der Umsetzung als auch in den Ideen überzeugt. Billy Joel spielte ein Konzert von zweieinviertel Stunden und achtete dabei ständig darauf, dass die Spannung keine Sekunde nachließ. So viel pianistische Bravour und kompetenten Gesang hört man nur bei ihm. Die hohen Töne, die er in der Jugend mühelos gesungen hat, führte er live in andere, genauso interessante Lagen. Bei zwei Songs halfen ihm zwei Wiener Musiker aus (der Akkordeonist Krzystof und der Geiger Aleksej – eigentlich kommen die beiden von woanders, aber das ist eine andere Geschichte:-))), die für einen volleren Auftritt sorgten. An Licht und Sound gibt es nichts auszusetzen, die Zuständigen haben ihren Job perfekt gemacht. Billy Joel war die ganze Zeit die souveräne Zentralfigur, zwischen den Songs reihte er Gag an Gag, und die Drehbühne mit dem Klavier wurde während des Auftritts ein paarmal gedreht, sodass ihn alle von seiner schönsten Seite sehen konnten. Ich würde euch das Lesen gern mit ein paar von Billys Einfällen würzen. Gleich am Anfang meinte er, die Verantwortlichen in der Halle sollten für bessere Kühlung sorgen, schließlich hätten die Leute ordentlich für die Tickets gezahlt (von 30 bis 228 Euro). Er fügte hinzu, dass er selbst auch etwas Ähnliches verdient hätte, denn er werde an diesem Abend am meisten von allen verdienen. Die Hitze war wirklich höllisch. Nach dem Song Leningrad erklärte er uns, dass er sich zwei Themen daraus bei Schumann und Grieg geliehen hat. Natürlich führte er uns das anschaulich vor. Bei I go to extremes spielte er im letzten Teil das Klavier mit dem Rücken (was bei ihm eine bewährte, aber sehr wirkungsvolle Praxis ist). Er zeigte uns auch, dass er den Mikrofonständer perfekt schwingen kann, und zwar so gut, dass sogar Robert Plant, Roger Daltrey oder David Coverdale problemlos noch etwas dazulernen könnten. Den Mikrofonständer boxte er ein paarmal und bewies damit, dass er seine Boxerkarriere noch nicht vergessen hat. Beim Song Vienna und einem Stück von Strauss‘ schöner blauer Donau wurde das Publikum natürlich ganz weich, aber so bläst man den Fans eben Honig um den Bart. Und genau darin ist Joel ein großer Meister. Die größte Überraschung war aber die Ankündigung eines „geistlichen Liedes“, bei dem der bärenstarke Gitarrentechniker Chainsaw (Kettensäge) die Hauptstimme übernahm. Joel schnallte sich eine E-Gitarre um, und die Eröffnungsakkorde des AC/DC-Klassikers Highway to hell donnerten los. Die Leute standen schon seit einer Weile, aber dieser Song brachte die Temperatur zum Kochen. In der Zugabe überließ Billy Joel den Song Piano man unseren Kehlen, und ich finde, wir haben uns ganz gut geschlagen.
Vielleicht noch ein Vergleich mit den Eagles, die über die Jahre Joels Zeitgenossen sind. Die Musik ist zwar ziemlich anders, aber meiner bescheidenen Meinung nach hat Joel die Eagles-Mitglieder mit einem viel druckvolleren und emotionaleren Auftritt übertrumpft. Ich freue mich, dass ihn zumindest ein paar Slowenen gesehen haben, die wissen, was gute Musik und ein ehrlicher Auftritt sind.
Setlist
1. Prelude/Angry Young Man
2. Oda radosti (Song Of Joy)/My Life
3. Vienna
4. Everybody Loves You Now
5. Honesty
6. The Entertainer
7. Leningrad
8. Zanzibar
9. New York State Of Mind
10. The Downeaster Alexa
11. Allentown
12. Movin‘ Out (Anthony’s Song)
13. Big Man On Mulberry Street
14. An Innocent Man
15. I Go To Extremes
16. Keeping The Faith
17. Na lepi modri Donavi (An der schoenen blauen Donau)
18. She’s Always A Woman
19. The River Of Dreams
20. Highway To Hell (gesungen vom Gitarrentechniker Chainsaw)
21. We Didn’t Start The Fire
22. It’s Still Rock N‘ Roll To Me
23. Big Shot
24. You May Be Right
—Zugabe—
25. Only The Good Die Young
26. Scenes From An Italian Restaurant
27. Piano Man
Besetzung:
Billy Joel – Gesang, Klavier, Gitarre
Tommy Byrnes – Gitarren
Mark Rivera – Saxofon, Keyboards, Gitarre, Percussion
Andy Cichon – Bass
David Rosenthal – Keyboards
Chuck Burgi – Schlagzeug
Carl Fisher – Trompete, Kornett, Saxofon
Gäste:
Krzystof – Akkordeon (Downeaster Alexa, Vienna)
Aleksej – Geige (Downeaster Alexa)
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