Arena und der Ball der Geister im Wiener Planet Music (2005)

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Ort: Wien (Österreich), Planet Music
Konzertdatum: 18.09.2005
Besucherzahl: 250
Ticketpreis: 19,00€

Nach fast zwei vollen Jahren hat es mich wieder nach Wien verschlagen, und zwar bei herrlichem Dauerregen den ganzen Tag, der inzwischen schon fast als Synonym für das diesjährige Wetter gelten kann. Das Konzert ging um 22:00 Uhr los, die beiden Vorbands kamen aus der Gegend und waren nicht mal eine Erwähnung wert. Klar, die österreichischen Landsleute waren von den beiden begeistert, haben gegrölt und ihre Jungs angefeuert, aber durchschnittlicher Power Metal reicht auf der starken internationalen Szene einfach nicht. Nach allem, was ich schon hinter mir hatte, haben meine Ohren nicht auch noch zweitklassiges Geschrammel verdient, also bin ich zurück ins Café getrottet, zum nächsten bitteren Kaffee.

Arena, bescheidene Briten und Vertreter des Neo-Prog-Rocks, dieses einzigartigen Begriffs, der sich in den Achtzigern auf britischem Boden mit Bands wie Marillion und I.Q. entwickelt hat, stark geprägt vom Erbe der Übergiganten Genesis, sind eine Band, die dienstalterstechnisch noch ziemlich jung ist (10 Jahre Bestehen), aber aus erfahrenen, abgebrühten Hasen besteht, mit Drummer Mick Pointer (ex-Marilion) und Keyboarder Clive Nolan (ex-Shadowland, Pendragon), den so mancher neben die ganz Großen seines Fachs stellt (z. B. Tony Banks oder Rick Wakeman). Zum Einstieg haben sie gleich mit Bedlam Fayre vom aktuellen Album „Pepper’s Ghost“ losgelegt. Die Band hatte ein paar Soundprobleme, weil sie noch um die Balance auf der Bühne rang. Ins Ohr stach vor allem Mitchells entschieden zu laute Gitarre, unter der besonders Nolans Mellotron zu leiden hatte.

Die Setlist war phänomenal. Besonders gezündet haben Arena damit, dass sie das fantastische A Crack In The Ice wieder ins Set geholt haben, und nicht nur das: Die Setlist wurde von Songs des Albums The Visitor (1998) dominiert. Auf der Bühne stach Sänger Rob Sowden heraus, der als eine der Figuren aus der Konzeptgeschichte von Pepper’s Ghost verkleidet war. Obendrein trug Sowden eine Brille und eine Perücke, mit denen er scheinbar unglaublich an Gary Oldman aus dem Film „Dracula“ erinnerte. Sowden glänzte neben seinem außergewöhnlichen, voll eingetauchten Gesang auch mit bravouröser Bühnenpräsenz, mit der er auf ganzer Linie überzeugte und die Situation die ganze Zeit großzügig im Griff hatte.

Während Smoke & Mirrors ist es passiert, dass Mitchell beim Riff im Timing zu spät dran war und die Band beim Übergang in einen neuen Rhythmus nicht zusammenfand. Mitchell drehte sich sofort zu Bandleader Nolan um, nach dem Motto: „Sorry pal!“, und Nolan zuckte dabei nicht mal mit der Wimper.

Trotz allem haben Arena das, wofür sie so brennen, ganz eigenwillig auf die Bühne gebracht. Sie entfalteten eine fantastische Bühnenmagie aus einer ganzen Reihe dichter Stimmungen, die wirkungsvoll und bestens verzahnt ineinander überflossen. „Music of many moods“, wie Bandkopf Clive Nolan ihre Musik nennt, entführte die wenigen Anwesenden im Planet Music so in die märchenhafte Welt der Band. Dass einer der Klassiker der Band im Set war, die tolle, kompakte Medusa, hat mich besonders gefreut, und einer der Höhepunkte des Konzerts war die Version von The Shattered Room, in der die Mission der Band in ihrem ganzen Wesen aufleuchtete. Die Hauptrolle spielten Mitchell und Nolan, und überhaupt hat Mitchell hier mit seinem großartigen Gitarrenspiel überzeugt. Den Hauptteil beschloss die Band mit dem tollen, knackigen Enemy Without, das live besonders explosiv und kompromisslos klang. Gerade zum Schluss ist das Volk so richtig aufgetaut.

Arena kamen für die Zugabe zurück. Auf der Bühne standen nur Sowden und Bassist Ian Salmon, die mit zwei Akustikgitarren die Zugabe mit dem Song Friday’s Dream eröffneten. Cying For Help VII war eine Überraschung (für alle von euch, die die Band auf ihrer letzten „Contagion“-Tour verpasst haben). Im Original ist das ein komplett „a cappella“ gesungener Song. Diesmal haben sie ihn zu einem knackigen Rocker umgebaut, der das ganze Publikum noch einmal auf die Beine brachte. Danach verabschiedeten sich Arena äußerst routiniert.

Womit ich nicht gerechnet hatte, war das Skandieren eines Häufchens Anwesender, vielleicht maximal zehn: „Heeeelp me, Heeeelp me, oooooh Help Me!“, also Verse des Schlusssongs. Arena tauchten wieder auf der Bühne auf. Mitchell und Nolan schon umgezogen, Salmon oben ohne. „Wären wir zehn Sekunden zu spät gewesen, würden wir schon unter der Dusche stehen!“, sagte Nolan zum Publikum, und Mitchell, der in diesem Song noch einmal ein außergewöhnliches Gespür für Raffinesse zeigte, begann das bekannte Intro des tollen Jericho von ihrem Debüt „Songs Form The Lions Cage“ (1995) zu zupfen. „Gott sei Dank!“, dachte ich. Im Auftritt hatte man die Klänge der Klassiker vermisst, und Jericho traf diesmal voll ins Schwarze. Jericho legte so sein Steinchen ins Mosaik des Bühnenauftritts der Band, der, was das Repertoire angeht, eigentlich phänomenal war.

Die britischen Perfektionisten hinterließen trotz ein paar Soundpannen und der relativ lauwarmen Reaktion des Wiener Publikums (was zum Teufel ist eigentlich mit diesen Österreichern los!?!?) vor einem zu drei Vierteln leeren Planet Music einen äußerst zufriedenstellenden Eindruck und überzeugten die Anwesenden mit der bekannten, einzigartigen Arena-Bühnenmagie.

Setlist

1.The William Tell Overture (Taped Intro)
2.Bedlam Fayre
3.A Crack In The Ice
4.Midas Vision
5.A State Of Grace
6.(Don’t Forget To) Breathe
7.Smoke And Mirrors
8.Purgatory Road
9.Witch Hunt
10.Medusa
11.Serenity
12.The Shattered Room
13.Chosen
14.Skin Game
15.Enemy Without

Zugabe I
16.Friday’s Dream
17.Crying For Help VII.

Zugabe II
18.Jericho

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